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Ph01502j.jpg (40467 Byte)Sexueller Missbrauch an Jungen

Diesen Artikel haben wir im Internet gefunden.

Autor: Thorsten Kruse

Die Tatsache, dass auch Jungen Opfer sexualisierter Gewalt werden, ist mittlerweile zwar bekannt, aber noch l?gst nicht immer wirklich anerkannt. Zum Teil resultiert diese Nicht-Anerkennung aus der Unsicherheit der ?fentlichkeit ?er das tats?hliche Ausma?der sexualisierten Gewalt gegen Jungen. Hinzu kommen falsche Vorstellungen und Klischees hinsichtlich sexualisierter Gewalt an Jungen, die der Anerkennung der Betroffenheit von Jungen entgegenstehen. Ich werde daher zun?hst einen kurzen ?erblick ?er Zahlen und Daten, bezogen auf die sexualisierte Gewalt gegen Jungen, geben und komme dann zu den angesprochenen Vorstellungen und Klischees.

Das Ausma?der sexualisierten Gewalt gegen Jungen

Trotz unterschiedlich verwendeter Definitionen und unterschiedlicher Befragungsmethoden zeigen internationale und deutsche Untersuchungen zur sexualisierten Gewalt gegen Jungen ?ereinstimmend, dass 8-10 % der befragten M?ner sexualisierte Gewalt erfahren mussten. Dunkelfeldsch?zungen gehen davon aus, dass jeder f?fte bis achte Junge sexualisierte Gewalt erlebt.

Dauer von sexuellem Missbrauch

Einen einmaligen ?ergriff erlebten etwa die H?fte der jeweils befragten M?ner. Bei den ?rigen vollzog sich der Missbrauch zum Teil ?er Jahre. Grunds?zlich l?st sich sagen, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Bekanntheitsgrad des T?ers/der T?erin und dem Opfer und der Dauer des Missbrauches gibt. Je enger die Beziehung zwischen Opfer und T?er/T?erin, desto l?ger dauert in der Regel der Missbrauch und desto h?figer findet er statt.

Das Alter der Opfer

Das Durchschnittsalter von Missbrauchten Jungen liegt zwischen 10 und 12 Jahren, so die Ergebnisse der Untersuchungen. Allerdings werden Jungen genau wie M?chen schon als S?glinge und Kleinkinder Missbraucht. Auch ihre Jugendlichkeit sch?zt sie nicht vor sexuellem Missbrauch.

Soziale Orte sexuellen Missbrauch

Nur etwa 15 % der befragten M?ner erlitten sexualisierte Gewalt durch Fremde, die ?rigen hatten bereits vorher eine Beziehung zu dem T?er oder zu der T?erin. Da Jungen etwa zu 20 % von Familienmitgliedern Missbraucht werden, liegt die Hauptt?ergruppe im au?rfamili?en Nahraum. Au?rfamili? ist hier aber nicht gleichzusetzen mit geringerer intensiver Beziehung, denn gerade Jungen suchen sich h?fig au?rhalb der Familie eine erwachsene Bezugsperson, zu der sie engen Kontakt haben.

Anteil T?er und T?erinnen

Nach bisher vorliegenden Ergebnissen liegt der Anteil von Frauen an der gesamten T?erschaft (M?chen und Jungen) etwa bei 10 %, d.h. 90 % sind m?nliche T?er. Es scheint so zu sein, dass Jungen h?figer als M?chen von Frauen Missbraucht werden.

Alter der T?er (T?erinnen)

Bei etwa 30 Jahren liegt das Durchschnittsalter der T?er. Allerdings gaben ein Drittel der befragten M?ner an, von anderen, ?teren Kindern oder Jugendlichen, sexuell Missbraucht worden zu sein. Hier liegt eine gro? Schwierigkeit. Denn auf der einen Seite sollte die auf Neugier und gegenseitige Zustimmung beruhende Sexualit? von Kindern und Jugendlichen nicht abgestempelt oder gar verboten werden, auf der anderen darf man sie aber auch nicht bagatellisieren, wenn deutliche Altersunterschiede bestehen und die sexuellen Handlungen irgendeine Form von Zwang beinhalten. Zu dem Alter der T?erinnen gibt es bisher noch zu wenig Informationen und Untersuchungen.

Hinsichtlich der sexualisierten Gewalt an Jungen gibt es leider immer noch eine Reihe von Vorurteilen, Abwehrhaltungen und falschen Bildern. Viele Menschen wissen heute zwar, dass auch Jungen sexuell Missbraucht werden, aber dieses Wissen ist noch nicht mit einem tats?hlichen Bewusstsein daf? verkn?/span>pft. So gibt es einige Klischees, Erwartungen und Bilder von der herk?mlichen M?nlichkeit, die einer Bewusstseinsbildung F? die Betroffenheit sexuell Missbrauchter Jungen entgegenstehen. Denn diese Bilder und Erwartungen werden sehr h?fig automatisch auch auf Jungen ?ertragen (wer kennt nicht die Anrede "kleiner Mann" F? Jungen) und damit auch F? sie geltend gemacht.

Die Klischees lauten stichwortartig:

  • Jungen sind keine Opfer.
  • Sind Jungen doch zu Opfern geworden, hatten sie selber schuld, weil sie sich nicht richtig gewehrt haben.
  • Sexuell Missbrauchte Jungen wissen sich selber zu helfen.
  • Jungen verarbeiten sexuellen Missbrauch leichter als M?chen.
  • Jungen wissen fr? ?er Sexualit? Bescheid und k?nen deswegen sexualisierte Gewalt auch als solchen einordnen.
  • Jungen wollen den Sexualkontakt und empfinden ihn als angenehm, insbesondere dann, wenn sie von einer Frau Missbraucht werden.
  • M?nliche T?er, die Jungen Missbrauchen, sind schwul.
  • Frauen Missbrauchen Jungen nicht, sondern f?/span>hren sie in die Sexualit? ein.
  • M?nliche Sexualit? und damit auch die Sexualit? von Jungen ist rein genital ausgepr?t. Sexueller Missbrauch ist aus diesem Grund nur Missbrauch, wenn er genital ausgerichtet ist.
  • Missbrauch

Diese Vorstellungen entspringen zum gr?ten Teil einem Bild von herk?mlicher M?nlichkeit. Dieses beinhaltet Normen wie: M?ner sind stark und k?nen sich wehren; M?ner sind keine Opfer von Gewalthandlungen, sondern nur T?er; mit Verletzungen _ physischen und psychischen _ werden sie leicht fertig; M?ner haben immer und ?erall Lust auf Geschlechtsverkehr; eine Erektion zu haben bedeutet, sexuell erregt zu sein; M?ner wissen alles ?er Sexualit?; M?ner ergreifen immer die Initiative und M?ner sind gef?/span>hlskalt. Solche Normen und Erwartungen von M?nlichkeit f?/span>hren zu den oben erw?nten Klischees und blockieren damit h?fig den notwendigen Schritt von dem kognitiven Wissen ?er sexuellen Missbrauch an Jungen zu der tats?hlichen Verinnerlichung dieser Tatsache. Leider gilt sogar F? einige professionelle Helfer und Helferinnen, dass sie nicht frei von Vorurteilen Jungen gegen?er sind. Denn diese teilweise tief verinnerlichten Bilder lassen sich nur schwer abbauen und bed?fen einer intensiven Selbstreflexion.

Leidtragende sind die betroffenen Jungen, die in doppelter Hinsicht um eine Anerkennung als Opfer von sexuellem Missbrauch k?pfen m?sen. Einmal in Bezug auf die Tatsache ?erhaupt, dass sie Missbraucht werden, und zum anderen, dass sie als Jungen (also trotz des Jungen-Seins) betroffen sind.

Sexueller Missbrauch l?t bei Jungen wie bei M?chen unangenehme Gef?le aus, die F? sie zum Teil sehr verwirrend sein k?nen. Sie f?len sich verraten, sch?en sich und sind verletzt. Manche Jungen f?len sich F? das, was ihnen passiert ist, mitschuldig, weil sie meinen, sich nicht richtig gewehrt zu haben, oder weil sie teilweise w?rend des Missbrauches eine Erregung gesp?t haben. Gerade auch wenn die Jungen eine Erektion gehabt haben, reden ihnen die T?er oder T?erinnen ein, dass sie "es doch gewollt haben und es ihnen Spa?gemacht hat". Eine fast perfekte T?er-Opfer-Umdrehung, die die Jungen an ihrer Wahrnehmung und an sich selbst erheblich zweifeln l?st.

Viele Jungen haben nach dem sexuellen Missbrauch durch einen Mann Angst davor, schwul zu sein. Sie m?/span>ssen den T?er sexuell gereizt haben, so lautet h?fig ihre Erkl?ung. Sie werden damit mit einer der belastendsten Jungen?gste konfrontiert. "Schwul sein" bedeutet F? sehr viele Jungen nicht m?nlich zu sein. Das Schimpfwort "du Schwuler" ist ein diffuser, aber sehr m?htiger Angriff auf die Geschlechtsidentit? eines Jungen. In der Arbeit und dem Kontakt mit den Jungen ist es wichtig, sowohl diese ?gste ernst zu nehmen, als auch zu versuchen, die Homophobie abzubauen. Denn sie verwehrt den Jungen z?tliche und weiche K?pererfahrungen mit anderen Jungen. Z?tliche Bed?fnisse untereinander k?nen die Jungen dann nur realisieren, wenn sie sie mit Aggression ?erdecken, wie zum Beispiel in einem Ringkampf.

Sexuell Missbrauchte Jungen f?len sich hilflos und ohnm?htig, F? einige stellt der Missbrauch eine traumatische Erfahrung dar. Diese Gef?le passen nicht zu dem herk?mlichen Bild von M?nlichkeit, verunsichern die Jungen, l?en erhebliche Selbstzweifel aus und f?ren dazu, dass viele Jungen sich nicht trauen, ?er das Erlebte zu sprechen. Denn wenn sie es t?en, m?sten sie sich selber eingestehen, hilflos und schwach zu sein, oder sie F?chten, von der Umwelt als Schw?hlinge angesehen zu werden.

Ich denke, aus dem oben Skizzierten wird deutlich, dass sexuell Missbrauchte Jungen Hilfe und Unterst?zung brauchen. Sie ben?igen Menschen, die ihnen zuh?en, sich ihrer annehmen, denen sie vertrauen k?nen und die ihnen vor allen Dingen glauben. Auch wenn es in der BRD immer mehr Beratungsstellen gibt, die sowohl F? M?chen als auch F? Jungen arbeiten, gibt es bisher keine Beratungsstelle, die sich explizit nur an Jungen wendet. Gerade sie h?te aber eine ?fentliche Signalwirkung, die nicht nur den Jungen deutlich macht, dass sie Hilfe und Unterst?zung ben?igen.

? Torsten Kruse von Widerspruch (eine Einrichtung, die Aus- u. Weiterbildungsangebote in dem Bereich kritisch-solidarische M?ner- u. Jungenarbeit mit dem Schwerpunkt sexualisierte Gewalt anbietet) c/o Consult B?o Kiel K?igsweg 9 24103 Kiel Tel.: 0431/678258 Fax: 0431/674943

Die Daten sind aus folgenden B?hern bezogen: - Ulrike Brockhaus / Maren Kolshorn: Sexuelle Gewalt gegen M?chen und Jungen. Mythen, Fakten, Theorien. Campus Verlag. - Julius, Boehme: Sexueller Missbrauch an Jungen - Eine kritische Analyse des Forschungsstandes

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