Essstörungen

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Jugendliteratur Essstörungen

Bulimie.tif (411352 Byte)

Dr. med. Monika Gerlinghoff, Dr. med. Herbert Backmund, Dr. phil. Norbert Mai

Magersucht und Bulimie

Verstehen und bewältigen Beltz Verlag, 1999 ISBN 3-407-22804

Essstörungen haben in den letzten Jahren erheblich zugenommen. Sie sind zu einer so genannten "Zeitkrankheit" geworden. Wieso und weshalb dies so ist, lässt sich nicht genau erklären. Fakt jedoch ist, dass sich seit den 50er Jahren die Gesellschaft der westlichen Industrieländer insofern gewandelt hat, dass ein Übergang von einer Arbeits- zu eine Freizeitgesellschaft zu beobachten ist, die eine Reihe von Problemen mit sich bringt. Es gilt die freie Zeit zu füllen, sie zu organisieren.

Gerade Jugendliche, die in diese neue Welt hineinwachsen sollen, aber noch mit dem bürgerlich- moralischen Wertesystem der Elterngeneration aufwachsen, welches geprägt ist durch Pflichterfüllung, Fleiß und Arbeitsamkeit, geraten unumgänglich in ein Spannungsfeld.

Praxiserfahrungen der AutorInnen zeigen, wie sehr bei vielen Jugendlichen das Bedürfnis nach Sicherheit in Bezug auf Lebensführung, Partnerschaft und Berufswahl vorhanden ist und wie wenig unsere Gesellschaft dies zu bieten hat.

Wichtige Veränderungen in den letzten Jahrzehnten sind auch auf dem Gebiet der Sexualität zu bemerken. Ziel war und ist eine freie sexuelle Entfaltung des Individuums. Dabei hat sich jedoch immer mehr ein Leistungsdenken und ein Leistungsdruck breit gemacht.

Der Gesundheitsfanatismus und das Ausrichten an ein vorherrschendes Schlankheitsideal, an das sich viele Frauen und Männer- vor allem der Oberschicht- orientieren, unterstützt die Entwicklung eines mangelnden Selbstwertgefühls und die Entstehung von psychosomatischen Störungen, wozu Bulimie und Magersucht zweifelsohne gehören. Schlankheit steht Für Schönheit, Attraktivität und Erfolg.

Doch gesellschaftliche Bedingungen sind nur ein Teil des Dilemmas und können nicht allein Für die Entstehung der Essstörungen verantwortlich gemacht werden. Die Verantwortlichkeit liegt ebenso im Subsystem Familie. "Es ist ein hohes Ideal in diesen Familien, eins zu sein, keine Grenzen untereinander zuzulassen und die Intimsphären zu leugnen. Individualität ist verpönt und wird bestraft." (S. 62)

Familien, in denen Magersucht entstanden ist, weisen oft eine Fülle an Für die Gesellschaft erstrebenswerten Eigenschaften auf. Von außen erwecken sie den Eindruck einer idealen, perfekten Familie. Die Betroffenen selbst erleben die Familie oft als ideal und harmonisch. Sie leben angepasst und unauffällig, sind ehrgeizig, pflichtbewusst und kreativ. Sie merken die Abhängigkeiten in der Familie nicht. Die Jagd nach Anerkennung und Liebe kann nur über Leistung erreicht werden.

Die Bulimie und Magersucht stellen einen Versuch dar, sich persönliche Stärke und Willenskraft zu beweisen. Gleichzeitig kann sie als stummer Vorwurf Versagen gegenüber der Familie sanktionieren. Die Funktion dieser Krankheit ist letztendlich bei allen Ausprägungen dieselbe. Sie dient dazu, das unsichere, gefährdete ICH zu schützen. Dies ist auch ein Grund dafür , warum die Behandlung sehr viel Zeit in Anspruch nimmt. Denn oft ist die Essstörung der einzige Halt Für die Betroffenen und wird nicht als Kranksein erlebt. Ein "Wegnehmen" dieser Macht über sich selbst und andere würde unter Umständen eine vollkommene Leere hinterlassen.

In diesem Buch gehen die AutorInnen auf die verschiedensten Facetten des Phänomens der Bulimie und Magersucht ein. Sie betrachten die Essstörungen im Zusammenhang mit der Gesellschaft, mit der Familie und beschreiben sie als medizinische Diagnosen. Sie befassen sich ausführlich mit dem Wandel der Konzepte, wie diese Krankheit gedeutet wurde und stellen ihr eigenes Konzept der Behandlung in der heutigen Zeit vor.

Dieses Buch ist Für die, die mit Problemen der Essstörungen konfrontiert werden. Es gibt Betroffenen wie auch Beteiligten mehr Verständnis Für die komplexen Zusammenhänge Für diese Form der psychosomatischen Störung.

Viele eindrucksvolle aber auch bedrückende Beispiele von Betroffenen geben einen umfassenden Einblick in das Erleben dieser Krankheit. Das Buch ist sehr verständlich geschrieben und bietet somit eine gute Hilfestellung im Verstehen und bewältigen des sich ausweitenden Problems. (Carola Bartsch)

Landesstelle Jugendschutz

Mal dick, mal dünn. Prävention von Essstörungen

Bestelladresse: Landesstelle Jugendschutz Niedersachsen Leisewitzstr. 26, 30175 Hannover, Tel: 0511 / 85 87 88. Fax: 0511 / 283 49 54.

Die 60-seitige Broschüre enthält mehrere Aufsätze mit wichtigen Informationen über die verschiedenen Essstörungen bei jungen Frauen und Männern und gibt in einem Praxisteil Anregungen Für die Prävention in der Jugendarbeit, im Jugendschutz und in der Schule. Beiträge zum Thema Traumberuf Model, über dubiose Praktiken von Model-Agenturen und zu den Auswirkungen von Fitness auf den weiblichen Körper runden diese Arbeitsmaterialien ab. 

Aus dem Inhalt:

Elisabeth Westendorf-Bröring: ANOREXIE, BULIMIE, ADIPOSITAS Symptome, Funktionen und Ursachen psychogener Essstörungen

Prof. Dr. Lotte Rose: GESTÄHLTE KÖRPER: Veränderungen von Weiblichkeit durch Fitness

Antje Hildebrandt: LEBE DEINEN TRAUM: Einmal als Model vor der Kamera stehen ...

Michael Wachs: TRÜGERISCHE OFFERTEN DER MODEL-AGENTUREN. Wissenswertes aus der Sicht der Verbraucherberatung

Dr. Verena Vogelbach-Woerner, Stefan Osterloh-Schäfer.: ESS-STÖRUNGEN BEI MÄNNERN

Margrit Hasselmann: EIGENTLICH GEHT ES MIR GANZ GUT ABER... Zum Umgang mit essgestörten Mädchen

ANREGUNGEN Für DIE PRÄVENTION: Frausein - Mannsein, Körperbild, Hungern, Essen, Sattsein, Schönheitsideale, Projekttag

Die Broschüre enthält sehr gute Texte und Anregungen und ist deshalb sehr empfehlungswert! Siehe auch „Mädchenarbeit" (S.8) und „Jungenarbeit" (S.9) (AM).

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letzte Aktualisierung am: 23. June 2008