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Sexualisierte Gewalt au?rhalb der Familie und in Institutionen

Sexualisierte Gewalt von Kindern au?rhalb des engeren Familienkreises kann sich auf verschiedene Personengruppen beziehen: zum einen sind es Kontakte und sexuelle ?ergriffe durch dem Kind vertraute Personen aus dem Freundeskreis der Familie, aus der Nachbarschaft, in Vereinen und Jugendgruppen; zum anderen k?nen es Fremde sein, die sich den Kindern und Jugendlichen n?ern. Da hier die emotionalen Bindungen zwischen T?er und Opfer nicht so eng sind wie innerhalb der Familie oder in anderen vertrauten Beziehungen, gelangen diese F?le eher zur Anzeige und tauchen bevorzugt in der Kriminalstatistik auf. So gibt es auch immer wieder Vergewaltigungen und sexuelle Misshandlungen von Kindern durch den "fremden Onkel im Park"; es geschieht jedoch sehr viel seltener als es im ?fentlichen Bewusstsein erscheint.

Bei sexuellem Missbrauch durch Personen au?rhalb der Familie sind hinsichtlich der Beziehungsdynamik zwischen T?er und Opfer und damit auch der Folgewirkungen verschiedene Formen zu unterscheiden. Vermutlich weniger traumatisch, wenn auch sicher absto?nd und ?gstigend, sind Begegnungen mit Exhibitionisten, vor allem wenn sie nur einmalig sind und wenn die Kinder sich mit den Eltern oder anderen erwachsenen Personen ihres Vertrauens dar?er aussprechen k?nen. Ebenfalls nicht notwendig zu l?gerfristigen Sch?igungen f?ren fl?htige oder nur vorsichtige sexuelle Kontakte zu P?ophilen; diese haben mit ihren Forderungen nach Freigabe von sexuellen Beziehungen zu Kindern in den letzten Jahren viel auf sich aufmerksam gemacht. Die Neigung p?ophiler M?ner wird f?schlicherweise h?fig allein mit dem Missbrauch von Jungen in Verbindung gebracht. P?ophile Regungen gibt es aber auch bei Frauen, und sie k?nen sich sowohl auf Jungen wie auch auf M?chen beziehen.

Da p?ophile Beziehungen von Erwachsenen zu nicht-verwandten Kindern eher angezeigt und auch strafrechtlich verfolgt werden als sexualisierte Gewalt in der Familie, ist in der ?fentlichkeit oft der Eindruck entstanden, als sei die P?ophilie das zentrale Problem dieser Thematik.

Spektakul? sind die bekannt gewordenen F?le p?ophilen Missbrauchs auch, weil sie in der Regel gleich mehrere Kinder betreffen, die bei den T?ern pers?liche Zuwendung und Z?tlichkeit gesucht oder sich ein zus?zliches Taschengeld verdient haben. Je nach den Begleitumst?den k?nen auch solche Erfahrungen unangenehme und traumatische Auswirkungen haben; dennoch F? die jeweils Betroffenen repr?entiert der extrafamili?e Missbrauch von Kindern in Form p?ophiler Ann?erung von Erwachsenen an Kinder im ?fentlichen Raum alles in allem den geringsten Teil des gesellschaftlichen Problems sexuellen Missbrauchs.

L?ger und andauernder Missbrauch durch Personen au?rhalb der Familie, der mit vergleichbaren emotionalen Verstrickungen zwischen T?er und Opfer einhergeht wie der Missbrauch durch verwandte oder dem Kind nahe stehende Menschen, hat jedoch auch ?nliche Auswirkungen wie dieser.

Sexuelle Handlungen mit Kindern k?nen auch bei P?agogen auftreten, die sich derartig mit den Kindern identifizieren, dass sie die Erzieher- oder Lehrerrolle aufgeben und versuchen, ein gleichwertiges Mitglied der (kindlichen) Peergruppe zu werden. Dadurch verlieren sie ihre Verantwortlichkeit F? das Wohl der Kinder aus dem Blick. Zun?hst vielleicht unbewusste p?ophile Neigungen k?nen insofern dazu f?ren, dass gerade solche Berufe gew?lt werden, in denen der Umgang mit Kindern um Mittelpunkt steht.

Sexualisierte Gewalt an Schulen ist seit einigen Jahren schon wiederholt in den Medien thematisiert worden. Zur Anzeige gelangte F?le gaben den Anlass F? publikumswirksame Artikel in Zeitschriften. Das Vorkommen sexuellen Missbrauchs in Heimen und Pflegefamilien ist bislang noch kaum untersucht worden. Dennoch handelt es sich hierbei keineswegs nur um Einzelf?le, und die Problematik ist den im Jugendhilfebereich Arbeitenden sehr wohl bekannt.

In der Regel geht die Initiative - wie bei jedem Missbrauch - vom Erwachsenen aus; zum anderen haben gerade bereits innerhalb der Herkunftsfamilie sexuell Missbrauchte Kinder und Jugendliche h?fig Verhaltensweisen gelernt, die von Erwachsenen als Herausforderung und Aufforderung zu sexuellen Handlungen verstanden werden k?nen. Dies f?rt dazu, dass sexuell Missbrauchte Kinder ihre Erfahrungen immer wieder schmerzvoll wiederholen, weil Sexualit? F? sie das einzige Mittel geworden ist, sich k?perliche Zuwendung und Zuneigung zu sichern. Allerdings rufen diese Kinder und Jugendlichen durch ihr provozierendes Verhalten h?fig auch Abneigung bei Erziehern und anderen Bezugspersonen hervor, so dass nicht mehr nach den Ursachen ihres Verhaltens gefragt wird: sie bleiben so weiterem Missbrauch ausgesetzt, ohne den notwendigen, erhofften Halt und Schutz zu finden.

(aus: Sexueller Missbrauch an Kindern und Jugendlichen; eine Informationsbrosch?e der Senatsverwaltung F? Jugend und Familie, Berlin 1992)

Dieser Beitrag stammt in inhaltlicher Verantwortung von Mario Maier von der Fachhochschule Esslingen, Hochschule F? Sozialwesen. Mit diesem Link gelangen Sie zur Basisseite ?er Sexuellen Missbrauch der FH Esslingen.


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