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Erfahrungen und Ideen
aus der p?agogischen Praxis
Stellen Sie sich bitte folgende Situation
vor: Sie sind auf einer Klassenfahrt oder Jugendfreizeitreise als LehrerIn oder
BetreuerIn. Die Gruppe besteht aus M?chen und Jungen im Alter von ca. 14
Jahren. Ein M?chen beginnt sich mit scharfen Gegenst?den die Arme aufzuritzen,
kurze Zeit sp?er folgen ihr einige M?chen in diesem Verhalten...
Welche Gef?le/Gedanken habe ich?
?erkommt mich ein gro?r Schrecken, weil
das M?chen offenkundig keine andere Form des Ausdrucks findet, ?er dahinter
liegende Probleme zu sprechen? Will sie eigentlich mit mir sprechen oder mir nur
zeigen, dass sie Hilfe braucht? Will sie ?erhaupt Hilfe annehmen? F?le ich
mich verantwortlich/schuldig, weil dieses Verhalten in meiner Wahrnehmung erst
auf der Reise auftritt? Muss ich die Eltern informieren? Muss ich das M?chen
von der Gruppe trennen, damit der ?Domino-Effekt? aufgehalten werden kann? Muss
ich die Reise am Ende abbrechen? F?le ich mich hilflos? F?le ich mich
kompetent mit diesem Ph?omen umzugehen?
Was tun?
Reichen Gespr?he ?er Ursachen dieses
Verhaltens? Sind Gespr?he ?er m?liche Folgen sinnvoll? Wie wird das
Gespr?hs-Setting?: In der gesamten Gruppe oder lieber nur mit den betroffenen
M?chen oder besser einzeln? Ist diese Reise geeignet F? solche Gespr?he? Muss
da nicht professionelle Hilfe aufgesucht werden? Oder besser das Ganze
??ersehen? und gar nicht darauf eingehen in der Hoffnung, dass das Verhalten
aufh?t, wenn ihm keine Beachtung beigemessen wird?
In der Literatur finden sich viele Hinweise
auf Ursachen und therapeutische Intervention, leider
aber nur sehr wenige F? p?agogische Kontexte. Da Selbstverletzendes Verhalten
jedoch h?fig im Jugendalter und besonders bei M?chen auftritt, sind gerade
P?agogInnen, die mit Jugendlichen arbeiten, besonders gefordert, auf erste
Anzeichen dieses Verhaltens zu reagieren und die richtigen Schritte einzuleiten.
In der Schule wird es immer erforderlich sein, au?rhalb der Institution Hilfe
aufzusuchen bzw. F? das M?chen zu vermitteln. Dennoch ist es erforderlich,
p?agogisch darauf zu reagieren und damit umzugehen.
Zun?hst einmal muss deutlich gesagt
werden, dass es F? den oben geschilderten Fall kein ?Rezept? gibt, wie sinnvoll
reagiert werden kann oder sollte. Dies ist von verschiedenen Faktoren abh?gig:
-
Wird das Selbstverletzende Verhalten
?verheimlicht? und ist es zuf?lig ??fentlich? geworden oder wird es ?offen?
gezeigt?
-
Wie schwerwiegend sind die Verletzungen
und welche Risiken sind damit verbunden?
-
Was ist ?er den famili?en Hintergrund,
soziale Umst?de und die Stellung in der Peer-Group bekannt? Ist diese stabil
oder instabil? Gibt es verl?sliche und f?derliche/unterst?zende
Bezugspersonen? (Je schwerer die kindlichen psychischen Ersch?terungen und
Belastungen waren, je mehr es zu Angst und aufgestauter Spannung und Wut kam,
desto fr?er und heftiger setzt das SVV ein. Sexualisierte Gewalt, Gewalt und
Vernachl?sigung bilden die Hauptursachen F? SVV, daneben auch Essst?ungen
[vgl.
http://www.schulpsychologie.at/Selbstverletzendes_
Verhalten4.htm])
-
Auf welche sozialp?agogischen
Kompetenzen der verantwortlichen erwachsenen Betreuungs- oder Bezugsperson
kann zur?k gegriffen werden?
-
Wie reagiert die betroffene Person
m?licher Weise auf eine p?agogische Intervention? Wird sie sie annehmen oder
verweigern?
-
Ist eine Verbesserung der Situation F?
die Betroffene durch die erste Intervention absehbar? (SVV "erf?lt" F?
Betroffene mehrere Zwecke: Sie erleichtern sich von ihrer Anspannung, sp?en
sich selbst, lenken sich ab, gewinnen Aufmerksamkeit und Kontrolle ?er sich
und andere. Oft l?ft das SVV nur "halb-bewusst" ab. Die Betroffenen wissen,
was sie tun, aber stehen wie unter einem Zwang, bzw. zeigen ein sucht?nliches
Verhalten. In schweren F?len stellt das SVV eine Wiederholung traumatischer
Erlebnisse dar. [vgl.
http://www.schulpsychologie.at/Selbstverletzendes_ Verhalten4.htm].
-
Welche konkrete Gef?rdung geht F? die
Gruppe aus? (Unter 200 Kindern/Jugendlichen haben nach Recherchen etwa 1 bis 2
unter SVV zu leiden. Die Angaben schwanken - auch wegen
der breiten Symptomatik-. Allerdings besteht die Gefahr der sozialen
Ansteckung durch Nachahmung [vgl.
http://www.schulpsycholo-gie.at/Selbstverletzendes_Verhalten4.
htm]).
Folgende Punkte erscheinen als Reaktion sinnvoll:
-
Sofern nicht eine akute Situation ein
sofortiges Handeln (Wundbehandlung im Krankenhaus oder beim Arzt) erfordert,
ist es erst einmal sinnvoll, das Problem in Ruhe zu analysieren und einige
Punkte (s.o.) im Team zu kl?en und zu besprechen und dann das weitere
Vorgehen zu planen.
-
Es muss gekl?t werden, welche der
mitreisenden Bezugspersonen das Gespr?h mit der Sch?erin aufnimmt um
m?liche Hintergr?de zu erfahren und zu besprechen, wie konkret auf der Fahrt
damit umgegangen werden kann/soll.
-
F? den Fall einer Gemeinschaftsfahrt
kann es n?zlich sein, einen Vertrag abzuschlie?n, der weitere
Selbstverletzungen ausschlie?. Dieser muss auch das Vorgehen transparent
machen, wie von Seiten der Verantwortlichen reagiert werden wird, wenn der
Vertrag gebrochen wird.
-
Das weitere Vorgehen unmittelbar im
Anschluss an die Fahrt muss im Team und mit dem betroffenen M?chen besprochen
werden.
-
Da P?agogInnen im Sinne der
F?sorgepflicht F? die ihnen anvertrauten Kinder und Jugendlichen handeln
m?sen, ist das weitere Vorgehen im Anschluss an die Fahrt abzukl?en und
nicht etwa beendet. hierf? wird meist die Einbeziehung einer
Fachberatungsstelle erforderlich sein.
Sofern ein weiterer best?diger Kontakt mit
dem betroffenen M?chen besteht, ist er erforderlich, p?agogisch auf das
Selbstverletzende Verhalten zu reagieren. Hierzu findet sich ein Hinweis auf der
Seite der ?terreichischen Schulpsychologie unter
http://www.schulpsychologie.at/Selbstverletzendes_
Verhalten4.htm : ?Wichtig
F? Bezugspersonen, Erzieher/innen, Lehrer/innen ist die undramatische,
best?dige Begleitung, die Hilfe zum Abbau von Spannungen und Angst, die Hilfe
zum Erlangen von kompetentem Umgang mit den eigenen Gef?len, zur F?igkeit sich
zu sch?zen u.v.a.m.?. Leider eine sehr knappe Schilderung, die nichts dar?er
verr?, was unter einer ?undramatischen, best?digen Begleitung? zu verstehen
ist.
Anregungen (von Betroffenen) F? akute
F?le, in denen sich jemand selbst verletzen m?hte finden sich auf den Seiten
F? Essst?ungen
http://www.magersucht-online.de/ und
http://www.bulimie-online.de/. Sie k?nten in dem oben geschilderten Kontext
hilfreich sein und dem M?chen Anregungen geben, wie sie ihr Verhalten
ver?dern/kontrollieren kann. Auszugsweise im Folgenden:
Unmittelbare Hilfe beim Drang zu
Selbstverletzung:
Wenn du den Drang versp?st, dich selber
verletzen zu wollen, dann versuche folgendes, statt ihm nachzugeben:
-
Tiefes Durchatmen
-
Entspannungstechniken
-
Yoga
-
Stell dich unter die Dusche
-
Einen Freund, den Therapeuten oder beim
Telefon-Krisendienst anrufen
-
Versuche, m?lichst nicht alleine zu sein
(besuche einen Freund, geh zum Einkaufen, etc. )
-
H?e Musik
-
Geh spazieren
-
Schreib in dein Tagebuch
-
Trage ein Gummi - Armband und lass es
schnalzen, falls du dem Drang sp?st, dich selber verletzen zu wollen
-
Manche finden es hilfreich, sich rote
Striche mit wasserl?lichen Filzstiften auf die Haut zu malen, anstatt sich zu
schneiden
-
Nimm Eisw?fel in die Hand und mach eine
Faust. Die K?te ist zwar schmerzhaft, aber weder gef?rlich noch
gesundheitssch?lich (einige finden, dass es sie vom Zwang, sich selbst zu
verletzen, F? diesen Moment befreit)
-
Schlag auf das Bett, in die Matratze oder
auf ein Kopfkissen (wenn du den ?ger oder Frust nur k?perlich abreagieren
kannst)
-
Schnitze, anstatt dich selber zu ritzen,
ein Bild/eine Figur in ein dickes St?k Holz oder benutze einen
Schraubenzieher, um auf ein St?k Holz einzustechen (das kann auch eine Form
sein, k?perlich Druck abzulassen, ohne sich selbst zu verletzen)
-
Lass dich nicht in Versuchung f?ren (d.
h. vermeide z.B., dich in der N?e von Orten aufzuhalten, wo Rasierklingen
aufbewahrt werden)
-
Finde deine eigene Form, Emotionen
kreativ auszuleben
-
Lerne, andere zu konfrontieren, teile
ihnen deine Gef?le mit, anstatt sie zu schlucken oder sie F? dich zu
behalten.
-
Geh an die frische Luft, schrei und br?l
(so laut du kannst)
-
Fange an, Sport zu treiben, eine Form von
k?perlicher Bet?igung, die dir helfen kann, innere Spannungen abzubauen
-
Arbeite mit Farben, Ton, Knetmasse, oder
?nlichem (Betroffene, die das vorgeschlagen haben, meinten, dass man eine
riesige Skulptur damit formen k?ne und ihr das antut, was man sich eigentlich
selber antun m?hte. Sie sagten, dass es helfen w?de, nicht dem Drang sich
selber zu verletzen nachzugeben, und dass es ihnen zus?zlich eine Idee geben
w?de, was eigentlich hinter den innerlichen Schmerzen/?gsten stecken k?nte)
-
Male ein Bild ?er das oder von
demjenigen, der Grund F? deine Wut/deinen ?ger ist
-
Anstatt dich selber zu verletzen,
versuche die Stelle, die du eigentlich verletzen m?htest, mit Massage? oder
Bodylotion zu massieren. Erinnere dich daran, dass du etwas Besonderes bist
und dass du es verdienst, dich selber und deinen K?per mit Liebe und Respekt
zu behandeln.
-
Trage einen Pfeifenreiniger oder einen
?nlichen Gegenstand bei dir, der nicht zu gro?und unhandlich F? die Stelle
ist, die du verletzen m?htest. F? eine Betroffene war das ein Weg sich daran
zu erinnern, dass sie jemanden anrufen k?nte, anstatt sich selber zu
verletzen und das es F? sie andere M?lichkeiten der Probleml?ung gibt
-
Zerbrich/Zerst? den Gegenstand, den du
benutzt, um dich zu verletzen als ??res Zeichen daf? , dass du die
Kontrolle dar?er hast
-
Schreib an die Menschen, die dich
verletzt haben und erkl?e ihnen, was ihr Verhalten bei dir ausl?t. Diese
Briefe m?sen nicht perfekt sein und niemanden au?r dir gefallen. Du musst
sie auch nicht abschicken, aber es ist eine gute Gelegenheit, all die Gef?le,
die du in dir tr?st, herauszulassen. Nachdem du die Briefe geschrieben hast,
entscheide, was du mit ihnen machen willst. Manchen hilft das Vernichten der
Briefe (sie z. B. zu zerrei?n, in einen See zu werfen, sie zu verbrennen,
etc.)
-
Erledige Hausarbeiten (z. B. Putzen)
-
Versuche es mit Handarbeiten, z. B.
N?en, Stickereien, etc.
-
Sag ein Gedicht, Gebet oder etwas
anderes, vertrautes, Trost spendendes auf
-
Schreib all deine positiven Seiten auf
und warum du es nicht verdienst, verletzt zu werden.
-
Schreib in deinem Tagebuch, warum du dich
selber verletzen m?htest und falls du es schon getan hast, schreib auf, was
dich dazu veranlasst hat, so dass du es in Zukunft verhindern kannst oder
finde heraus, was die Ausl?er daf? sind
-
Nimm ein Musikinstrument, egal welches
und spiele darauf. Selbst wenn du eigentlich gar nicht wei? wie, so ist die
Konzentration darauf, T?e herauszubringen, ein guter Weg die plagenden
Gedanken loszuwerden
-
Erlaube dir zu weinen. Du f?lst dich
besser, wenn die Tr?en erst einmal raus sind. Es kann dein Inneres befreien
und so eine Alternative zur Selbstverletzung darstellen. Stell dir dabei vor,
dass all das Abscheuliche, Ekelerregende beim Weinen mit heraus gesp?t wird
-
Schreib das Wort auf, das dein momentanes
Gef?l am besten ausdr?kt (z.B. schrecklich, traurig, einsam,
w?end/?gerlich) und schreib weiter, immer weiter... Manchmal werden dabei
lustige, skurrile W?ter herauskommen und F? Spa?und Heiterkeit sorgen.
-
Sing ein Lied ?er das, was du gerade
f?lst. Das ist eine andere M?lichkeit die Gef?le herauszulassen
-
Schreie, wenn du glaubst verr?kt zu
werden. Lass die Worte einfach aus dir heraussprudeln.
-
Kritzle auf ein St?k Papier. Pack den
Stift mit der ganzen Hand. So kannst du gro?l?hig ?er das Papier malen (am
besten noch ein paar Bl?ter als Unterlage, damit du es mit dem Stift nicht
zerrei?).
-
Nimm den Gegenstand, mit dem du dich
sonst selber verletzt und richte es dieses Mal gegen etwas anderes als dich
selbst. Wenn du z. B. eine Rasierklinge benutzt, dann ritze damit in ein
Handtuch. Manchmal reicht das bewusst werden dar?er, was angerichtet werden
kann, schon aus, dass der Betroffene noch einmal dar?er nachdenkt, so etwas
auch wirklich bei sich selber zu tun. Das kann den Eindruck, sich selber zu
verletzen f?lbar machen
-
Schreib eine Liste mit Gr?den, warum du
das Scheiden aufh?en wirst. Immer wenn du dann den Drang versp?st, dich
selber zu verletzen, lies die Liste als Erinnerung daran, warum du es jetzt
nicht tun solltest. Vergiss auch nicht auf dieser Liste zu erw?nen, warum du
es nicht verdienst, dich selber zu verletzen. Du bist n?lich jemand Wichtiges
und etwas ganz Besonderes.
Auf der Internetseite des Facharztes F?
Psychiatrie u. Neurologie Hans Andritsch, Psychotherapeut am
Landesnervenkrankenhaus, Graz, ?terreich (http://www.andritsch.at/psychiatrie/SVV/SVVStopp.html)
gibt es weitere Erkl?ungen und Hinweise. Hier auszugsweise:
?Wie stoppe ich selbstverletzendes Verhalten?"
Es gibt da verschiedenste Wege aus dieser
Krise zu kommen. Eine bevorzugte Technik ist es, etwas zu tun, was keine
Selbstverletzung ist, aber trotzdem noch ein intensives Gef?l erzeugt. zum
Beispiel:
-
Ein kaltes Bad nehmen, Sich kalt duschen
-
Etwas scharfes essen - hinein bei?n in einen Pfefferoni, Zitrone, Grapefruit ...
(Gleichwertige Reaktionen und Empfindungen sind sehr n?zlich).
Diese Strategien funktionieren, weil die
Gef?le welche selbst verletzendes Verhalten ausl?en
sehr intensiv sind und weiterhin vorhanden sind. Die intensiven Gef?le kommen
und gehen wie Wellen und wenn man solch einer Welle widerstehen kann, hat man
eine Ruhepause vor der n?hsten. Um so mehr Wellen man durchhalten kann ohne
schwach zu werden, um so st?ker wird man.
Aber es taucht folgende Frage auf - sind diese Dinge wie
kalte Dusche, Eis ... nicht gleichwertig wie wenn man sich ritzt ...?
Der Hauptunterschied ist, dass dies keine
andauernden Folgen (Wunden) macht. Wenn man eine handvoll Eisw?fel an den
K?per dr?kt oder Finger F? einige Minuten in Eiscreme steckt, schmerzt es wie
ein Ritzer, aber es hinterl?st keine Narbe. Es bleibt nichts zur?k weshalb man
sich anschlie?nd rechtfertigen muss. Man braucht sich anschlie?nd nicht
schuldig f?len - man ist halt ein wenig narrisch - aber man ist stolz, dass man
eine Krise ohne Ritzen ?erstanden hat - ohne Schuldgef?le.
Diese Art von Verschiebung dient nicht dem
Zweck die Wurzeln des Selbstverletzenden Verhalten zu heilen. Denn du kannst
keinen 10.000 Meter- Lauf machen, wenn du zu m?e bist den Raum zu durchqueren.
Diese Technik hilft dir aber, um durch diese Situation zu kommen, wo es dir
schlecht geht. Es verhindert, dass die Situation noch schlimmer wird. Sie sind
eine Trainingsstrecke welche dich lehrt, dass du durch Krisen kommst ohne dich
zu verletzen.
Du kannst dies verfeinern bessere
Bew?tigungsstrategien ausarbeiten. Sp?er, wenn der Drang zur Selbstverletzung
nachl?st und verschwindet hast du Kraft vieles aufzuarbeiten. Nutze diese
Methode um dir selbst zu zeigen, dass du mit Belastungen ohne selbst verletzendes Verhalten umgehen kannst. In der n?hsten Krise
wird der Drang geringer werden.
Die erste Aufgabe, wenn du entscheidest,
das SVV zu stoppen ist: Den Kreislauf, das Muster zu durchbrechen - neue Wege zu
finden. Du musst daran arbeiten - es kommt nicht von selbst. Du kannst es nicht
nur in der Theorie machen - es ist harte Arbeit. Du musst bereit sein die Wand
zu durchbrechen, zu arbeiten. Du selbst musst was anderes tun. Wenn wieder
einmal das Gef?l aufkommt und du etwas Scharfes siehst, musst du bereit sein
etwas anderes zu tun. Du siehst, dass du w?len kannst. Dies nimmt dir das
Gef?l des Ausgeliefertseins.
Aber was kann man alternativ tun?
Zuerst nimm dir einige Momente Zeit um zu
schauen, was hinter dem Drang steht - was du im Moment f?lst. Wie f?le ich
mich ? Bin ich zornig? frustriert ? ruhelos ? traurig ? Hab ich nur
Ritzverlangen ? F?le ich mich abgehoben ? F?le ich mich gef?llos ? Sp?e ich
mich nicht? Als n?hstes:
Verbinde Aktionen mit dem Gef?l z.B. Wenn du zornig
frustriert, ruhelos bist:
- Mache etwas um dich abzureagieren, jedoch niemals gegen
andere Personen!
- Zerschneide eine Plastikflasche, ein Kleidungsst?k,
schneide einen Fetzen anstelle dich selbst.
- Schmei? einen Polster gegen die Wand wie bei einer
Polsterschlacht.
- Rei? Seiten aus einem alten Telefonbuch, zerrei? eine
Zeitung
- Nimm ein Foto oder eine Zeichnung von dir - markiere mit
rotem Stift, was du vorhast zu tun. Zerschneide, oder zerrei? das Bild.
- Zerbrich ?te, die du findest
- Schalte Musik zum Tanzen an
- Reinige dein Zimmer - das ganze Haus
- Spiele mit einem Ball.
Wenn du dich traurig, deprimiert, ungl?klich f?lst: Mache
etwas ruhiges, bes?ftigendes z.B.:
-
Ein warmes Bad mit Bade? oder Schaumbad
-
Tue dir etwas gutes mit einem warmen
Kakao einem guten Buch.
-
Kuschle dich zusammen, nimm ein
Kuscheltier.
-
Mache was immer um dich sicherer und
wohler zu f?len.
-
Lasse es angenehm duften z. b.
R?cherst?chen Duftkerzen, Duft?e verdampfen
-
H?e beruhigende Musik.
-
Schmiere Pflegecreme auf die Stellen wo
du dich verletzen willst.
-
Rufe einen Freund, eine Freundin an und
rede nur das was du willst, wonach es dir ist.
-
Richte dir ein Tablett mit deinen
Genussmitteln und begebe dich damit zu Bett und schaue Fernsehen oder lese.
-
Besuche einen Freund oder eine Freundin.
Extremes Verlangen, Gier, Gef?l sich zu verlieren. Gef?l
abzuheben, zwischen Gef?len hin und her gerissen sein, sich nicht mehr sp?en:
-
Mache etwas was einen starken sp?baren
Reiz ausl?t: Dr?ke lange Eis an deinen K?per bis es schmerzt, rote Flecken
macht (dies gibt anschlie?nd keine Wunden) oder stecke deine Finger in
Eiscreme.
-
Schlage deine H?de mit einem Gummiband.
-
Strample deine F?e auf den Boden.
-
Konzentriere dich darauf wie du atmest.
Achte darauf wie sich der Bauch und der Brustkorb bei jedem Atemzug bewegt.
-
Wenn du dich sammeln willst, mache etwas
um deine Konzentration anzuregen. z.B.: Game - Boy spielen, Handarbeiten,
Abmalen
-
Iss und kaue etwas ganz bewusst, achte
auf den Geschmack. Als Beispiel: Nimm eine Rosine ganz bewusst in deine
Finger, schaue sie an, betaste sie - wie f?lt sie sich an? - Rolle sie
zwischen den Fingern. - Betrachte sie ganz genau, alle kleinen Feinheiten der
Oberfl?he.- Versuche sie mit Worten zu beschreiben. - F?re die Rosine zu
deinem Mund. Achte wie sie sich mit der Zunge anf?lt , wie sie genau
schmeckt. Woran erinnert dich dieser Geschmack? Achte auf deinen Speichelfluss
- Wie f?lt sich dieser an? Kaue die Rosine ganz langsam, was sp?t deine
Zunge - sind Fasern, St?gel zu sp?en? ?dert sich der Geschmack w?rend dem
Kauen? Schlie?ich schlucke die Rosine.
Wunsch Blut zu sehen:
-
Zeichne auf dir mit einem roten Filzstift
Striche auf die Haut.
-
oder: Nimm ein Fl?chchen mit roter
Lebensmittelfarbe und erw?me sie langsam indem du das Fl?chchen in eine
Tasse stellst und langsam warmes Wasser in die Tasse tropfen l?st. Nimm das
Fl?chchen und fahre langsam ?er die Stellen der Haut, die du zu ritzen
vorhattest, - dr?ke das Fl?chchen an die Haut so als ob du vorh?test dich
zu ritzen. Tropfe einige Tropfen der Lebensmittelfarbe (6-7 Tropfen) auf die
Stelle. - Nimm Eisw?fel und ziehe sie durch die Tropfen der
Lebensmittelfarbe.
-
Bemale dich mit roten Fingerfarben.
Wunsch Narben zu sehen oder Blutkrusten zu kratzen:
-
Nimm einen Henna F?besatz (Haarf?ber).
- Schmiere die Paste auf die Haut. - Lasse sie ?er Nacht eintrocknen. Am
n?hsten Tag kannst du sie abzupfen. - Es l?st orangefarbene Spuren zur?k .
-
Ein weiterer Tipp der oft hilft ist das
15 Minuten - Spiel: Sage Dir: 15 Minuten will ich durchhalten - du kannst es.
Wenn 15 Minuten vorbei sind, schaue ob du noch einmal 15 Minuten durchhalten
kannst.
Ich habe dies alles versucht - Ich will
trotzdem ritzen. Wenn der Drang unaushaltbar ist, entscheide zuvor ganz genau,
wie viel du dir erlaubst und wann es genug ist. Erlaube nicht dem Drang, dich zu
kontrollieren! sondern: Ich kontrolliere den Drang! Entscheide im vorhinein ganz
genau was du dir selbst erlaubst, und was zuviel ist und halte dich an deine
Limits. Folgende Fragen solltest du dir stellen:
-
Warum f?le ich mich danach, mich
verletzen zu m?sen? Was hat mich zu diesem Punkt gebracht?
-
War ich schon einmal an diesem Punkt?
Womit hatte es zu tun? Wie f?lt e ich mich dann?
-
Was tat ich bisher um dieses ungute
Gef?l zu erleichtern (anstelle von mich verletzen)?
-
Wie f?le ich mich jetzt in diesem
Moment?
-
Wie werde ich mich f?len wen ich mich
verletze?
-
Wie werde ich mich nach dem SVV f?len?
Wie wird es mir morgen fr? gehen?
-
Kann ich diesem Stress ausweichen, oder
mit ihm in Zukunft besser umgehen?
-
Muss ich mich selbst verletzen??
Die folgenden Hinweise sind eigentlich F?
TherapeutInnen gedacht, k?nen jedoch auch F? P?agogInnen als Orientierung
hilfreich sein (http://www.andritsch.at/psychiatrie/SVV/SVVTher.html).
Selbstverletzendes Verhalten (SVV) Therapeutische Ans?ze
?Um jenen helfen zu k?nen welche sich
ritzen oder andersartig selbst sch?igen, m?sen Therapeuten verstehen, welche
Rolle dieses energiegeladene Reaktionsmuster im Leben des Klienten spielt
Ist der prim?e Grund:
-
Spannungen abzuladen
-
Um Boden unter F?en zu bekommen sich zu
erden
-
Eine Form von ungesprochem Reden, in
Kontakt treten.
-
Wiedererleben von schmerzhaften
Erfahrungen
Zu verstehen warum eine individuelle Person
sich selbst verletzt - ist der Schl?sel um dieser Person zu helfen,
selbstsch?igende Handlungen als erstm?liche Reaktion zu verwenden, zu beenden.
Druck darauf auszu?en, als
haupts?hlichstes Ziel die Selbstverletzungen sofort zu beenden kann das
Gegenteil bewirken (davor warnen Experten Salomon und Farrand, USA).
Der Ansatz der Experten zielt auf folgende
Techniken: Selbstverletzung sollte nicht durch Schenken von starker
Aufmerksamkeit gef?dert werden. Es sollten keine Sanktionen folgen insbesondere
nicht Abbrechen einer Therapie erfolgen. Dieses erzeugt meist noch schlechtere
Gef?le.
Therapeuten m?sen ihre eigene Motivation
?erpr?en warum sie es wollen, dass ihr Klient mit dem Selbstverletzenden
Verhalten aufh?t oder es stabilisiert. Allzu oft achten Helfer zu sehr darauf
das SVV so schnell wie m?lich zu beenden, weil es F? sie selbst unangenehm
ist, dieses mit anzusehen, weil es absto?nd auf sie wirkt, weil sie sich
machtlos f?len, weil SVV sie ?gstigt usw..
Situationen in welchen man radikal versucht
das SVV zu beenden, k?nen zu explosivem SVV f?ren. Oder zu Situationen in
welchen Therapeuten versuchen das Verhalten zu stoppen und dann der Klient den
Weg w?lt sich versteckt selbst zu verletzen, und er schweigsam wird, und in
negativen Stress kommt. Auf diese Weise wird es schwieriger eine therapeutischen
Basis zu finden. Anderseits ist es F? Therapeuten legitim (erlaubt) mit ihren
Klienten einen Stufenplan zur Selbstkontrolle der Impulse auszuarbeiten, um
diese zu stabilisieren.
Wenn ein Klient unkontrollierbare
Selbstverletzungen setzt, ist es Ziel F? den Selbstverletzenden und Begleiter
in der Krise im Raum keine scharfen Gegenst?de zur?k zu lassen. Wenn man eine
gewisse Stabilit? in der Behandlung erreicht hat m?sen Therapeuten einen
feinf?ligen Weg zwischen Unterdr?ken / Kontrollieren des SVV und Erlauben von
SVV gehen, um die Therapie im Griff zu haben. Ein idealer Weg w?e in welchem
SVV toleriert ist, aber spezifische Konsequenzen hat zum Beispiel:
Ein Klient soll sich beim Therapeuten
melden wenn ein Drang zur Selbstverletzung aufkommt. Aber es sollte
eingeschr?kt werden, dass der Kontakt binnen 24 Stunden nach erfolgtem SVV
erfolgen soll.
In einem solchen System hat der
Selbstverletzte die M?lichkeit auszudr?ken was er ?er seinen K?per
auszudr?ken versuchte, ohne im SVV Zuflucht zu nehmen. Er/sie erf?rt dass das
Fortsetzen eines SVV momentane greifbare Ursachen hat und unmittelbare Gef?le
ihn/sie dazu dr?gen. Es reduziert den Teufelskreis, das sich das SVV
verselbstst?digt und dadurch anhaltende fortschreitende negative Effekte
folgen.
Diese Art von Vereinbarung zwischen
Therapeuten und Klient kann helfen das SVV zu stabilisieren und den Weg frei
machen, zugrunde liegende Probleme zu bearbeiten, welche
dazu dr?gen sich zu verletzen.
Dies erm?licht dem Therapeuten "Kehrbergs"
Rat zu folgen, das SVV in Zusammenhang mit der zugrunde
liegenden Verletzung/Problem zu behandeln.
Therapeuten sollten sicherstellen, dass
selbstverletzende Klienten Zugang zu nicht verurteilenden, mitf?lenden
medizinischen Einrichtungen haben, wo die Wunden versorgt werden. Dass dort
darauf geachtet wird, dass die W?de und Autonomie (Selbstachtung) nicht geraubt
wird. Zusammen mit dem Therapeuten k?nen Pl?e ausgearbeitet werden wie Wunden
behandelt werden, ohne zus?zlich den Stress in der Situation zu erh?en. Es
sollten ?zte die in anliegenden Ambulanzen die Notf?le versorgen geschult
werden, wie man mit SVV umgeht. Die erfolgreiche Behandlung von SVV h?gt
wesentlich davon ab neue Wege zu finden mit negativen Stress umzugehen, so dass
zugrunde liegendes Schmerzhaftes behandelt werden kann.
Spitalseinweisungen
[Krankenhauseinweisungen] sollten nur als letzter Ausweg erfolgen, wenn der
Klient in Suizidgefahr oder in schwere Verletzungsgefahr kommt. Spit?er sind
k?stlich sichere Umgebungen und notwendige Schritte zur Identit?sfindung und
zum Finden von den zugrunde liegenden Ausl?ern sind
erschwert. Weniger destruktive Bew?tigungsf?igkeiten k?nen dort praktizierbar
sein, aber in der wirklichen Welt wieder auftreten.?
Es scheint erforderlich, Selbstverletzendes
Verhalten und den p?agogischen Umgang mit Betroffenen umfassend in den Blick zu
nehmen, Fortbildungen anzubieten und in einen Erfahrungsaustausch einzutreten.
Die Entwicklung p?agogischer Medien und Methoden zur Pr?ention erscheinen
wichtig und unerl?slich, nicht zuletzt, damit dieses Ph?omen bedeutenden
Ausma?s fr?zeitig erkannt werden und durch sinnvolle Prophylaxe verhindert
werden kann. Das Thema wird hier weiterhin diskutiert werden m?sen! (AM)
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