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Wir sollten aufmerksam werden, wenn...

  • ...erwachsene Menschen den Kontakt nur über ein Kind zu einer Familie herstellen.
  • ...Erwachsene große Teile ihrer Freizeit mit Kindern verbringen.
  • ...Erwachsene Situationen schaffen, in denen sie mit Kindern allein sein können, ohne dass dafür ein erkennbarer Grund vorhanden ist oder sich rechtfertigen lässt.
  • ...Erwachsene sich ungewöhnlich viel Für Kinder interessieren.
  • ...Männer, Kinder (auch in Kleingruppen) zu sich nach Hause einladen, wenn sie allein sind.
  • ...die mit dem Erwachsenen zusammen gewesenen Kinder ungewöhnliche Verhaltensweisen zeigen, z.B.: Wie reagiert das Kind auf die Ankündigung des Besuches von..., oder: Wie verhält sich das Kind demjenigen gegenüber, vermeidet es Blick/Körperkontakt, entzieht es sich, wie reagiert es im Anschluss an den Besuch?
  • ...Männer ‘medizinische Gründe’ vorschieben, den Genitalbereich von Kindern anzufassen, z.B. durch ‘intensives’ Eincremen von ‘wunden’ Stellen im Genitalbereich und dies möglichst häufig wiederholen.
  • ...Männer Kinderpornographie, Kindererotika oder Presseberichte von sexuellen Straftaten sammeln. Manche Täter masturbieren zu den Bildern, Filmen, Hörspielen (oder erinnern sich an frühere sexuelle Straftaten mit Kindern). Hierdurch vollzieht sich eine Abstumpfung gegenüber der sexualisierten Gewalt von Kindern, Hemmungen werden zunehmend abgebaut und enden schließlich irgendwann im tatsächlichen Missbrauch.
  • ...Männer Bücher, Artikel, Zeitungen, Fotos, Videos, private Briefe, Tagebücher, Kleidung, Andenken, Spielzeug, Spiele, Bilder etc. sammeln (z.B. in Alben oder an die Wand kleben), die mit sexuellem Missbrauch in Beziehung stehen.
  • ...Männer fremde Kinder fotografieren und sie dazu mit kleinen Geschenken oder der Aussicht, ins Fernsehen oder in die Zeitung zu kommen, ‘überreden’. Sie machen dem Kind und den Eltern Hoffnung, dass sie das Kind als Modell beim Fernsehen vorstellen werden.
  • ...ein Mann ständig ein oder mehrere Fotos von einem oder mehreren Kindern in seiner Brieftasche trägt, die unmittelbar mit ihm gar nichts zu tun haben (also keine Verwandten, keine Patenkinder etc.).
  • ...ein Mann seine Frau und Kinder als Besitz ansieht, sie voll Eifersucht hütet und sich um jeden Preis als (Be-)Herrscher der Familie behaupten will/wird.

Männer sollten nachdenklich werden wenn...

...sie beim Masturbieren oder beim Geschlechtsverkehr sexuelle Phantasien mit Kindern haben.

...sich ihre Gedanken gehäuft um Kinder drehen. Diese Gedanken vor allem sexuellen Charakter haben. (Nicht gemeint ist die allgemeine Sorge um Kinder, deren Verhaltensweisen, Ängste, Nöte, oder Erziehungsfragen etc.).

...sie eine Erektion bekommen, während ein Kind auf ihrem Schoß sitzt. Dies gilt vor allem dann, wenn sich das wiederholt und wenn sie es infolgedessen auf ihrem Schoß behalten, weil es ihnen angenehm ist oder sie sogar eine Verstärkung dieses Gefühles wünschen . Auch wenn sie das Kind auf den Schoß nehmen, weil sie sich eine Erektion dadurch erhoffen

Frauen als Täterinnen sexueller Gewalt

Die Auseinandersetzung mit sexueller Gewalt wurde von feministischer Seite lange Zeit ausschließlich auf dem Hintergrund männlicher sexueller Gewalt gegenüber weiblichen Opfern geführt. Dies hatte seine Berechtigung, angesichts der Zahlenverhältnisse männlicher und weiblicher Täter. Während man zu Beginn der 80er Jahre davon ausging, dass die Täter fast zu 100% männlich sind, kann zum gegenwärtigen Zeitpunkt davon ausgegangen werden, dass etwa 90% der Täter männlich und 10% weiblich sind. Diese Zahlenangaben sind als Annäherungswerte zu bezeichnen und können nicht auf breit angelegte Forschungsergebnisse gestützt werden. Sie stellen eher Schätzungen dar, die aufgrund von Untersuchungen mit kleineren Stichproben erfolgten. Forschungen über weibliche Täter sind in der Bundesrepublik bisher nicht ausreichend durchgeführt worden. Den MitarbeiterInnen von Beratungsstellen gegen sexuelle Gewalt wurde erst sukzessive bewusst, dass auch Frauen Mädchen und Jungen sexuell missbrauchen. Dies konnte jedoch erst geschehen, als das Tabu, dass auch Frauen Täterinnen sind, allmählich aufbrach. In der (feministischen) Beratungspraxis rief diese neue Erkenntnis große Verunsicherung hervor, und erst allmählich reifte die Einsicht, dass sexualisierte Gewalt zwar seltener als von Männern, aber keineswegs vereinzelt durch Frauen ausgeübt wird. Es stellt also eine Notwendigkeit dar, sich mit dieser Facette sexueller Gewalt auseinander zu setzen.

Wie kommt es, dass bisher so wenig über sexualisierte Gewalt durch Frauen bekannt ist? Sexualisierte Gewalt durch Frauen unterliegt, aufgrund von Weiblichkeits- und Mütterlichkeitsmythologien, derzeit einem noch größeren Tabu als sexualisierte Gewalt durch Männer. Es ist aber davon auszugehen, dass eine Enttabuisierung dazu beiträgt, eigene Betroffenheit und damit Prävalenz und Phänomenologie bekannt zu machen. Ein weiterer Aspekt ist die zögernde Bereitschaft von Männern/Jungen, über die erlebte sexualisierte Gewalt zu sprechen. Außerdem wird sexualisierte Gewalt an einem (pubertierenden) Jungen durch eine Frau von ihm selbst und von der Gesellschaft oft nicht als sexuelle Ausbeutung eingestuft, sondern, wie bereits erwähnt, als ‘Einweihung ins Mannesalter’ durch eine ‘erfahrene’ und ‘reife’ Frau angesehen oder umgedeutet. Deshalb verdrängen männliche Opfer eher Erinnerungen an einen Missbrauch durch Frauen als an einen durch Männer. Oft wird behauptet, der Junge würde quasi mit Erfahrungen ‘beschenkt’, weil er jetzt weiß, wie mit Frauen ‘umzugehen’ ist und nun nicht mehr ’stÜmperhaft’ mit pubertierenden Mädchen ‘herumexperimentieren’ müsse. Sexualisierte Gewalt durch eine Frau ist für die meisten Jungen jedoch weniger ein Geschenk, sondern vielmehr, ähnlich wie Für Mädchen, eine erhebliche Störung in der psychosexuellen Entwicklung.

Sexualisierte Gewalt durch Frauen ist schwerer wahrzunehmen und aufzuklären, da er häufig in Pflege- und Fürsorgeverhalten eingebunden ist. Jedoch scheint sich hierin eine Verharmlosung widerzuspiegeln, die von tief liegenden Ängsten vor sexueller Gewalt durch Frauen und Mütter gekennzeichnet ist. Diese Ängste verhindern die Aufklärung sexualisierter Gewalt durch Frauen. Hierin spiegelt sich die mythologisierte Idealisierung der Mutterrolle wider. Sie ist in der patriarchalen Gesellschaft ideologisch und emotional geprägt. Die Mutter wird als asexuelles Wesen gesehen, die sich dem Kind selbstlos zuwendet. Die Für sorge und Pflege der Kinder obliegt auch heute noch vor allem den Frauen. Ihnen wird ein intensiverer Körperkontakt zu Kindern zugestanden als Männern, und bestimmte Handlungen werden bei Frauen noch als ‘normal’ angesehen, die bei Männern aber schon als übergriffe wahrgenommen werden. So kann das Sorge- und Pflegeverhalten von Mütter n oder Frauen, wenn es mit sexuellen übergriffen gekoppelt sein sollte, gut kaschiert werden.

Wird sexualisierte Gewalt als patriarchales Macht- und Unterwerfungsbedürfnis verstanden, steht diese Erkenntnis scheinbar im Widerspruch zur Mutter- und Frauenrolle. Frauen werden zwar als das ‘friedfertige Geschlecht’ sozialisiert und wurden deshalb lange nicht als potentielle Täterinnen in Betracht gezogen. Frauen sind jedoch nicht nur Angriffsfläche Für männliche Gewalt, sondern auch in der Lage, gegenüber statusniedrigeren, schwächeren Personen Gewalt auszuüben. Dieser Aspekt wurde lange ausgeblendet und führte dazu, Frauen nicht als Täterin wahrzunehmen. Hinzu kamen andere Gründe, die diese Einsicht verhinderten und tabuisierten. Nach Elliotts Auffassung wirkt sexualisierte Gewalt durch Frauen so bedrohlich, weil er unsere Vorstellungen darüber, wie sich Frauen gegenüber Kindern verhalten (sollen) irritiert und in Frage stellt. Andererseits gibt es Gründe, die erklären, warum weniger Frauen als Männer zu Täterinnen werden:

Die geschlechtsspezifische Erziehung prägt die Orientierung bei Mädchen und Frauen auf ältere, größere und stärkere Partner und ist deshalb nicht auf dominantes Rollenverhalten gerichtet.

  • Männer sind auch heute noch meist die Aktiven im Herstellen von Sexualkontakten. Die fehlende Akzeptanz gegenüber dem "NEIN" einer Frau führt dazu, dass sie sich angespornt fühlen, die Frau dennoch zu erobern. Sie setzen sich notfalls über physische und psychische Grenzen hinweg. Sie deuten das "NEIN’ um als verdeckten Wunsch nach Sexualität und bestätigen damit die Rollenerwartung an Frauen, sich nicht allzu schnell in Sexualkontakte einzulassen.
  • Frauen neigen viel weniger als Männer dazu, Beziehungen zu sexualisieren und verhalten sich deshalb weniger promiskuitiv.
  • Während Frauen eher durch den Kontext einer emotionalen Beziehung zum/r PartnerIn sexuell erregt werden, sind Männer eher durch Außenreize außerhalb des Beziehungskontextes erregbar (z.B. durch Pornographie).
  • Frauen können besser zwischen Gefühlen von Zuneigung, Zärtlichkeit und sexuellen Gefühlen unterscheiden. Männer neigen eher dazu, nicht-sexuelle Kontakte als sexuelle zu deuten.
  • Männer reduzieren positive Zuwendung auf Sexualität und leiten daraus automatisch Penetration ab.
  • Das Selbstwertgefühl bei Frauen ist weniger auf sexuelle Aktivitäten und Bestätigung ausgerichtet als bei Männern.
  • Frauen werden schon als Mädchen auf die Mutterrolle hin erzogen und sind daher stärker am Wohlergehen der Kinder interessiert als Männer.
  • Frauen werden häufiger als Männer versuchen, Mädchen vor sexuellen übergriffen zu bewahren und ihre eigenen Impulse zu Sexuellem Missbrauch eher unterdrücken.
  • Die Fixierung der Geschlechterrolle sieht Für Frauen die Auswahl älterer Partner vor und stigmatisiert Beziehungen zwischen älteren Frauen und jüngeren Männern negativ. Umgekehrt werden Sexualkonzepte oder Heirat zwischen älteren Herren und minderjährigen Mädchen toleriert und partiell sogar glorifiziert als persönlicher, besonders männlicher Erfolg bewertet.
  • Mädchen (Frauen) werden in ihrer Sozialisation eher zu empathischen Verhalten erzogen (angehalten), als Jungen (Männer). Diese Tatsache kann dazu beitragen, dass Frauen von Missbrauchshandlungen eher abgeschreckt werden.
  • Konfliktbewältigungen von Frauen und Mädchen erfolgen häufig autoaggressiv und instrumentell. Die Reinszenierung eigener Opfererlebnisse erfolgt selten durch die Einnahme der Täterinnenrolle.
  • Männer neigen eher als Frauen dazu, zwischen der eigenen Person und den Geschlechtsorganen zu trennen. Sie funktionalisieren ihren Körper und setzen ihn als Mittel ein. Sie können ihren Penis als Waffe einsetzen und dadurch Gewalt ausüben.

Diese Ausführungen sollen Frauen nicht als die ‘besseren Menschen’ hinstellen, sondern Verhalten im Kontext gesellschaftlicher Bedingungen aufzeigen. Die Tatsache, dass Frauen dennoch zu Täterinnen werden, hat bisher nicht zu einer systematischen und breit angelegten Forschung geführt. Die bisherigen Forschungsergebnisse beziehen sich häufig auf sehr kleine (klinische) Stichproben und sind nicht repräsentativ, daher lassen sich nur bedingt Aussagen machen.

Wir hoffen, dass dieser Artikel dazu beiträgt, die falschen und verhängnisvollen Vor-Urteile über Täter zurecht zu rücken und wünschen uns eine in der Öffentlichkeit angemessenere, weil sachlich fundiertere Diskussion, außerhalb von "Schwanz ab" und "Rübe ab"-Argumentationen.

Denn: Der Sexuelle Missbrauch beginnt im Kopf und nicht im Penis! Deshalb werden von der medizinischen oder pharmazeutischen Kastration zwar ÄrztInnen und PharmazeutInnen reich, aber unsere Kinder bleiben sexualisierter Gewalt weiter ausgesetzt, der Täter braucht keine Erektion, um ihnen sexuelle Gewalt anzutun!


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