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„In anderthalb Wochen ist sowieso alles egal", sagte ich. „Nur wenn Reverend Beelson Recht hat", fügte Jed hinzu," Wenn er falsch liegt, auch", ergänzte ich wie ein Verräter. Es waren keine zwei Wochen mehr bis zum Weltuntergang und keine zwei Wochen mehr bis zu meinem vierzehnten Geburtstag ... und ich hatte mich gerade zum ersten Mal in meinem Leben verliebt. Ziemlich schlechtes Timing." Ich finde das Buch sehr gut. Es besticht durch die Art, in der es geschrieben ist. Die LeserIn kann aus zwei Perspektiven lesen. Einmal aus der des ungläubigen Jed, der durch das Unvermögen seines Vaters in die Geschichte hineingezogen wird. Die zweite Perspektive, Marinas, schildert das genaue Gegenteil. Sie ist streng gläubig und sehr gehorsam ihrer Mutter gegenüber, die ein getreues Mitglied der Sekte zu sein scheint. Im ständigen Wechsel – Kapitel Für Kapitel – kann die LeserIn an Jeds und Marinas Lovestory teilhaben. Jed, der durch manch höhnische Bemerkung Für humorvolle Momente sorgt, ist mir sehr sympathisch. Vielleicht auch deshalb, weil ich seine Einstellung gut verstehen kann und in seinem Charakter viele Übereinstimmungen mit meinem finde. Besonders interessant ist es zu beobachten, wie sich die Beziehung von Marina und Jed entwickelt; Gegensätze ziehen sich wohl doch an. Das Buch hat mich bereits nach dem zweiten Kapitel in seinen Bann gezogen. Ich konnte mich wunderbar in die einzelnen Charaktere hineinversetzen. Dieses Buch bietet fast alles: Romantik, Action und auch ein bisschen Schwarzen Humor. Désirée Scheerbarth (Berlin) 15 Jahre. Veröffentlicht in P&P 2/2001
Letitia, genannt Letty lebt unglücklich bei ihrem Vater und dessen 2. Frau. Der Vater ist nur am Geld interessiert und hat deshalb selten Zeit Für die Tochter, die so der Stiefmutter überlassen bleibt, die abwertend und abwehrend auf die pubertierende Stieftochter reagiert und diese damit sehr verunsichert und verletzt. Letty kann ihren Bruder nur heimlich treffen, ihre Mutter gar nicht, denn beide haben sich einer Sekte mit dem Namen PLUS LUCIS angeschlossen, die sehr an die real existierende Sekte "Fiat Lux" erinnert. Als sie sich am letzten Schultag ihrer Schullaufbahn ein Eis gönnen will, spürte sie plötzlich eine Hand auf ihrer Schulter: Bruder Christian hat sie mit einem Besuch überrascht, sie gehen zusammen ein Eis essen. Dem Bruder gelingt es, Letty zu betäuben, die dann im Kreise der Sekte wieder aufwacht und sich mit völlig neuen Lebenssituationen konfrontiert sieht, die sie irritieren. Die Tatsache aber, seit längerer Zeit mal wieder mit der Mutter und dem Bruder zusammen sein zu können, wiegt stärker, als die menschenverachtende Haltung gegenüber den "nicht erleuchteten Dunkelmenschen"... Das Buch liest sich wie ein Krimi, ohne jedoch den Tiefgang zu verlieren. Als Leserin konnte ich Lettys Ambivalenzen nachvollziehen, die Sekten wohl immer nach sich ziehen, ehe man von ihnen vollständig verschlungen wird. Unrealistisch allerdings fand ich den plötzlichen Ausstieg des Bruders, der vorher sehr überzeugt schien... Ein sehr lesenswertes Buch, nicht nur Für Jugendliche. Im pädagogischen Kontext bietet es viele Anhaltspunkte zur Diskussion z.B. über die Motivation, sich Sekten anzuschließen und über Menschen, die besonders gefährdet sind, sich von deren Ideologien angesprochen zu fühlen. (AM) Veröffentlicht in Band 3 der schriftenreihe gegen sexualisierte Gewalt)
Abwärts in den Himmel - auf diesem Weg befindet sich Gitte seit ihrem 7. Lebensjahr, denn die Mutter ist zu den Zeugen Jehovas übergetreten. Sehr nachvollziehbar wird in diesem Buch beschrieben, wie die Alltagsrealität dieser Sekte aussieht. Außer den täglichen Pflichten, bestehend aus dem Schulbesuch und die Erledigung von schulischen Hausaufgaben, gibt es fortan Für Gitte nur noch Beten, das Studium der Bibel und der Sektenzeitschrift "Der Wachturm". Abends muss Gitte mit ihrer Mutter statt ins Bett auf Versammlungen gehen, auf denen sie regelmäßig einschläft und von der Mutter wieder wach gekniffen wird. Gitte führt ein Leben voller Reglementierungen und Angst - vor Dämonen und teuflischen Versuchungen und vor allem vor den kontrollierenden und alles sehenden Augen Jehovas, der alle ungläubigen in einem großen Blutbad (Harmagaddon) ausmerzen wird, die ihm nicht ihr Leben widmen. Gitte kommen immer wieder Zweifel, ob das die richtige Lebensform Für sie ist... Dieser Jugendroman ist vermutlich authentisch und sehr anschaulich und emotional geschrieben. Nachvollziehbar und anschaulich wird geschildert, wie diese Sekte organisiert und strukturiert ist, neue Mitglieder wirbt und die alten mit Versprechungen, aber auch mit der Erzeugung von Angst an die (Zwangs-)Gemeinschaft bindet. Kritik und Zweifel sind unerlaubt, wer gegen die Ge- und Verbote handelt, wird verstoßen und muss im noch bevorstehenden Blutbad Jehovas enden, wie auch ein junges Mädchen, das vorehelich schwanger wird. Kontakte außerhalb der Sekten sind nur dann erwünscht, wenn sie zur Missionierung genutzt werden, ansonsten ist die totale soziale Abschottung innerhalb der Gemeinschaft erwünscht. (Geburtstags- und Weihnachts-)Feste gelten Frevel, desgleichen Musik und Tanz. Wichtig sind nur Bibel, Gebete und Versammlungen. Dieses Buch ist sicherlich gut geeignet Für Jugendliche, junge Erwachsene und PädagogInnen, die sich ein Bild über die Lebenswirklichkeit eines aufwachsendes Kindes in dieser Sekte machen wollen. Ich bezweifle allerdings, dass dieser spannende Jugendroman von der angestrebten Zielgruppe tatsächlich gelesen wird, denn 270 Seiten wollen bewältigt sein. Ferner bezweifle ich ein bisschen, dass das Interesse an der Auseinandersetzung mit dem Thema "ZeugInnen Jehovas" Für Jugendliche so groß ist. Bliebe lediglich der Religions- oder Ethikunterricht, aber auch hier setzt der Umfang klare Grenzen. Wer sich dennoch durchgebissen hat, kann eine interessante Analyse über Manipulation, Organisation und Strukturen in Sekten durchführen und spannende Diskussionen hierüber führen - vielleicht in einer interessierten Kleingruppe, einer normalen Schulklassengröße würde ich das Buch nicht präsentieren. Auch jeden Fall aber empfehle ich das Buch all jenen Menschen, die mit Kindern von Zeugen Jehovas arbeiten, denn es gibt einfach einen sehr guten Einblick in deren Lebensrealität. Das Buch kann m.E. nach auch jenen Jugendlichen Mut machen, die zweifeln und "aussteigen" wollen. Insgesamt also rundum empfehlenswert, sieht man über die immer häufiger in Jugendbüchern auftretenden (umgangssprachlichen) grammatikalischen Mängel hinweg. Hilfreich wäre es Für (junge) LeserInnen sicherlich gewesen mitzuteilen, dass die Geschichte in den 50er Jahren in Dänemark spielt. (AM)
Als Frances begreift, dass eine Religion, die nur auf der Angst der Menschen aufgebaut ist, nicht die wahre sein kann, wird sie noch mehr unter Druck gesetzt. Es scheint, als gäbe es Für sie keinen Weg mehr zurück in die »normale« Welt ... Ein äußerst spannendes Buch der australischen Autorin zum Thema »Sekten«.
Aus dem Klappentext: Hannah ist 15 Jahre alt und Zeugin Jehovas. Früher fühlt e sie sich geborgen in ihrer Religionsgemeinschaft. Doch jetzt verspürt sie den Wunsch auszubrechen, normal zu sein wie die anderen auch. Hannah fordert ihre Freiheit ein. Und plötzlich werden die Grenzen ihrer einst so behüteten Welt zu unüberwindbaren Mauern. Erst die Liebe zu Paul gibt ihr den Mut Für den Schritt in eine andere Welt. Ein ergreifendes, spannendes, gut und flüssig zu lesendes Buch über eine Sekte die fast jeder kennt, über die aber kaum jemand etwas weiß. Immer wieder behandle ich Sekten und Psychokulte im Unterricht, aber meist geht es um Informationen über theologische und alltagsbestimmende Unterschiede zu den Kirchen. Schließlich gilt in der BRD die freie Religionsausübung, und ob jemand meint von Gott besonders auserwählt zu sein ist nicht mein Problem. Mein Problem aber wurde nach dem Lesen des Buches inwieweit nicht Kinder und Jugendliche, die in Sekten aufwachsen müssen, in ihrer freien Entwicklung eingeschränkt oder ihnen sogar elementarste Kinder/Menschenrechte vorenthalten werden. Ich habe mir keine Gedanken darüber gemacht, was es Für ein Kind bedeutet isoliert in einer Sekte aufzuwachsen, von den „Weltlichen" abgelehnt zu werden. Keinen Geburtstag zu feiern, kein Weihnachten und kein Ostern, keine Geschenke zu bekommen und doch mitzubekommen, dass sich die meisten anderen Kinder über all das freuen. Hannah schildert sehr beeindruckend wie sie sich fühlt , als zum ersten mal ihr Geburtstag „ausfällt" oder wie ihre Stiefmutter die Einladung zu einer Geburtstagsfeier kommentarlos in den Mülleimer wirft. Körper- und Sexualfeindlichkeit ist sicher kein Privileg der Zeugen Jehovas, aber selten wird sie wohl mit der beschriebenen Konsequenz zum Erziehungsideal. Es macht schon wütend zu lesen wie ein erstmals menstruierendes Mädchen mit seiner Angst nicht nur allein gelassen, sondern auch noch Zeugenöffentlich bloßgestellt wird; wie Hannah gezwungen wird einen hässlichen BH, Wollstrümpfe, Wickelrock und Dutt zu trägen, damit sie nicht durch aufreizendes Äußeres zur Gespielin Satans wird aber damit zum Gespött ihrer Klassenkameradinnen. Wie Hannah dem nur entgehen kann, indem sie Gott bittet, Hamagedon schnell kommen zu lassen und alle ihre Peinigerinnen zu töten. Ich wusste nicht, dass Schläge, bis hin zur körperlichen Misshandlung, die auch von Gemeinedeltesten vorgenommen werden, zum Erziehungsstil der Zeugen gehören. Hannah konnte all dem entkommen – aber was wird aus ihren Brüdern – was aus all den anderen Kindern von Zeugen? Wenn wir den Satz Kinderschutz geht vor Elternrecht ernst nehmen, frage ich mich, ob nicht der Kinderschutz ein höheres Rechtsgut ist als die freie Religionsausübung. (nr)
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