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Hier wollen wir Ihnen nach und nach einige Fachbücher
zum Thema Sekten vorstellen. Sie sind teilweise rezensiert und können in unserer
Mediothek eingesehen werden.
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Georg Bienemann: „ Gefahren
auf dem Psychomarkt" Eine Klärungshilfe nicht nur Für Pädagogen. Votum 1997
„In den letzten 30 Jahren hat sich
die 'religiöse Landschaft' in der Bundesrepublik Deutschland drastisch
verändert" Mit diesem Satz beginnt der Autor sein Buch, welches sich in 6
Kapitel unterteilt. |
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Während sich die ersten zwei Kapitel mit einer
Szene-Beschreibung und der religiösen Orientierung Jugendlicher befassen, geht
es in den folgenden drei Kapiteln um Prävention, wobei das fünfte Kapitel
ausschließlich der Arbeit in den Schulen gewidmet ist.
Das sechste und auch letzte Kapitel ist dem
Okkultismus vorbehalten.
Kurz will ich eine kleine Beschreibung des Inhaltes
der einzelnen Kapitel geben.
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Im ersten Kapitel wird ein kleiner Rückblick über
die letzten 30 Jahre gegeben. Es wird deutlich, das Interesse an dem
christlich kirchlichen Leben immer mehr zurück geht. Nicht zuletzt geschieht
dies durch den sich immer mehr ausbreitenden spirituellen Markt, der kaum noch
überschaubar ist.
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Im zweiten Kapitel, wo es um die religiöse
Orientierung von Jugendlichen geht, wird herausgestellt, es kaum
Jugendliche gibt, die von problematischen Glaubensgemeinschaften angesprochen
werden, da es überwiegend die 30- 50- jährigen sind, die hier Interesse
zeigen.
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Das dritte Kapitel beschäftigt sich mit dem
Präventionsbegriff an sich und stellt heraus, es sich bei der
Problem-Kult-Prävention, von der hier die Rede ist, um Primärprävention
handeln muss.
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Im vierten Kapitel geht es um Handlungsansätze der
Jugendhilfe. Wo sind mögliche Chancen der Jugendarbeit, ist Jugendarbeit
gleich Präventionsarbeit und welche Qualifikationen sollte ein Jugendlicher
erwerben...?
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Das fünfte Kapitel macht aufmerksam auf die
Wichtigkeit einer tatsachenorientierten Aufklärung.
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Abschließend in Kapitel 6 wird ein überblick über
die Breite des Okkultismus gegeben. Eingegangen wird hier auf den esoterischen
und empirischen Okkultismus.
Insgesamt ist das Buch als Orientierungshilfe Für
PädagogInnen, Eltern aber auch Für therapeutisch Tätige zu verstehen. Die klare
Struktur und die gute Lesbarkeit machen es leicht verständlich.
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Victor und Victoria
Trimondi
"Der Schatten des Dalai
Lama"
Sexualität, Magie und
Politik im tibetischen Buddhismus
Patmos 1999 |
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Psycho-Sekten
Psychosekten haben Zulauf. Als Sinnanbieter in einer
unübersichtlicher werdenden Welt versprechen sie Halt und Orientierung. Ihr
Preis: Geld (viel Geld) und völlige Abhängigkeit. Die Autoren leuchten den
Psycho-Markt in allen Schattierungen aus. In Hintergrundanalysen und
spannenden Reportagen beschreiben sie die Aktivitäten von mehr als 20
Gruppen. Ein Ratgeberteil, der Adressen von Beratungs- und
Informationsstellen, Checklisten zum Erkennen von Psychosekten und
Literaturhinweise enthält, macht dieses erste Buch auf dem deutschen Markt,
das die gesamte Psychoszene in den Blick nimmt, zum Handbuch Für alle, die
direkt oder indirekt mit solchen Gruppen in Berührung kommen.
»Liest sich wie ein spannender Krimi.« Wiener Zeitung,
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Guido
und Michael Grandt
Satanismus
Die unterschätzte Gefahr
Patmos Verlag, 2000
ISBN 3-491-72427-9
Schwarze Messen, Menschenopfer,
rituelle Vergewaltigung von Kindern. Wahn oder Wirklichkeit? |
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Spätestens seit
dem Satanistenmord von Sondershausen, mit unvorstellbarer Brutalität
begangen durch drei Jugendliche, ist bekannt, zu welchen Gewaltakten
Satanisten fähig sind. In ihrem ersten Buch "Schwarzbuch Satanismus" hatten
die Brüder Grandt bereits aufgezeigt, dass dunkle Geheimbünde in
Deutschland, von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt, ihre abartigen
Rituale vollziehen. Im Namen des Teufels finden nach wie vor unbehelligt
orgiastische Exzesse statt, wird vergewaltigt und getötet.
Immer noch unterschätzen
Öffentlichkeit und Ermittlungsbehörden die Gefahr, die von manchen
Mitgliedern satanischer Vereinigungen ausgeht. Unter dem Deckmantel
sexualmagischer "Kulthandlungen" begangene Straftaten werden viel zu oft
nicht als solche erkannt. Die Leidtragenden sind wie immer die Opfer der
grausamen Riten. Um ihnen, allen voran den unschuldig in diese Kreise
hineingeborenen oder hineingezogenen Kindern das Gehör zu verschaffen, das
sie verdienen, um Ermittlern aufzuzeigen, wie ernst die Gefahr durch
Anhänger magisch-okkulter Zirkel zu nehmen ist, haben die Brüder Grandt die
heikle Thematik erneut aufgegriffen.
Anhand historisch belegter,
blutiger Kulthandlungen und "Glaubensrichtungen" erschließen sich dem Leser
die Wurzeln des Teufelsglaubens und seine weltweite Verbreitung. Verborgen
zelebrierten Satanismus gab es schon immer und es gibt ihn noch. Schwarze
Messen und Kinderopfer Für Seth, Baphomet oder wie der Gehörnte sonst noch
angerufen wird, sind keine Erfindung der Neuzeit, sondern historische
Realität. Satanisten, Menschen also, die die eigene Gottwerdung zum Ziel
haben, sich selbst vergöttern, leben mitten unter uns. "Tu was Du willst"
ist das Gesetz. Alles ist erlaubt. Die perfide Konditionierung kindlicher
Opfer Für rituelle Vergewaltigungen, Folterungen, ja sogar grausame
Tötungen, werden nicht nur plausibel, sondern auch dem zweifelnden Leser in
bedrückender Weise als real existent begreiflich. Es gelingt den Grandts,
die Fürchterlichen Erfahrungen von Opfern aus Satanskulten nicht
voyeuristisch auszuschlachten, dem Leser gar eine "Anleitung" zur Nachahmung
zu liefern, sondern Betroffenheit entstehen zu lassen, ohne auf widerlich
bestialische Einzelheiten eingehen zu müssen. Der Leser begreift, warum
Spaltung der Persönlichkeit oft die einzige Möglichkeit der Gequälten ist,
das Erlebte zu überleben.
Wer eine reißerische
Berichterstattung erwartet, die mit übertriebenen Opferzahlen aufwartet, die
einem gar das Blut in den Adern gefrieren lässt, wird allerdings enttäuscht.
Das Anliegen ist ein anderes: aufklären. Ein Opfer schwarzer krimineller
Praktiken ist bereits eines zuviel.
Dem unbedarften Leser wird dennoch
einiges abverlangt. Er muss sich mit den menschenverachtenden Handlungen
schwarzer Adepten und ihrer Meister auseinandersetzen. Geld, Sex- und
Machtbesessenheit bildeten schon immer eine teuflische Allianz. Mit der
organisierten Folterung von Kindern lassen sich nämlich Unsummen
erwirtschaften. Es gibt ihn also tatsächlich, den lange vermuteten, auch von
anderen engagierten Journalisten angeprangerten und durch vereinzelte
Presseberichte von Verhaftungen aus der schwarz-braunen Szene belegten, aber
auf breiter Ebene totgeschwiegenen, engen Schulterschluss: Satanisten,
Neo-Nazis und Kinderporno-Ringe arbeiten nicht nur vereinzelt Hand in Hand.
Sie tun dies in einem weit größeren Ausmaß, als wir wahrhaben wollen.
Immer wieder wird massivst
versucht, sexualisierte Gewalt gegen Kinder herunterzuspielen, kriminelle
Aktivitäten als Fantastereien erscheinen zu lassen, Aufklärende zu
diffamieren oder gar zu bedrohen. Ob es sich um die "Missbrauch mit dem
Missbrauchbewegung" handelt oder "Wissenschaftler", die nachzuweisen
vorgeben, dass Erinnerungen der Opfer diesen von ihren Therapeuten
eingeredet werden: die Brüder Grandt entlarven Personen und Organisationen,
deren Ziel es ist, mutige Journalisten als sensationsgierige Quotenjäger,
parteilich arbeitende Frauen als notorische Männerhasserinnen, erwachsene
Opfer als hysterische Geistesgestörte und missbrauchte Kinder als
unglaubwürdige Märchenerzähler darzustellen.
Wer sich in der teuflischen Szene
auskennt, der weiß, dass alles, was die Brüder Grandt in diesem Buch
veröffentlicht haben, der Wahrheit entspricht. Wer bisher noch nicht ahnte,
was sich hinter Satanismus wirklich verbirgt, der wird es nach der Lektüre
des aufrüttelnden Buches wissen. Diejenigen, die zu Opfern der schwarzen
Geheimbünde wurden, werden wissen, dass sie in den Brüdern Grandt Menschen
gefunden haben, die mit Zivilcourage dafür kämpfen, Licht ins Dunkel des
pervers-höllischen Treibens mitten unter uns zu bringen. Vielleicht, das
jedenfalls bleibt zu wünschen , finden durch das Buch weitere Opfer den Mut,
sich verantwortungsvollen Menschen anzuvertrauen, über die erlittenen Qualen
zu reden und zu erfahren, dass ihnen der durchlebte Horror geglaubt wird.
Und hoffentlich führt das Buch auch dazu, dass ihre sadistischen Peiniger
einmal da landen, wo sie hingehören: vor Gericht. Sylvia Siegl |
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Guido und Michael Grandt
Schwarzbuch Satanismus
Knaur |
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Zahlreiche
Informationen über die Struktur satanistischer Kulte.
Hintergrundinformationen über die Entstehung und "Ideologie". Leider ist das
Buch bereits vergriffen. Viele Informationen wurden jedoch in dem Buch
"Satanismus, die unterschätzte Gefahr" der gleichen Autoren wieder
aufgenommen. |
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Ulla Fröhling
Vater unser in der Hölle
Verlag Kallmayer |
| Ulla Fröhlings
Buch befasst sich mit langjährigem sexuellen Missbrauch, der rituell
begründet bzw. getarnt wird. Sie beschreibt die Geschichte einer jungen
Frau, die in Folge langjähriger sexueller Ausbeutung eine multiple
Persönlichkeit entwickelt hat. Ulla Fröhling lernt sie als Erwachsene kennen
und begleitet sie einige Jahre. In dieser Zeit erfährt sie viel über das
Leben der Angela Lenz. Hieraus entsteht das vorliegende Buch.
Als Kind aus "gutem Hause", der Vater ist Bankdirektor, die Mutter
Hausfrau und Mutter, wächst Angela Lenz auf im Zwiespalt zwischen der
totalen Ablehnung durch die Mutter und der "besonderen Zuwendung" durch den
Vater. Schon im Kleinkindalter beginnen erste sexuelle übergriffe durch den
Vater; die Erlebnisse und Handlungen wiegen so schwer, dass Angela
dissoziiert, um das Trauma auszuhalten. Als immer neue "Onkel" auftauchen,
an die sie der Vater "vermittelt", entstehen immer neue Personen in ihrem
Inneren. Sie entwickelt eine multiple Persönlichkeit.
Als 8-9-jähriges Mädchen nimmt sie
der Vater mit zu satanischen Sektenkulten, bei denen Angela Lenz
unvorstellbare Schmerzen aushalten und Rituale erleiden und anderen zufügen
muss. Durch lebensbedrohliche Maßnahmen wird sie dazu manipuliert und
gleichzeitig zum Schweigen verpflichtet. Sie zerfällt in immer mehr
Einzelpersonen, die isoliert voneinander Bruchstücke diese Martyriums
erleben und erleiden und die Geschehnisse isolieren...
Das Lesen des Buches fällt nicht leicht. Die erste Klippe ist der
Prolog. Er wirkte auf mich reißerisch und beängstigend, er sollte mich wohl
wachrütteln. Ich dachte, 'wenn das so weitergeht, dann schaffe ich es
nicht', doch ich gab dem Buch eine Chance... Es ging nicht so weiter!
Ich erfuhr eine Menge vom verwirrenden Leben einer multiplen
Persönlichkeit: Eine Person, die als 13-jährige plötzlich in einer fremden
Wohnung "aufwacht", zu einer Zeit, die es noch gar nicht gibt. Das
13-jährige Mädchen Stefanie lebt 1975, die letzte Erinnerung ist die
Beerdigung des Vaters. Als sie sich in der Wohnung umschaut, entdeckt sie
eine Zeitung aus einer Zeit, die es noch gar nicht gibt: 1993! An der
Klingel der Wohnungstür steht ein Name, den sie nicht kennt: "Bahr". Als sie
in den Spiegel schaut, schaut sie eine Frau an, die Ähnlichkeit mit ihr hat,
die sie aber nicht kennt. Sie macht exakt die gleichen Bewegungen wie sie...
Stefanie trägt Kleidungsstücke, die sie noch nie gesehen hat - irgendwie aus
einer anderen Zeit...
Als Leserin verfolge ich nun verschiedene Facetten im Leben der
erwachsenen und heranwachsenden Angela Lenz, fokussiert auf den sexuellen
Missbrauch und die in diesem Zusammenhang relevanten Begleitumstände. Ich
erfahre einiges über rituelle Kulte, Praktiken und ideologische Hintergründe
satanischer Sekten. Ulla Fröhling zeigt in vielen Details auf, wieweit sich
satanische Kultphänomene in unserem Alltagsleben (unbemerkt?) und in
kulturellen Bereichen wie Kunst, Musik und Literatur etablieren konnten...
Aus dem vorliegenden Buch ziehe ich jedoch das Fazit, dass eine
skrupellose, perfekt und weltweit agierende Organisation (unter dem Mantel
des Satanismus) ihre rituellen Grausamkeiten ausübt. Mit Hilfe ideologischer
Phrasen (die offensichtliche ihre AnhängerInnen finden), psychologischer
Tricks und manipulativer Techniken, veranlassen sie Menschen zu
unglaublichen Grausamkeiten, die wir aus der Geschichte schon kennen:
Öffentliche Demütigungen, Folterungen und Tötungen werden (aus scheinbar
ideologischen Gründen von "Priestern") angeordnet, von Erwachsenen
ausgeführt und müssen von Kindern erlitten werden.
Das Buch konfrontiert und erschüttert Vorstellungen einer "heilen"
Welt, die es nicht gibt. Doch das sie so "kaputt" und destruktiv organisiert
ist, ist kaum vorstellbar und verführt zur Abspaltung und Abwehr: "Das kann
nicht sein!" Doch inzwischen weiß ich, es ist so, das gibt es - und
häufiger, als wir uns vorstellen können/wollen. Doch wie mir geht es
vermutlich vielen. Genau dieses Verhalten aber befördert die kriminelle,
menschenverachtende Energie der satanischen Kulte. Es lässt sie weiter
unentdeckt foltern und zerstören.
Was können wir also tun? Wir müssen es annehmen und uns damit
konfrontieren, müssen den Kampf dagegen aufnehmen und dürfen nicht weiter
glauben, es handle sich um einige wenige "Spinner". Wir müssen erkennen,
dass es sich um viele, gut situierte, strukturierte und organisierte
Profifolterer handelt, die den emotionalen Kontakt zum Menschsein verloren
haben. Den Einstieg zu dieser Erkenntnis kann das Buch liefern!
Einige Anmerkungen aus pädagogischer Sicht:
Was bedeutet dieses Buch Für den pädagogischen Alltag? Viel! Wieder
einmal wird mir als Pädagogin aufgezeigt, mit wie viel Energie weggeschaut
wird!
- Ein Kind, ständig übersäht mit blauen Flecken, erringt 1. Plätze in
Schwimmwettbewerben - und niemand will die Zeichen gesehen haben?
- Eine Schülerin, die ohne "Not" und "Gewinn" lügt, mit sehr
verschiedenen Handschriften, unterschiedlichen Rechtschreibproblemen,
Leistungsfähigkeiten und Stimmungslagen - das wird einfach hingenommen?
- Ein Mädchen, das in der Schule häufig fehlt und vom Vater aus
fadenscheinigen oder "nahe liegenden" Gründen entschuldigt wird, aber der
Schule "Sporterfolge" liefert, wird in Kauf genommen?
Im Nachhinein fällt es immer leicht, "Fahrlässigkeiten" als solche zu
erkennen, weil sie uns im Nachhinein "schlüssig" und "eindeutig" erscheinen.
Dennoch.
Die Tatsache, dass wir in einem multifunktionalen Gesellschaftssystem
leben, trägt mit dazu bei, dass wir kindliche "Notrufe" übersehen, überhören
und nicht reagieren. Dies geschieht nicht immer nur aus Gleichgültigkeit.
Dies geschieht auch aus dem Gefühl der Überforderung. Als Pädagogin lebe ich
in einem ständigen Spannungsfeld zwischen eigenem Anspruch und beruflicher
Überforderung. Nicht die hohe Unterrichtsstundenzahl macht mir zu schaffen,
sondern die hohen psychisch-emotionalen Anforderungen der Schülerinnen und
ihrer Eltern sind es, die mich zermürben. Eltern sind einerseits heute kaum
noch Willens oder in der Lage, ihre Kinder zu erziehen oder erziehen zu
wollen - sie delegieren an Kindergarten oder Schule - sie haben längst
aufgegeben, werden mit dem Erziehungsauftrag nicht mehr "fertig". So lösen
wir die großen und kleinen Probleme. Da wir es aber Für wichtig halten, die
Kinder zu Entscheidungen zu befähigen, sie diese Fähigkeiten aber häufig
nicht mitbringen, kostet das viel Zeit. Guter Rat ist teuer, vor allem dann,
wenn er vom Kind selbst gefunden werden soll... Kindheit und Jugend ist die
vulnerabelste Zeit im Leben, davon können engagierte LehrerInnen ein Lied
singen. Seelische Grausamkeit, Sexueller Missbrauch, emotionale Ausbeutung
von Eltern an Kindern, Gewalt unter Jugendlichen, (teilweise gefährlicher)
Drogenkonsum, Suizidalität, Schulversagen, Runaways und Straßenkinder,
soziales Elend, Arbeitslosigkeit, Waldsterben, Aids... die Liste ließe sich
noch erheblich verlängern....
Mike Lew formulierte einmal: " Die Art, wie wir auf sexuellen
Missbrauch an Kindern reagieren, zeigt auf, was eine Gesellschaft von ihren
Kindern hält"
Nach all den (berechtigten) Ansprüchen an uns als PädagogInnen und den
hierfür bereitgestellten Möglichkeiten komme ich zu
dem Schluss: Es interessiert die Gesellschaft einen Scheiß, wie es unseren
Kindern geht und was aus ihnen wird! Sie werden permanent von Erwachsenen dafür instrumentalisiert, sich aufzuwerten, Frustrationen
kompensieren, Aggressionen abbauen und um Gewalthandlungen ausüben zu
können. Sind unsere Kinder die "Sklaven" der "modernen" Gesellschaft?
(Angela May) |
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