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"Sexueller Missbrauch
– die Rolle der Mutter beim (Stief-) Vater – Tochter - Inzest"
Diplom - Vor - Prüfung
in Erziehungswissenschaften
TU Berlin/ FB 02 (Erziehungs- und
Unterrichtswissenschaften)
Peggy Behrend
Matrikel Nr. 185556
Bahnhofstr. 59 A
14624 Dallgow Döberitz
Tel. 03322 23 77 06 / 0177 315 98 14
(inzwischen umgezogen)
Hausarbeit zum Thema:
"Sexueller Missbrauch – die Rolle der Mutter
beim
(Stief-) Vater – Tochter - Inzest"
Einleitung
Der sexuelle Missbrauch an Kindern ist in
den letzten Jahren immer mehr zu einem öffentlichen Thema geworden. Während sich
die Fachöffentlichkeit damit befasst, Präventions- und Interventionsstrategien
zu erarbeiten, wird das Thema in den Medien nicht selten skandalisiert. Die
entgegen gesetzte Richtung schlagen zur Zeit einige
AutorInnen ein. Es wird hierbei vom "Missbrauch mit dem Missbrauch" geredet,
wobei behauptet wird, dass die WissenschaftlerInnen und PädagogInnen z.B. mit zu
hohen Zahlen hantieren und das Thema zu hoch eingeschätzt wird (vgl.
Breitenbach, 1991, 3-4).
Darüber hinaus wird der sexuelle Missbrauch
im Zusammenhang mit Scheidungsverfahren erwähnt. Aus eigenen Gesprächen mit
Mitarbeitern des Jugendamtes wurde Für mich deutlich, dass es auch vorkommt,
dass die Mütter ihre Kinder dazu anhalten, bezüglich ihrer Väter bzw. ihrer
Vaterfiguren falsche Aussagen bezogen auf sexuelle übergriffe tätigen, um so den
Kontakt zum Vater zu verhindern.
Die Thematik "sexueller Missbrauch an
Kindern" wird breitflächig diskutiert. Dabei rückt mehr und mehr auch die Mutter
ins Zentrum der Aufmerksamkeit, weil sie die nächste Ansprechperson ist, wenn
ein sexueller Missbrauch am Kind aufgedeckt wird. Ist der Täter der Vater oder
Stiefvater, so sollte zumindest die Mutter als Bezugsperson erhalten bleiben.
Von der Reaktion der Mutter auf das Geschehene hängt die Bewältigung des
sexuellen Missbrauchs Für die Kinder ab (vgl. Breitenbach, 1991, 1-4).
Auf Grund von Gesprächen mit einigen
TherapeutInnen bin ich der Auffassung, dass die Dauer und das Alter zum
Zeitpunkt des sexuellen Missbrauchs entscheidend ist. Eine schnelle Aufdeckung
und ein junges Alter (je jünger das Kind, um so weniger stark ist das
Bewusstsein ausgeprägt) können eine bessere Verarbeitungsmöglichkeit beim Kind
ermöglichen, die durch professionelle Hilfe (z.B. Therapie Für Mutter und Kind)
entscheidend verbessert wird. Darüber hinaus sind die Mütter häufig durch andere
familiäre und individuelle Probleme belastet (z.B. Misshandlung durch den
Partner, psychische Probleme und emotionale Labilität, sowie eine ökonomische
Abhängigkeit), so dass sich die Situation Für Mutter und Tochter schwierig
gestaltet.
Ich bin der Meinung, dass es wichtig ist zu
erarbeiten, wie die Mutter, die noch zusätzlich durch den Partner betroffen ist,
den sexuellen Missbrauch ihrer Tochter erlebt und verarbeitet. Jedoch sind die
wenigsten Mütter in der Lage den sexuellen Missbrauch ihrer Töchter zu
verarbeiten und ihnen dann zur Seite zu stehen. Hierfür
benötigen auch sie adäquate und professionelle Hilfestellung.
Sexueller Missbrauch ist eine "Straftat
gegen die sexuelle Selbstbestimmung". Von diesem Verbrechen sind zu 90 % Mädchen
und Frauen betroffen, wogegen die Täter zu fast 100 % Männer sind. Deshalb
bezieht sich diese Arbeit ausschließlich auf den sexuellen Missbrauch von
Mädchen durch Vaterfiguren (Vater/Stiefvater/Partner der Mutter)
(vgl. Kavemann, Lohstöter,1984, 7).
Das grundsätzliche Autoritäts- und
Machtverhältnis zwischen Kindern und Erwachsenen bewirkt, dass es in den meisten
Fällen keiner besonderen Gewaltausübung bedarf, um ein
Mädchen über Jahre hinweg zum schweigenden, scheinbar freiwilligen Opfer zu
machen. Opfer leben immer mit einem latenten schlechten Gewissen. Nicht sie
selbst setzen die Maßstäbe, nach denen ihr Handeln als gut oder böse gewertet
wird, sondern die Erwachsenen tun das – oft genug willkürlich
und Für Kinder unverständlich. Dass es sexuelle Gewalt in der Familie gegenüber
Töchtern gibt, darüber wird nicht gesprochen. Deswegen, und auch weil die
Mädchen irreführender Weise nur
vor dem "fremden Mann" gewarnt werden, geraten sie leicht in eine Falle, in der
sie sich von der unbekannten Gefahr nicht schützen können. In dem Bewusstsein
von Mädchen gibt es keine sexuelle Gewalt in der Familie. Väter gelten nicht als
Täter, sondern als "Beschützter". Dies vergrößert nicht nur Vertrauensseligkeit
und Unbefangenheit der Mädchen, sondern auch, wenn dann tatsächlich etwas
passiert, ihren Schock, ihre Schuldgefühle und ihre völlige Ratlosigkeit. Die
Fähigkeit, sich gegen den "Beschützter" zu wehren, Hilfe zu suchen, die Mutter
ins Vertrauen zu ziehen, wird durch diese Unkenntnis verhindert, zumindest
vermindert. Dieses Schweigen der Töchter vergrößert den Handlungsspielraum des
Vaters, den sexuellen Missbrauch fortzusetzen. Eine weitere Tatsache ist, dass
selbst die allernächste Umwelt des Mädchens die Signale und Hilferufe nicht
hört, nicht versteht oder aus Unkenntnis und Überforderung nicht verstehen will.
Da dem Mädchen niemand hilft und sich auch niemand anbietet, den das Mädchen ins
Vertrauen ziehen könnte, nimmt das Geschehene seinen Lauf, so bleibt der
alltägliche Schrecken unverarbeitet und das Trauma begleitet das Mädchen ein
Leben lang.
Auch die Regeln des geschlechtsspezifischen
Verhaltens sind Für Kinder zunächst undurchschaubar. Sie sind zu Anpassung und
Duckmäuserei gezwungen, sie sind Situationen gewohnt, in denen sie zu unrecht
gestraft oder beschuldigt werden. Ihre Erklärungen und Entschuldigungen werden
als "faule Ausreden" abgetan. Sie müssen die Meinungen von Erwachsenen
ohnmächtig als wahr und richtig akzeptieren. Widerstand ist meist zwecklos oder
gefährlich. Jeder will ja nur "ihr Bestes", und Kinder sollen nicht "undankbar"
sein. Der bedingungslose Respekt vor Erwachsenen gehört immer noch zu den
zentralen Inhalten von Erziehung – immer noch auf Kosten von Aufrichtigkeit und
Vertrauen auf beiden Seiten. Bei aller Macht, die die Mutter über ihre Kinder
hat, ist es doch der Vater, der Mann, der zu Hause das Machtwort spricht. Für
das Mädchen kommt zum Erlebnis seiner kindlichen Ohnmacht gleichzeitig die
Erfahrung weiblicher Machtlosigkeit und männlicher Unterdrückung (vgl. Kavemann
ebd.).
1.1. Begriffserklärung "sexueller Missbrauch"
Sexualität ist etwas, worüber kleine
Mädchen nicht viel erfahren, wovor sie sich aber hüten sollen – wenn es um
fremde Männer geht. Geschieht der sexuelle Angriff überfallartig durch einen
Fremden, dann passt das Erlebnis noch irgendwie in eine Welt, in der es gute und
böse Männer gibt und in der feststeht, wo die guten zu finden sind (nämlich dort
wo kein sexueller Missbrauch stattfindet, Anm. d. Verf.). Ist es der eigene
Vater/Stiefvater/Partner der Mutter, dann hat sich die Falle hinter dem Mädchen
geschlossen (vgl. Kavemann, Lohstöter, 1984,10).
Die Falle hat sich deshalb hinter dem
Mädchen geschlossen, weil in unserer Gesellschaft den Kindern nicht vermittelt
wird, dass es auch innerhalb der Familie zum sexuellen Missbrauch kommen kann.
Dadurch und auch weil die Kinder abhängig vom Vertrauen gegenüber ihren Eltern
sind, erkennen sie die Gefahr nicht und können auch ohne Hilfe nicht darüber
sprechen.
An dieser Stelle wird Für mich sehr
deutlich, wie wichtig die Präventionsarbeit in der Schule ist und auch in
geeigneter Form im Kindergarten schon statt finden müsste. Darüber hinaus
müssten Präventionsmaßnahmen auch Für (betroffene) Mütter angeboten werden.
Unter sexuellem Missbrauch versteht
Kavemann (1984) all das, was einem Mädchen vermittelt wird, es ist nicht als
Mensch interessant und wichtig, sondern es wird vermittelt, dass Männer frei
über es verfügen dürfen, dass es durch seine Reduzierung zum Sexualobjekt
Bedeutung erlangt, dass es mit körperlicher Attraktivität ausgestattet ist, um
Männern "Lust" zu beschaffen. Hierzu gehört jeder übergriff auf das Mädchen.
Dabei spielt es keine Rolle, ob es heimliche, vorsichtige Berührungen sind, die
es über sich ergehen lassen oder selbst "vornehmen" muss, erzwungener
Oralverkehr oder eine regelrechte Vergewaltigung.
Dazu gehört aber auch das Befühlen und die
"fachmännische" Begutachtung der sich entwickelnden körperlichen Rundungen, das
Betasten der Brust oder des Brustansatzes, verbunden mit abschätzigen oder auch
wohlwollenden Qualitätsurteilen, die das Mädchen jetzt zur Frau und zum
Sexualobjekt attraktiv machen.
Die damit verbundenen Verunsicherungen und
Demütigungen, auch durch lüsterne Blicke oder das so häufige Klatschen auf den
Po, solche sexuellen Angriffe graben sich tief in das Selbstverständnis und die
Psyche von Mädchen ein, mag das Vorgefallene anderen – Erwachsenen, Ämtern oder
Gerichten - auch noch so unbedeutend erscheinen. Es geht dabei nicht um das
Verbot von Zärtlichkeit, körperlicher Nähe und Wärme. Die Grenzen zwischen
diesen lebensnotwendigen Zuwendungen, die Kinder bei ihren Eltern suchen, und
den Berührungen, die der sexuellen Bedürfnisbefriedigung des Mannes dienen, sind
aber fließend. Ich bin auch der Meinung, dass der Übergang fließend ist, es
jedoch von der Motivation des Mannes abhängt, ob die Grenze überschritten wird
und es zum sexuellen Missbrauch kommt. Mädchen haben ein genaues Gespür dafür , wann diese Grenze überschritten wird, wann sie benutz
werden und es sich um etwas "Verbotenes" handelt.
Der sexuelle übergriff erzeugt schon bei
ganz jungen Mädchen, die kaum etwas über Sexualität wissen, das untrügliche
Gefühl , dass ihnen der Mund verschlossen ist. Sie glauben, dass nur ihnen so
etwas Furchtbares zustößt. Sie werden sich erst dann jemandem anvertrauen, wenn
sie meinen, nichts könne ihre Lage noch verschlimmern. (vgl. Kavemann, Lohstöter,
1984, 11).
Ursula Enders hingegen definiert sexuellen
Missbrauch folgendermaßen: "Sexueller Missbrauch ist immer dann gegeben, wenn
ein Mädchen oder Junge von einem Erwachsenen oder älteren Jugendlichen als
Objekt der eigenen sexuellen Bedürfnisse benutzt wird. Kinder und Jugendliche
sind auf Grund ihrer kognitiven und emotionalen Entwicklung nicht in der Lage,
sexuellen Beziehungen zu Erwachsenen wissentlich zu zustimmen. Fast immer nutzt
der Täter ein Macht- und Abhängigkeitsverhältnis aus" (Enders, 1995,19).
2.0 Theoretische Erklärungsansätze zur Rolle
der Mutter bei intrafamilialen sexuellen Missbrauch
In dieser Arbeit soll einerseits der
familiendynamische Ansatz und andererseits der feministische Ansatz als
Erklärungsmodell Für den sexuellen Missbrauch an Kindern dargestellt werden.
Von den bisherigen ätiologischen Konzepten
zum sexuellen Kindesmissbrauch beschäftigen sich vor
allem der familiensystemische und der feministische Ansatz mit der Rolle der
Mütter beim innerfamilialen sexuellen Missbrauch. Familienorientierte Konzepte
sind meist auf der Grundlage von klinischen Studien oder aus den
Praxiserfahrungen von TherapeutInnen entwickelt worden. Feministische Ansätze
basieren auf einer Analyse gesellschaftlicher Machtstrukturen (hauptsächlich aus
der Frauenbewegung hervorgegangen), die die gesellschaftlich determinierten
Unterschiede zwischen den Geschlechtern zur Erklärung der sexuellen Gewalt in
den Vordergrund stellen. Auch die Rolle der Mütter wird im Kontext
gesellschaftlicher und familiärer Machtstrukturen betrachtet.
2.1 Der familiendynamische Ansatz
Der familiendynamische Ansatz gehört zu
einem umfassenden Theoriekomplex (familiendynamisches Familienmodell), der das
abweichende Verhalten eines Familienmitgliedes nicht auf individuelle Faktoren
zurück führt, sondern auf eine Störung innerhalb des familiären Systems. Die
VertreterInnen des familiendynamischen Ansatzes betrachten den sexuellen
Missbrauch als Symptom eines desorientierten, familiären Interaktionsmusters.
Dabei wird der sexuelle Missbrauch nicht
als individuelles Symptom des Täters betrachtet, sondern als funktionelles
Problem innerhalb des bestehenden Systems "Familie".
Das bedeutet, dass alle Familienmitglieder
an der Entstehung und auch an der Aufrechterhaltung des sexuellen Missbrauchs
in der einen oder anderen Weise beteiligt sind. Hier verlieren nun "Täter",
"Opfer" und "Schuld" ihre Bedeutung. Unter diesem Aspekt kann das
Machtverhältnis innerhalb der Familie (zwischen Kindern und Erwachsenen und
zwischen Mann und Frau) aus dem Blickfeld geraten.
Die Mutter ist in diesem Erklärungsansatz
an der Aufrechterhaltung der desorientierten Familienstruktur beteiligt.
Teilweise wird die Mutter als "Schlüsselfigur" beim
sexuellen Missbrauch dargestellt, wobei behauptet wird, dass die Mutter die
Situation Für den sexuellen Missbrauch arrangiert, dass der sexuelle Missbrauch
auf Grund eines Fehlverhaltens der Mutter beginnen kann und dass sie durch
emotionale Vernachlässigung der Familie/ des Partners und durch sexuelle
Verweigerung gegenüber dem Ehemann, den sexuellen Missbrauch begünstigt.
Die Mutter gilt aber nicht immer als "Schlüsselfigur",
sondern alle Familienmitglieder sind hier direkt oder indirekt am inzestuösen
Geschehen beteiligt.
Für den Beginn des Missbrauchs werden
gestörte Interaktionsmuster zwischen den Familienmitgliedern verantwortlich
gemacht. Einigkeit besteht in der Inzestliteratur darüber, dass allgemeine
Charakteristika in den Inzestfamilien bestehen. Dabei zeigen die meisten auf,
dass es besonders Schwierigkeiten im Bereich der Grenzen gibt. Es existieren
starke Grenzen nach außen und unklare Grenzen zwischen den Familienmitgliedern.
Dafür werden die zerrütteten
Herkunftsfamilien der erwachsenen Familienmitglieder verantwortlich gemacht.
Somit werden die Beziehungsstörungen von einer Generation zur nächsten
übertragen (vgl. Ute Gerwert, 1996,11).
Larson (1986, 105 ff.) beschreibt, dass
Inzestfamilien starre Grenzen gegenüber ihrer Umwelt entwickeln, um so den
sexuellen Missbrauch nicht nach außen dringen zu lassen. Dabei kann es zur
sozialen Isolationen der Familie kommen, wobei keine nahen Kontakte mehr zu
Personen außerhalb der Familie bestehen. Somit stellt die Familie die zentrale
Quelle Für die Befriedigung ihrer Bedürfnisse dar.
Es entsteht eine übermäßige Abhängigkeit
zwischen den Familienmitgliedern, die dazu beiträgt, dass Grenzen zwischen den
Generationen überschritten werden und es zu einer "Verwischung der
Generationsgrenze" kommt. Besteht kein Unterschied zwischen den Rollen der
Eltern und Kinder, entstehen Erwartungen an die Kinder, Erwachsenenrollen zu
übernehmen (Rollenumkehr). Die Kinder sollen Für ihre Eltern sorgen, angefangen
bei der Erledigung der Hausarbeit bis hin zur Befriedigung der sexuellen
Bedürfnisse der Erwachsenen. Die Eltern entziehen sich gleichzeitig ihrer
Verantwortung.
Sie sind letztendlich "unreife" Erwachsene,
die nicht in der Lage sind, Für ihre Kinder adäquat zu sorgen. Die Elternrolle
wird an die Kinder weitergegeben (Parentifizierung) (vgl. Gerwert, 1996, 12).
Um in dieser Familie Unterstützung zu
erhalten und integriert zu werden, müssen die Familienmitglieder ihre Autonomie
opfern, das Gefühl der Zugehörigkeit bleibt dadurch erhalten. Allerdings
verwischen somit auch die persönlichen Grenzen (Verwischung der interpersonellen
Grenzen). Es entwickeln sich symbiotische Beziehungsmuster. Die
Familienmitglieder sind extrem voneinander abhängig. Jeder hat das Gefühl , ohne
den anderen nicht überleben zu können. Ein Auseinanderbrechen stellt Für die
Familienmitglieder eine existentielle Bedrohung dar (vgl. Gerwert ebd.).
Damit das Kind nicht ausgestoßen wird, muss
es die sexuellen Bedürfnisse des Vaters/Stiefvaters/Partners der Mutter
befriedigen. Um ihr eigenes überleben zu sichern, hält die Mutter den Missbrauch
geheim. Die Abhängigkeit vom Partner und die heftige Angst diesen zu verlieren
und damit ihre existentielle Grundlage, verhindert ein adäquates Verhalten der
Mutter. Die Mutter wird handlungsunfähig. Dieses verstrickte Familienmuster wird
durch Abwehrmechanismen wie Verleugnung und Rationalisierung aufrecht erhalten.
Eine angemessene Realitätseinschätzung wird dadurch stark beeinträchtigt (vgl.
Gerwert, ebd).
Dunand (1993, 10 ff.) sieht den sexuellen
Missbrauch als gesellschaftliches Problem. Die Männer / Täter betrachtet sie als
"Opfer" gesellschaftlicher Sozialisation. Die Frauen und Kinder sind dabei
"Opfer" dieser "Opfer".
Weiterhin beschreibt sie die Mütter als
eher schwache und weniger handlungsfähige Frauen, die selber häufig
Missbrauchserfahrungen haben und nicht in der Lage sind, ihre Töchter zu
schützen. Selbst nach der Aufdeckung des sexuellen Missbrauchs können sie
selten ihre Töchter unterstützen und beschützen.
Unter Berücksichtigung des
gesellschaftskritischen Kontext haben Frauen in asymmetrischen
Machtverhältnissen zwischen den Geschlechtern nur begrenzte Chancen, eine
soziale und psychische Abhängigkeit vom Ehemann zu beenden und selbst bestimmt für ihre Kinder zu sorgen,
beziehungsweise vor sexuellen übergriffen seitens des Vaters/Stiefvaters/Partner
der Mutter zu schützen (vgl. Dunand,1993,16). Immer noch wird von der Mutter
erwartet, sich einerseits schützend vor die Tochter zu
stellen, andererseits dem Ehemann zur Seite zu stehen und gleichzeitig soll sie
eigene Ansprüche und Vorstellungen möglichst zurück zustellen. Für den Erhalt
der Familie und aus Angst vor dem Verlust ihrer materiellen Existenz leugnet die
Mutter den sexuellen Missbrauch ihres Kindes (vgl. Gerwert,1996,14).
Dunand (1993, 10 ff.) hält es Für falsch,
allein den Mütter n die Verantwortung Für den sexuellen Missbrauch ihrer Töchter
zu geben. Die Mutter ist in solchen Familien unfähig, eine mittlere Position
zwischen Nähe und Distanz gegenüber ihrem Kind einzunehmen. Sie versucht in der
Beziehung zur Tochter ihre Bedürfnisse nach Abhängigkeit zu befriedigen. Die
Tochter wird dabei in die Mutterrolle gedrängt. Die Mutter übernimmt die Rolle
des Kindes. Die Tochter soll nun die Verantwortung Für die Mutter übernehmen (Parentifizierung).
Dies gilt auch Für den sexuellen Bereich. Auf Grund dieser Rollenumkehr wird die
Fähigkeit der Mutter, Hinweise auf den Missbrauch wahrzunehmen und die Tochter
zu schützen, gemindert. Die Autonomiebestrebungen der
Töchter nach Aufdeckung des sexuellen Missbrauchs wird von den Mütter n
häufig nicht toleriert, da die Symbiose zwischen ihnen sonst gefährdet wäre. Die
Tendenz der Mütter , die Töchter noch mehr an sich zu binden, beantworten diese
häufig mit der Anstrengung, sich aus der Beziehung zur Mutter zu befreien (z.B.
durch aggressives Verhalten). Hier kann es dazu kommen, dass die Mütter durch
das Verhalten der Töchter überfordert sind und sich von ihnen trennen. Gehen sie
jedoch erneut eine Beziehung zur Mutter ein, ist die Symbiose häufig noch
stärker als zuvor ausgeprägt.
2.2 Der feministische Ansatz
Der feministische Ansatz betrachtet den
sexuellen Missbrauch in erster Linie als ein gesellschaftliches Problem. Es wird
hier davon ausgegangen, dass die Familie kein eigenständiges System, sondern
einen Teil des komplexen Gesellschaftssystems darstellt.
Der sexuelle Missbrauch steht im Kontext
mit sexueller Gewalt gegen Mädchen und Frauen. Diese Gewaltausübung
oder –androhung hängt dabei mit der Situation der Frau in der Gesellschaft
zusammen. Die Ursachen des sexuellen Kindesmissbrauchs
liegt nach Auffassung von Enders (1990) in den patriarchalischen Strukturen
unserer Gesellschaft, genauer in der Vorherrschaft und Verfügungsmacht
von Männern über Frauen und in der Sozialisation von Frauen und Männern. Dennoch
ist Sexualität nur ein Bereich, der diese Machtverhältnisse widerspiegelt. Die
sexuelle Gewalt gegen Kinder wird im feministischen Ansatz nicht als eine
individuelle oder familiäre Störung gesehen, sondern als eine
Gesellschaftsstruktur, die es Männern erlaubt, Schwächere auszubeuten.
Die Autorin Hildebrand (1986, 52) geht beim
Vater – Tochter - Inzest davon aus, dass es dem Täter primär um die Ausübung von
Macht und nicht nur um die Befriedigung seiner sexuellen Bedürfnisse geht. Dies
wird von den Opfern sexueller Gewalttaten ebenfalls so empfunden: sie erleben
den Missbrauch nicht nur als sexuelle Verletzung, sondern besonders als
Demütigung, Herabsetzung und letztendlich als Entwertung ihrer Person.
Vertreterinnen des feministischen Ansatzes befürworten
die Verwendung der Begriffe "Täter", "Opfer", weil diese eindeutig klarstellen,
dass die Erwachsenen die Verantwortung Für das Geschehene tragen. Für die Frauen
(Mütter ) wird in diesem Ansatz eine feministische Parteilichkeit gefordert. Thürmer – Rohr (1991, 491) weist darauf hin, dass außerhalb der
unmittelbaren sexuellen Gewalterfahrungen eine "Mittäterschaft" der Mütter
diskutiert werden muss, denn auch sie sind in das Gewaltgeschehen als Handelnde,
als Tätige sozusagen eingebaut. Rommelspacher (1989,16) weist darauf hin, dass
feministische Parteilichkeit nicht heißt, stets auf der Seite der Mütter zu
stehen, sie zu entlasten und ihr Verhalten zu entschuldigen. Auch Frauen sind
durchaus in der Lage, Macht Für ihre Bedürfnisse einzusetzen. Für Rommelspacher
(ebd.) bedeutet feministische Parteilichkeit eher, alle Unterstützungen zu
nutzen, um Gewalt von Männern gegenüber Frauen abzubauen.
Die Interaktionen zwischen
Gesellschaftstrukturen und individueller Handlungsfreiheit prägen das
menschliche Verhalten, was die Gewalttaten nicht entschuldigt, denn "Macht
besitzen (gebrauchen) ist nicht das gleiche wie Macht Missbrauchen". Es bleibt
somit in der persönlichen Verantwortung eines jeden Mannes, die ihm gegebene
Macht nicht zu Missbrauchen und das Recht von Kindern und Frauen auch bzgl.
ihrer sexuellen Selbstbestimmung zu respektieren. Die Situation der Mütter
inzestuös, Missbrauchter Kinder wird hier im Kontext patriarchalischer
Gesellschafts– und Familienstrukturen analysiert (vgl. Gerwert, 1996, 18-24).
Einige InzestforscherInnen behaupten, die
Mutter hätte zweimal versagt: zum einen hat sie den Vater sexuell frustriert,
zum anderen hat sie die Tochter verraten, indem sie die weibliche
Selbstbestimmung unterbunden hat (vgl.Gerwert, 1996, 20).
2.1. Bewertung des familiendynamischen und des feministischen
Ansatzes
Richtig erscheint mir die Annahme, dass die
Verhaltensstörung eines Familienmitgliedes kein individuelles Problem darstellt.
Ich denke, dass es schwer ist, diese abweichende Verhaltensstruktur
ausschließlich auf Störungen innerhalb der Familie zurück zuführen.
Bei mir entsteht der Eindruck, dass die "Familiendynamiker" die
gesellschaftlichen Strukturen nur wenig berücksichtigen.
Ihre " Gesellschaft" besteht aus den einzelnen Familien, in denen Störungen auf
Interaktionsstörungen zwischen den Familienmitgliedern zurück geführt werden.
Ich bin der Meinung, dass sich diese Störungen einerseits aus der
Familienchronik (Großfamilie) und aus den Gesellschaftsstrukturen zusammensetzt,
die nicht eindeutig voneinander zu trennen sind, da die Individuen nicht
unbeeinflusst von der Gesellschaft bleiben.
Zu dem gehen die "Familiendynamiker" von
einer traditionellen Familienstruktur aus, in der die Frau Für die emotionalen
Belange verantwortlich ist und der Mann die Entscheidungen trifft. Ich bin nicht
der Auffassung, dass es durch emotionale Vernachlässigung seitens der Mutter
gegenüber dem Vater unbedingt zum sexuellen Missbrauch des Kindes kommt.
Sicherlich führt diese Vernachlässigung, aus der Sicht
der Täter, zu dem sexuellen Missbrauch an den Töchtern. Dies kann und darf aber
keine Entschuldigung Für den Täter sein und aus meiner Sicht nicht zur Anklage
gegenüber der Mutter führen.
Der feministische Ansatz berücksichtigt
zwar die intrafamiliäre Problematik, geht meiner Meinung nach zu wenig darauf
ein, inwiefern die Mütter involviert sind. Ein sexueller Missbrauch kann über
lange Zeit fortgesetzt werden durch das Machtbedürfnis
der Vaterfigur und durch Wegsehen, "Nicht-wahr-haben-wollen" und Beschönigung
seitens der Mutter.
Die Schuldfrage liegt meiner Ansicht nach
in erster Linie beim Täter. Ist die Mutter trotz latenter Ahnung oder
Mitwisserschaft nicht in der Lage in das Geschehen einzugreifen, trägt sie Für
mich eine entscheidende Mitschuld.
3.0 Die Rolle der Mutter beim Missbrauch
Auf welche Weise sind Mütter am
Inzestgeschehen beteiligt ?
In der Untersuchung von Maisch
(1968,107ff.) wird die Annahme, dass das Missbrauchsrisiko steigt, wenn die
Mutter auf irgendeine Art abwesend ist, als ein zentraler Punkt angesehen.
Mütter dieser Familien sind häufig nicht zu Hause, auf vielfältige Art ist es
wie eine Flucht von zu Hause, um dadurch die Verantwortung Für die Familie
zurück zuweisen. Diese Abwesenheit kann sich z.B. in häufigen Krankheiten der
Mutter ausdrücken. Maisch (1968, 102) fand heraus, dass 33 % der Mütter vor oder
während des Missbrauchs körperlich erkrankten, was sich unter Umständen
negativ auf das Familienleben auswirken kann und somit den Inzest begünstigt.
Herman (1981, 77 f.) kam in ihrer Untersuchung zu dem Ergebnis, dass über 55%
der Mütter sich unverhältnismäßig oft im Krankenhaus aufhielten und mehr als 38
% der Töchter zeitweise von ihren Mütter n getrennt waren. Dies geschieht meist,
weil die Mütter sich mit der Bewältigung des Haushaltes und der Versorgung der
Kinder überfordert fühlen. Alkoholismus, Depressionen und Psychosen sind die
häufigsten Ursachen dafür , dass die Mütter ihre Aufgaben nicht mehr bewältigen
können. Ein weiterer Aspekt, der eng verknüpft ist mit der familiären und
häuslichen überforderung der Mutter, betrifft ihre psychische Unzulänglichkeit.
Die Mutter sorgt nicht ausreichend Für den Vater und die Tochter. Die Frauen
sind unfähig, zum Ehemann und zur Tochter eine Für sorgliche Beziehung
aufzubauen. Dieses emotionale Verlassen der Familie führt dazu, dass Vater und
Tochter Zuflucht beieinander suchen, was den sexuellen Missbrauch herausfordert
und begünstigt. Die Mutter bietet durch diesen emotionalen Rückzug den Kindern
keinen Schutz und ist nicht in der Lage, das inadäquate Verhalten des
Vaters/Stiefvaters/Partners der Mutter zum Kind zu unterbinden.
Eine breite Basis der Inzest -
ForscherInnen vertritt einstimmig die Position, dass es primär Aufgabe der
Mutter ist, Für Harmonie und Geborgenheit zu sorgen. Ansonsten fördert sie ein
Klima, das günstige Voraussetzungen Für den Inzest schafft (vgl. Gerwert,
1996,28-32).
Ich bin der Meinung, dass die
Anschuldigung, dass die Mutter sich vor dem sexuellen Missbrauch ihrer Tochter
dem Vater sexuell verweigert, keine Freigabe Für den Vater/Stiefvater/Partner
der Mutter sein kann, die Tochter sexuell auszubeuten.
3.1 Die Sexualität der Mutter
"Indem sie (die Mutter, Anm. d. Verf.) ihre
Ehemänner sexuell zurück weisen, erzeugen sie in ihnen eine erhebliche sexuelle
Frustration und Spannung, sie (die Mütter , Anm. d. Verf.) spielen eine zentrale
Rolle, indem sie die sexuellen Energien des Ehemannes in die Richtung der
Tochter lenken." (Lustig u.a. 1966, 34).
Das Ergebnis verschiedener Studien zeigt
die Nicht – Erfüllung der sexuellen "Pflichten" der Mutter gegenüber dem Vater.
Dies ist ein Vorwurf, der in etlichen Untersuchungen genannt wird. Maisch (1968,
109) fand heraus, dass sich fast 31 % der Frauen ihren Männern gegenüber sexuell
ablehnend verhielten. Der sexuelle Rückzug der Frau könnte geradewegs in den
Inzest münden (vgl. Gerwert, 1996, 28-29).
Durch die sexuelle Verweigerung gegenüber
ihrem Mann fordert die Mutter den Vater gerade dazu auf, die Tochter sexuell zu
Missbrauchen, oder sie leitet dadurch die sexuellen Energien des Mannes auf die
Tochter. Der Rollentausch zwischen Mutter und Tochter drängt das Mädchen in die
Rolle des Sexualpartners des Vaters/Mannes (vgl. Breitenbach, 1998,48).
Den von Breitenbach (1998,48-49)
interviewten Frauen scheint die Beschreibung der männlichen Sexualität nicht
schwer zu fallen, zu ihrer eigenen, weiblichen Sexualität können sie sich kaum
äußern. Eine mögliche sexuelle Entwicklung und sexuelle Wünsche werden zumeist
ausgeschlossen bzw. die Frauen sehen dies als einen verbotenen Prozess an. Die
Männer erscheinen den Frauen bezüglich der Sexualität als Repräsentation
sexueller Energie. Sie dominieren auf Grund ihrer sexuellen Triebhaftigkeit bei
der sexuellen Interaktion, sind jedoch auch gleichzeitig ihren Trieben
"ausgesetzt". Ein sexueller übergriff auf die Töchter erscheint den meisten
Frauen wegen der männlichen "Natur" normal.
Den Frauen fällt es schwer das Geschehene
unter dem Aspekt der Machtstrukturen zu sehen, Für sie stehen die sexuellen
Motive eher im Vordergrund. Breitenbach (1998) geht davon aus, dass eine
sexuelle Motivation Anlass zur Verharmlosung und Neutralisation der übergriffe
gibt. Die Aufgabe der Frau scheint die Kontrolle über die männliche Sexualität
zu sein. In der "Natur" der Männer scheint ein Zulassen einer vollständigen
Kontrolle nicht möglich zu sein.
3.2 Das Selbstbild der Mutter
Das Selbstbild der Mutter erscheint bei
sexualisierter Gewalt gegen ihre Tochter durch den Vater/Stiefvater/Partner der
Mutter sehr unterschiedlich. Ihr Selbstbild ist ständig
vom Zusammenbruch bedroht. Bei dem Selbstbild, das offen negativ ist, gelingt es
den Frauen, ihre Kompetenz als Mutter, trotz der enormen Verunsicherung, nicht
völlig anzuzweifeln. Die Frauen stellen ihre Kompetenz als Mutter lediglich in
Teilbereichen in Frage. Die Einschätzung ihrer Unzulänglichkeit als Mutter wird
vermutlich noch durch ihren Anspruch an sich selbst verstärkt, möglichst alles
"richtig" zu machen im Erziehungsalltag. Der Erziehungsalltag wird von den
meisten Frauen als sehr belastend und überfordernd erlebt. Die Frauen berichten
von Auffälligkeiten der Tochter wie z.B. Alpträumen, Einnässen, Ängstlichkeiten,
aggressives Verhalten, Ausbrüchen oder anklammerndes Verhalten bis hin zu
Selbstmordgedanken, -versuchen ihrer Töchter.
Im Gegensatz zu Frauen die nach außen hin
als "perfekte" Mutter erscheinen wollen, können diese Frauen ihre Zweifel und
Schuldgefühle offen thematisieren. Die Frauen fühlen sich schuldig, "nicht
aufgepasst" und den Missbrauch nicht verhindert zu haben.
Das Bemühen um andauernde Rücksichtnahme
auf die Tochter sowie ihr hoher Anspruch im Hinblick auf die adäquate
Umgehensweise mit ihr, zeigt ihr Bestreben nach Wiedergutmachung des Geschehenen
bei der Tochter. Das mildert vermutlich auch die Schuldgefühle der Frauen und
hilft ihnen, ihr angeschlagenes Selbstbild als kompetente Mutter zu
stabilisieren.
Mütter die auch schon vor der Aufdeckung
des Missbrauchs ein insgesamt größeres und stabileres Selbstbewusstsein haben, können auf vorhandene Kompetenz zurück greifen,
die ihnen helfen, mit der belastenden Situation besser umzugehen (vgl. Gerwert,
1996,160-162).
3.3 Das Schweigen der Mutter
"Warum schweigen die Mütter zu den
sexuellen übergriffen gegenüber ihren Töchtern?"
Sie schweigen, weil alle schweigen, weil es
keine Alternativen dazu gibt. "Schweigen" legt aber weiterhin nahe, dass nichts
geschieht. Es heißt zunächst nur, dass möglicherweise über längere Zeit nichts
nach außen dringt, entweder aus dem Innern, aus dem Denken oder aus dem Raum der
Frau (vgl. Breitenbach, 1991,71).
Alle von Breitenbach (1991) befragten
Frauen setzen sich mit der Realität des Inzests auseinander. Deutlich wird
jedoch, dass diese Auseinandersetzung von extremen Schwierigkeiten begleitet
wird und in Isolation stattfindet. Diese Schwierigkeiten betreffen nicht nur das
Sprechen über den Inzest oder den Inzestverdacht, sondern kennzeichnen den
gesamten Prozess der Realitätsaneignung einschließlich des Handelns. Dem
Wahrnehmen, Deuten, Fühlen, Ausdrücken, Handeln stellen sich Hindernisse,
Erschwernisse entgegen. Die Phänomene, die den eben genannten Prozess im
Zusammenhang mit der Realität des Inzests erschweren oder verhindern sind
Aneignungsverbote. Wie der Aneignungsprozess Für die
befragten Frauen aussieht, welchen Schwierigkeiten er unterliegt und, ob an der
Wurzel dieser Schwierigkeiten ein Tabu sichtbar wird, hängt davon ab was eine
Frau vom sexuellen Missbrauch in ihrer Familie wahrnehmen kann, ob etwas und was
davon sichtbar wird und wie deutlich die Anzeichen sind. Ob es ihr überhaupt
möglich ist, sich auch bei "eigentlich" deutlichen Anzeichen, ein Sexual- oder
Gewaltverbrechen in ihrer Familie und damit ihren Mann als Vergewaltiger,
Gewalttäter vorzustellen. Um etwas sehen zu können, müsste sie den Blick auf
ihre Tochter, "das Opfer" und auf ihren Mann/ Vater, "den Täter" richten. Zu
beiden steht sie in einer intimen und vielschichtigen Beziehung (vgl.
Breitenbach, 1991,71).
Das was sie sehen (und tun) wird, wird
diese Beziehung verändern, und umgekehrt werden diese Beziehungen ihre
Wahrnehmung beeinflussen.
Ein höchst zentraler Punkt in der
Inzestliteratur ist das Schweigen der Mütter . Dabei wird immer wieder die These
aufgestellt, dass ein jahrelanger Missbrauch durch den Vater/Stiefvater/Partner
der Mutter in der gemeinsamen Wohnung nicht an der Mutter vorbeigehen kann.
Dabei wird davon ausgegangen, dass die sexuelle Ausbeutung der Tochter durch den
Vater/Stiefvater/Partner der Mutter ohne Duldung, Zustimmung oder Beteiligung
der Mutter – bewusst oder unbewusst – nicht stattfinden
kann. In vielen Fällen wissen die Mütter nichts von der sexuellen Ausbeutung
ihrer Töchter. Es ist nicht zu verschweigen, dass eine kleine Gruppe von Mütter
n den Missbrauch dulden, initiieren oder selber sexuellen Missbrauch ausüben.
Hier soll sich aber eher damit beschäftigt werden, inwieweit die Mutter durch
eine indirekte oder unbewusste Mitwisserschaft ("silent
partner") am sexuellen Missbrauch beteiligt ist. Mitwisserschaft und vermutete
Mitwisserschaft werden dabei häufig gleich gesetzt und oft mit aktiver
Beteiligung in Zusammenhang gebracht, wobei unterlassene Hilfe bzw. unterlassene
Abhilfe ebenfalls als Beteiligung zählt (vgl. Breitenbach, 1991,45-47).
In der mitteleuropäischen Kultur gilt, dass
den Mütter n das Unmögliche abverlangt wird, nämlich die Mütter haben alles zu
hören, alles zu sehen und ihre Kinder vor allen Übeln zu bewahren (Rijnaarts,
1988, 166). Die Wahrnehmungskraft der Mütter scheint nach Aufdecken des
sexuellen Missbrauchs wesentlich geschärfter zu sein als vorher. Oft
werden von ihnen Anhaltspunkte, die von "harmlos" bis "direkt vorhanden" sein
können, während des Missbrauchs nicht erkannt. Erst danach scheint sich
ein Mosaikbild zusammenzustellen. Zudem entsteht das Phänomen, dass die Mütter
häufig angeben, sie hätten den sexuellen Missbrauch in anderen Familien
wahrscheinlich erkannt. Sie erkennen im nachhinein die vielen Anzeichen und
Situationen:
"Hätte ich solche Szenen in anderen
Familien erlebt, wäre mir unweigerlich ein Licht aufgegangen, aber so hatte ich
nichts gesehen" (Rijnaarts, 1988, 162).
Warum die Wahrnehmung der Mütter nicht
stark genug geschärft ist und das damit verbundene Schweigen nicht unterbrochen
wird, ist noch nicht vollständig geklärt. Zusammenfassend können folgende Thesen
aufstellen:
- Die Frau kann in ihrem Ehemann/Partner keinen
Gewalttäter sehen bzw. würde diesem Bild nicht standhalten können.
- Die Frauen scheinen das Verbot, einen Mann und dazu noch
ihren eigenen anzuklagen / anzuzeigen stark verinnerlicht zu haben.
- Zudem steht die Frau auch heutzutage noch in einem
starken ökonomischen Abhängigkeitsverhältnis, das sie glauben macht, eine
existentielle Katastrophe zu erleben, wenn sie den sexuellen Missbrauch nicht
verschweigt bzw. Schritte zum Schutz des Kindes einleitet (vgl. Breitenbach,
1991,46).
Dazu gehört selbstverständlich auch die
Frage, ob die Mütter etwas bemerken mussten; ob Für eine Person, die noch keine
Berührung bzw. Erfahrung mit sexuellem Missbrauch hatte, die Anzeichen klar zu
deuten sind und eine "adäquate" Hilfe von ihr zu erwarten ist.
In jedem Fall sind die meisten Inzestopfer
der Auffassung, dass die Mütter von dem sexuellen Missbrauch wussten. Ihre Hassgefühle den Mütter n gegenüber, da sie
keinen Schutz boten, ist meist größer als gegenüber den Tätern (vgl.
Breitenbach, 1991,46).
Andererseits halten die Opfer den sexuellen
Missbrauch häufig bewusst geheim. Der Täter baut den sexuellen Missbrauch oft
sehr geschickt auf, so dass die Mutter nur wenig Möglichkeiten hat, direkt etwas
zu bemerken. Warnungen und Drohungen des Täters, der Mutter nichts zu erzählen,
bleiben meist nicht aus. Die Frage nach der Schuld in Bezug auf die Mutter klärt
sich nach Breitenbach (1998, 47), wie die Mutter, nachdem sie von der sexuellen
Ausbeutung ihrer Tochter erfahren hat, reagiert und handelt.
4. Mutter –Tochter- Beziehung
Breitenbach (1991, 168) stellt in ihrer
Studie fest, dass es kein "typisches" Täterprofil, keine "typische" Vater –
Tochter – Beziehung und auch keine "typische" Mutter – Tochter – Beziehung bei
sexuellen Gewalttaten gibt. Ebenso gibt es kein "typisches" Mutterprofil. Die
Beziehung zur Tochter scheint Für alle Befragten wichtig zu sein. Darüber hinaus
haben die Mütter häufig sehr hohe emotionale Erwartungen an die Töchter. Sie
benötigen Liebe, Anerkennung, Unterstützung, Solidarität und auch die
Ähnlichkeit der Töchter. Gespräche über Sexualität scheinen in diesen Mutter
–Tochter – Beziehungen tendenziell vermieden zu werden.
Bei den Mütter n treten heftige
Irritationen auf, sobald bei der Tochter die Sexualität sichtbar wird und dies
eine deutliche Anziehungskraft beim Vater/Stiefvater/Partner der Mutter auslöst.
Das Selbstbild der Frauen kommt stark ins Wanken. Neben einer starken
Verunsicherung und Entwertung ihrer Person, fühlen sie sich als Versagerinnen in
Bezug auf ihre Rolle als Frau und Mutter. Die sexuelle Beziehung zwischen Vater
/ Mann und Kind wird als übergriff und als unberechtigt angesehen. Der sexuelle
Missbrauch wird Für die Frauen aus der sexuellen "Natur" des Mannes heraus
erklärbar. Sie fühlen sich alle verpflichtet ihren Kindern zu helfen. Die
Konzepte zur Hilfestellung (durch Therapie oder des Jugendamtes) versagen dann,
wenn das Geschlecht der Tochter in den Mittelpunkt rückt, wenn die Tochter als
Frau angesehen wird mit ihrer weiblichen Identität und Sexualität (vgl.
Breitenbach,1991, 168-169).
Es kommt zu einer Verwischung der
Beurteilungsmaßstäbe, was dazu führt, dass die Mütter keine Kriterien zur
Beurteilung der inzestuösen Beziehung finden, die es ermöglichen die Tochter als
schützenswerte bzw. als Hilfe bedürftige
Person zu betrachten. In den Vordergrund rückt ein Bild,
wonach der sexuelle Missbrauch verharmlost, der Täter entschuldigt und das Opfer
beschuldigt wird (vgl. Breitenbach ebd.).
Wegen der erheblichen Schwierigkeiten, sich
den sexuellen Missbrauch anzueignen, ist es den Frauen kaum möglich ein
vollständiges Bild über das Geschehene zu erhalten, was die Voraussetzung zur
Klärung der Mutter – Tochter – Beziehung, Vater – Mutter – Beziehung und
schließlich der Klärung der Auswirkungen des sexuellen Missbrauchs auf die
eigene Person wäre. Ohne Klärung der Beziehungen und der eigenen Identität
können die Mütter der betroffenen Töchter kaum Möglichkeiten finden, den
sexuellen Missbrauch Für sich zu verarbeiten oder den Mädchen eine wirkliche
Unterstützung zu bieten. Töchter und Mütter werden durch den sexuellen
Missbrauch durch den Vater/Stiefvater/Partner der Mutter verletzt.
Die Bedürfnisse und Schwierigkeiten müssen
sich dabei nicht decken, jedoch ist die Wahrnehmung ihrer Ähnlichkeit
wahrscheinlich genauso wichtig, wie die Wahrnehmung und der Respekt der beiden
Frauen sowie eine Distanz zuzulassen (vgl. Breitenbach, 1991, 167).
Autobiographischen Berichten betroffener
Mütter ist zu entnehmen, dass die Zeit des Missbrauchs rückblickend
als sehr problematisch beschrieben wird. Die Frauen schildern Belastungen
verschiedenster Art (die Tochter ist schwierig, in sich zurück gezogen oder
aggressiv, der Mann verhält sich merkwürdig, die
Partnerschaft ist in einer Krise und das Familienklima angespannt).
Zur wirklichen Bewältigung des sexuellen
Missbrauchs sind Mutter und Tochter auf Hilfe von außen angewiesen.
Unterstützung bedeutet alles, das die Wahrnehmung, die Autonomie, das Selbstbewusstsein, das Selbstgefühl von Frauen
stärkt, ihre Würde und ihre Wut. Unterstützung bedeutet
die öffentliche Wahrnehmung und Verurteilung sexueller Ausbeutung (vgl.
Breitenbach, 1991,169-170).
Keiner Frau ist es möglich, ihre Tochter
vor dem sexuellen Missbrauch und sexuellen übergriffen durch den
Vater/Stiefvater/Partner der Mutter zu bewahren (vgl. Breitenbach, 1991, 107).
5. Mitwisserin/ Schuldfrage der Mutter
Die Aussagen in der Inzestliteratur über
die Mütter sind oft feindselig, oft feindseliger als die gegenüber den Tätern.
Auf der anderen Seite wird die Mutter als Opfer in einer bestehenden
Männergesellschaft beschrieben. Die Mütter werden in neuerer Zeit nicht mehr
blind verurteilt oder verteidigt. Eine gewisse Schuldzuweisung bleibt aber so
gut wie nie aus. Bislang war das Interesse, die Mutter als eigenständige Person
zu sehen gering, wodurch ein differenziertes Bild dieser Frauen, das sie weder
als "Täter" noch als "Opfer" wiedergibt, schwer zu zeichnen ist. Dahingegen wird
die Rolle der Mutter und die der Ehefrau, aber nicht die der Frau dargestellt.
Zudem setzt sich das Bild aus den Aussagen der Töchter und der Männer sowie aus
den Deutungen der WissenschaftlerInnen und TherapeutInnen zusammen. Es wird
darauf aufmerksam gemacht, dass WissenschaftlerInnen und TherapeutInnen das Bild
der Mutter von den Opfern übernommen haben. Häufig werden die Mütter als
Mitwisserinnen bezeichnet. Somit ist die Erstellung eines eigenständigen
Frauenbildes schwierig (vgl. Breitenbach 1991, 44).
Am häufigsten beschäftigen sich die
diversen TherapeutInnen mit der Frage, warum die Mutter die sexuelle Ausbeutung
der Tochter durch den Vater/Stiefvater/Partner der Mutter nicht verhindert.
Hierbei wird immer wieder danach gefragt, ob sie es nicht kann oder es nicht
will. Dazu kommt, dass vermutet wird, die Mütter verfügen
nicht über genügend emotionale und sexuelle
Möglichkeiten, um ihren familiären Aufgaben nachzukommen (vgl. Breitenbach,
1991, 45).
Es wird den Mütter n unterstellt, dass sie
die Töchter bewusst oder unbewusst dem Ehemann sexuell
ausliefern. Psychische und physische Abwesenheit, emotionale Vernachlässigung
der Familie, Rollentausch mit der Tochter und der sexuelle Rückzug
gegenüber dem Ehemann werden als Kriterium angeführt, die die Beteiligung der
Mutter am Inzestgeschehen ausmachen. Entspricht die Mutter ihrer traditionellen
Rolle nicht, ist sie selbst überlastet oder krank, trägt sie nach Meinung der
ExpertInnen eine Mitschuld oder sogar die Hauptverantwortung Für den sexuellen
Missbrauch der Tochter durch den Vater/Stiefvater/Partner der Mutter (vgl.
Gerwert, 1996, 30).
In Bezug auf die
Frage, ob die Frauen von dem Missbrauch des Kindes wissen und wie bewusst das geschieht, kommen die Untersuchungen zu
unterschiedlichen Ergebnissen:
- Die Mütter wissen vom Inzestgeschehen und sind in
irgendeiner Form darin verwickelt:
Die Mütter , von ganz wenigen Ausnahmen
abgesehen, wissen grundsätzlich von den sexuellen übergriffen des Mannes an der
Tochter und ziehen einen Gewinn daraus (wie z.B. Unterbindung des sexuellen
Kontaktes zum Mann etc.). Aus den Studien der Inzestliteratur wird weiterhin
davon ausgegangen, dass die Mutter bewusst oder unbewusst
den Missbrauch ermöglicht, eventuell Ahnungen und Signale verleugnet. Die
sexuelle Beziehung zum Mann wird den Frauen zunehmend lästig, so dass der Inzest
ihrem Interesse entgegenkommt, sich von der sexuellen Aktivität mit ihrem
Partner zurück zuziehen. Weitere Ergebnisse der Studien besagen, dass es zwar
Frauen gibt, die über das Verhalten ihres Mannes genau Bescheid wissen, dies
trifft aber nicht Für die überwiegende Anzahl der Mütter zu.
- Die überwiegende Anzahl der Mütter ahnt etwas, aber nur
wenige Frauen wissen eindeutig von dem sexuellen Missbrauch:
Die meisten Mütter ahnen, dass an der
Beziehung zwischen Vater und Tochter etwas "nicht stimmt". Manche suchen
daraufhin Rat bei einer anderen Person oder sprechen den Mann direkt an.
- Manche Mütter wissen zunächst auch nichts von dem
sexuellen Missbrauch, einige bekommen auch nichts von den sexuellen
übergriffen mit:
Viele Mütter missverstehen
die indirekten Botschaften ihrer Töchter zunächst oder nehmen sie nicht wahr.
Tatsächlich kommt es häufig vor, dass den Frauen nach der Aufdeckung Situationen
einfallen, die sie damals nicht einordnen konnten (vgl. Gerwert, ebd.).
Die "Zeichen" der Mädchen falsch zu deuten
heißt aber nicht, den Missbrauch bewusst zu ignorieren.
Die Interpretation, dass die Mütter einen persönlichen Gewinn aus dem Missbrauch
ziehen, ist kritisch zu betrachten (vgl. Gerwert, 1996,31).
Eine Einteilung nach Wissen versus
Nicht-Wissen hält Hooper (1989) nicht Für sinnvoll, da sie festgestellt hat,
dass die Mütter zu einem unterschiedlichen Zeitpunkt einen unterschiedlichen
Grad an Wissen besitzen, welcher von diversen Faktoren abhängig ist, zum einen
von den verfügbaren Informationsquellen, z.B. Verhalten
des Kindes und des Täters, direkte, indirekte oder widersprüchliche
Signale des Kindes, ob das Kind vom Missbrauch erzählt, aber auch von den
Bewältigungsstrategien die die Frauen entwickeln können. Auch wenn die Mütter
von dem sexuellen Missbrauch der Tochter wissen, so müssen
sie nicht unbedingt daran glauben. Es spielt eine Rolle, ob nahe
stehende Personen daran glauben, ob das Kind der Mutter selbst von dem
sexuellen Missbrauch erzählt hat oder ob sie von anderen davon erfahren hat,
welches Bild sie vom Täter hat und wie sie ihre Beziehung zu ihm bewertet. Bei
einem "komplizierten" oder/und "gewalttätigen" Partner, steigt die
Wahrscheinlichkeit, dass die Mutter den sexuellen Missbrauch an ihrer Tochter
glaubt. Handelt es sich um eine positive Einstellung und schätzt sie die
Beziehung zu ihm auch positiv ein, so wird sie eher an dem Missbrauch ihres
Kindes zweifeln.
Es ist nicht sinnvoll sich zu sehr auf die
Rolle der Mutter während des Missbrauchs zu konzentrieren. Da man bei der
Rekonstruktion ihres damaligen Verhaltens immer auf die rückblickenden
Erzählungen der einzelnen Familienmitglieder angewiesen ist, d.h. auf die
Schilderung der betroffenen Kinder, des Täters und der Mutter selbst. Man kann
letztlich nicht eindeutig feststellen, inwieweit die Mutter in das
Inzestgeschehen verwickelt war. Vielmehr soll untersucht werden, welche Faktoren
es der Mutter erleichtern oder erschweren, ihrem Kind zu glauben und ihre eigene
Situation und die ihres Kindes zu verändern (vgl. Gerwert, 1996,32).
Feministinnen kritisieren, dass häufig den
Mütter n die Schuld Für den Missbrauch zugewiesen wird. Es wird betont, dass die
Täter meist sehr darauf bedacht sind, den Missbrauch vor der Mutter geheim zu halten.
Die "Zeichen", die die Kinder ihren Mütter
n aussenden, sind daher oft recht schwer zu entziffern. Einige Kinder bewahren
auch von sich aus Stillschweigen, um der Mutter Kummer und Sorgen zu ersparen,
wenn sie ohnehin überlastet ist. Eine gestörte Mutter – Kind - Beziehung muß
aber nicht unbedingt bedeuten, dass die Mutter unfähig ist, eine tragfähige
Beziehung zu ihrem Kind aufzubauen, sondern könnte eine Folge der Intrige des
Täters sein (z.B. durch Äußerungen wie: "Wenn du das der Mama erzählst, wird sie
ganz böse" oder "Mama wird ganz krank und traurig") (vgl. Gerwert, 1996, 31-32).
3.6 Reaktionen auf die Aufdeckung und
Verarbeitung
Hooper führte (1989) 15 biographische
Interviews mit Mütter n durch, um deren komplexe Rolle, die verschiedenen
Verhaltensweisen, die Reaktionen auf die Entdeckung des Missbrauchs und
die Bedeutung des Geschehenen Für ihr Leben angemessen zu verstehen.
Sie geht der Frage nach, ob die Mütter nun
"Co-preperators" ("Co-Vorbereiter") oder "Co-victims" ("Co-Opfer") seien.
Für die meisten Mütter ist es zunächst
einmal ein schwerer Schock, wenn sie von dem sexuellen Missbrauch ihres Kindes
erfahren. Sie fühlen sich enttäuscht und verraten von dem Mann, mit dem sie
meist jahrelang zusammengelebt haben. Die häufigste erste Reaktion der Mütter
ist der Suizidgedanke bis hin zu Ohnmachtgefühlen,
Verzweiflung, Angst und
Panikanfällen. Weitere Reaktionen sind
Schuldgefühle, Selbstvorwürfe und Selbstzweifel, völlige Verwirrung, aber auch
Rache- und HassgefÜhle gegenüber ihrem Mann und ihrer
Tochter sowie Mordgedanken gegenüber ihrem Mann. Manche Mütter übertragen ihre
Enttäuschung und Verletzung durch den Mann auf die Tochter. Die Mutter macht der
Tochter Vorwürfe, ist eifersüchtig,
fühlt sich zurück gestoßen, unzulänglich und unerwünscht
in der Familie. Nicht selten werden diese Reaktionen noch
durch die Einwände des Vaters/Stiefvaters/Partner der Mutter verstärkt: "Glaubst
du ich würde so etwas tun ?", "Glaubst du dieser Lügnerin ?", "Wie soll so etwas geschehen, ohne dass du etwas
bemerkt hast ?", "Du bist ja nur eifersüchtig!". Häufig
versuchen die Männer ihre Frauen Für sich zu gewinnen, was ihnen meistens leider
auch gelingt.
Die Anklagen des Vaters sowie die negativen
Reaktionen der Umwelt (wie konnte die Mutter es zulassen, dass so etwas
geschieht ?) bewirken, dass die Mutter die Aussage der Tochter in Zweifel zieht
oder ihr die Schuld Für den Missbrauch anlastet (vgl. Gerwert, 1996,33).
Dabei werden von Breitenbach (1998, 47)
drei verschiedene Charaktere in Bezug auf die
Reaktionsfähigkeit der Mütter gebildet:
- Ein Teil der Mütter verleugnet den Inzest oder
beschuldigt die Tochter und lässt sie im Stich. Besonders die Verleugnung wird
wohl von der eigenen Fassungslosigkeit, Verletzung, Enttäuschung und
Eifersucht bestimmt und nicht von der Auffassung, was nun Für die Tochter
sinnvoll und hilfreich wäre.
- Ein anderer Teil der Mütter beendet den sexuelle
Missbrauch konsequent, indem sie eindeutig hinter ihrer Tochter steht und den
"Täter" anzeigt.
- Der dritte und vermutlich größte Teil der Mütter
versucht Kompromisse zu schließen, indem sie Täter und Opfer nicht mehr
unbeaufsichtigt lässt. Diese Lösungsart gelingt nur in den allerwenigsten
Fällen.
Gerwert (1996, 34) erwähnt eine Studie von
Everson (1989), in der die Faktoren untersucht wurden, von denen die Reaktionen
der Mütter abhängig sind. Sie stellte zunächst fest, dass 44 % der Mütter sich
unterstützend verhielten, 32 % der Mütter waren
ambivalent und 24 % verhielten sich zurück weisend. In dieser Studie fand die
AutorIn eine Korrelation zwischen "Geständigkeit des Täters" und "Unterstützung
der Mutter". Außerdem korrelierte die Art der
Beziehung zum Täter mit dem Verhalten der
Mütter . Hatte sich die Mutter schon vor dem Aufdecken der Tat emotional
und/oder räumlich vom Täter getrennt, so unterstützt sie
die Tochter häufiger, als wenn der Vater noch der zu Hause wohnende Täter ist.
Die bereits erwähnte Studie von Hooper
(1989) beschäftigt sich mit der Reaktion der Mutter auf die Entdeckung des
Missbrauchs . Sie fand in ihrer Untersuchung an 46 betroffenen Mütter n heraus,
dass ein Zusammenhang zwischen "Einkommen" und " Belastungsgrad" der Mütter
besteht. Finanziell bedürftige Frauen leiden häufiger und
stärker unter psychischen Belastungen als Frauen, die finanziell besser
abgesichert sind.
Auch hier zeigen sich wieder schwere, als
klinisch einzustufende Symptome wie z.B. Depressionen, Ängste, Zwänge, Phobien,
Überempfindlichkeit und psychosomatische Störungen. Es
kann jedoch nicht eindeutig geklärt werden, was die Mütter derart heftig
reagieren lässt. Möglicherweise ist es das Wissen um den Missbrauch oder der
Umstand, dass sich die meisten Mütter Für den Missbrauch verantwortlich und
damit schuldig fühlen.
Die Konfrontation mit dem sexuellem
Missbrauch der Tochter ist Für viele Frauen ein tiefer Einschnitt in ihre
bisherige Biographie. Die Erfahrung des sexuellen Missbrauchs der Tochter
wird als fünffache Krise erfahren:
- als Krise des Zusammenbruchs des gesamten oder von
Teilen des bisherigen Partnerschaftskonzeptes – Zweifel an der eigenen
Wahrnehmungsfähigkeit im Hinblick auf die Partnerwahl, Ablehnung, Unsicherheit
und Misstrauen gegenüber Männern,
- als Krise der Verunsicherung als Mutter – Schuldgefühle, Probleme der Identifikation und Abgrenzung gegenüber
der Tochter, Unsicherheit im Umgang mit den Verhaltensauffälligkeiten der
Tochter, Infragestellung der bisherigen Erziehungskonzepte und Zweifel an der
Kompetenz als Mutter,
- als Krise des Zusammenbruchs des gesamten oder von
Teilen des bisherigen Lebensplans und des Selbstbildes als Frau –
Orientierungsverlust und Zukunftsangst, negative Selbstwertschätzung und
Auseinandersetzung mit der eigenen Lebensgeschichte,
- als soziale Krise des Verlustes und/oder der Veränderung
der sozialen Beziehungen (Eltern, Verwandte, Freunde, Bekannte) –
Stabilitätsverlust, Isolation und Einsamkeit,
- als materielle Krise der Verschlechterung der
ökonomischen Situation (vgl. Gerwert, 1996, 65).
3.7 Aneignungsprozesse, Klärungen,
Beziehungsproblematiken
Eva Breitenbach (1991) untersucht in ihrer
Studie, in welcher Weise sich Frauen die Realität der inzestuösen Beziehung
zwischen ihrem Mann und ihrer Tochter aneignen (können), wie sie sie bewerten,
wie sie handeln. Deutlich werden die enormen Probleme des Aneignungsprozesses
und des Handelns.
dass es sich bei dem sexuellen Missbrauch
um eine sexuelle Ausbeutung des Mädchens durch den Vater/Stiefvater/Partner der
Mutter handelt, kommt bei den meisten Mütter n nicht in Betracht bzw. wird dann
erst in Betracht gezogen, wenn alle andere Möglichkeiten ausgeschlossen sind.
Zudem ist es den meisten Frauen nicht möglich, eine "inhaltliche" Klärung
bezüglich des Verdachtes oder eine Bewältigung des Wissens um den Inzest bei der
Tochter zur Sprache zu bringen. Auch sehen die Frauen keine Möglichkeit, sich
Hilfe zu holen bzw. ziehen sie dies erst gar nicht in Betracht. Die eigenen
Gefühle hinsichtlich des Inzests bleiben dabei schwer zugänglich. Tiefe und
intensive Gefühle können nicht zugeordnet und integriert werden.
Ebenso schwierig stellt sich der Zugang zur
Emotionalität der Tochter dar. Die sexuelle Gewalttat wird ebenso wenig als
Gewalttat angesehen, wie der Gewalttäter als Aggressor. Breitenbach (1991, 109)
vermutet, dass der Ursprung dieser Handlungs– und Denkweise darin liegt, dass
die sexuellen Gewalttätigkeiten des Vaters, die Verletzung der Tochter, die
sexuelle Entsubjetivierung der Frau durch den Mann, die Verletzung ihrer eigenen
Identität weder wahrgenommen noch thematisiert bzw. diese als Verbote angesehen
werden. Diese Themen scheinen einen, wie schon beschriebenen Tabu - Charakter zu
haben. Soweit sich dies in Gesprächen feststellen ließ, ist die Sexualität – als
Wunsch, als sinnliche Erfahrung, als Ort sozialer Wertsetzung - ein schwieriger,
bedrohlicher und deshalb tendenziell vermiedener, ein sprachloser Bereich in der
Mutter – Tochter - Beziehung.
Deshalb sollte die Hilfe und Unterstützung
besonders die Autonomie, das Selbstbewusstsein, das
Selbstgefühl, ihre Würde und auch ihre Wut stärken. Auch die öffentliche
Wahrnehmung und die Verurteilung sexueller Ausbeutung nimmt einen Teil der
Unterstützung ein. Nach Breitenbach (1991, 170) ist die Hilfe nur sinnvoll mit
der Zielsetzung einer Veränderung des Geschlechterverhältnisses auf der
Grundlage der (sexuellen) Ausbeutung von Frauen.
Weder Mutter noch Tochter kennen zufrieden stellende Möglichkeiten, Hilfe zu suchen. Eine regelmäßige
Kommunikation über das Geschehene mit dem Ziel der Aufarbeitung und Bewältigung
zwischen Mutter und Tochter findet nicht statt. Deutlich wird, dass auf
verschiedenen Ebenen "Aneignungsverbote" vorhanden sind. Sie existieren auf der
Ebene des Sprechens, sowohl mit dem Täter als auch mit dem betroffenen Mädchen
und weiter mit anderen Personen.
Die auftauchenden Gefühle werden
bestenfalls zur Kenntnis genommen, aber nicht zugeordnet. Aneignungsverbote
zeigen sich schließlich in den Schwierigkeiten, sich den Mann als Täter
vorzustellen und in der Kommunikationsblockade zwischen
Mutter und Tochter. In den Aussagen findet man Verbote wie z.B.:
- das Verbot, den Missbrauch bzw. den Verdacht auf
Missbrauch zu veröffentlichen,
- das Verbot, den Mann als Vergewaltiger der Tochter zu
sehen,
- das Verbot, mit der Tochter offen zu kommunizieren,
- das Verbot, die eigenen Gefühle wahrzunehmen, zu
verstehen, zuzuordnen und auszudrücken.
Die Schlussfolgerung ist, dass es ein
Verbot gibt, die Verletzungen der betroffenen Frauen, der Töchter und der Mütter
, wahrzunehmen und zu thematisieren und ein Verbot, die Taten der Männer/Väter
wahrzunehmen und zu thematisieren. Die meisten befragten Frauen kennen
erzwungene sexuelle Kontakte. Viele haben die Erfahrung den Körper widerwillig
zur Verfügung zu stellen, in jeglicher Form von Gewaltausübung
(vgl. Breitenbach, 1991, 109).
4.0 Eigene Bemerkungen
Es gibt mehrere Faktoren, die dazu führen,
dass Kinder sexuell Missbraucht werden. Man kann nicht davon ausgehen, dass eine
Mutter versagt, nicht reagieren oder den Vater schützen will. Hierbei ist es
notwendig, die Familiengeschichte individuell zu verfolgen. Es gibt nicht nur
eine einzige Ursache Für den Vater – Tochter – Inzest; sondern dieser basiert
auf vielen komplexen Ursachen.
Zwar gibt es in der therapeutischen
Literatur den Mythos der kalten, frigiden, masochistischen, feindlichen und
abhängigen Mutter, die vom Inzest weiß und dennoch nicht eingreift, doch
empirische Untersuchungen sind rar. Bislang gibt es keine zuverlässige Studie,
die anzeigt, wie Mütter ihren Töchtern bei der Bewältigung ihrer
Missbrauchserfahrung helfen und unterstützen können. Es gibt nur wenige Studien,
in denen Mütter sexuell Missbrauchter Kinder selbst die Informantinnen sind.
Die meisten Untersuchungen beschäftigen
sich nicht explizit mit den Mütter n, sondern mit der gesamten Familie und
schwerpunktmäßig mit den Inzestopfern. Die Mütter werden vor allem dahingehend
untersucht, inwieweit sie an der Entstehung des Inzests beteiligt sind, und
nicht, wie sie das Geschehene verarbeiten. Die Beschreibungen der Mütter sind
häufig sehr negativ, und es entsteht der Eindruck die entsprechenden AutorInnen
könne Für das Handeln des Missbrauchs mehr Verständnis aufbringen als Für
das Verhalten der Mütter (vgl. Gerwert, 1996, 39-40).
Ich bin der Meinung, dass die zunehmende
Thematisierung in der Öffentlichkeit sicherlich dazu beiträgt, dass immer mehr
Mütter Partei Für ihr Kind ergreifen und professionelle Hilfe in Anspruch
nehmen. Leider wird auch als Negativpunkt mittlerweile diese positive
Öffentlichkeitsarbeit dazu benutzt, dass Vätern in
Scheidungsprozessen/Trennungen auf Grund eines vorgetäuschten Missbrauchs
an deren Töchtern der Kontakt zu diesen verweigert wird.
Aus einer Studie von "Wildwasser" Berlin
(in dem 1 ½ jährigen Erhebungszeitraum zwischen 1988 und 1990) geht hervor, dass
die Anwesenheit der Mütter in den Beratungsstellen mit dem Alter des Kindes
variierten, d.h. je jünger die Mädchen sind, desto
häufiger werden sie von ihren Mütter n begleitet (Bundesministerium Für Frauen
und Jugend 1993, 274). Dies hängt sicherlich damit zusammen, dass die jüngeren
Mädchen weniger als Rivalinnen angesehen und
seltener Für den sexuellen Missbrauch
verantwortlich gemacht werden (vgl. Gerwert, 1996, 216-217). Die Situation der
Mütter nach dem Bekanntwerden des Missbrauchs ihrer Töchter ist wie in
dieser Arbeit beschrieben sehr komplex. Sie geraten in eine Krise, nicht nur als
Mutter, sondern auch als Frau und als Partnerin. Hinzu kommen finanzielle
Probleme und der Verlust bzw. die Veränderung der bisherigen sozialen
Beziehungen. Ausgelöst durch die in dieser Arbeit benannte fünffache
Krise brechen die bisherigen Maßstäbe der Lebensorientierung weitgehend
zusammen.
Die Bewältigung des sexuellen Missbrauchs
der Tochter wird von zahlreichen sozialen, familiären und persönlichen Faktoren
beeinflusst. Lebensgeschichtliche Erfahrungen (z.B. positive oder negative
Kindheitserlebnisse) sind dabei ebenso von Bedeutung wie die konkrete
Lebenssituation der Frau nach der Aufdeckung.
Auch die Persönlichkeit der Frau sowie die
subjektive Bewertung und Verarbeitung der bisherigen Lebenserfahrungen
einschließlich des Missbrauchs der Tochter spielen Für die Bewältigung des
Missbrauchs eine entscheidende Rolle. Frauen mit ähnlich "dramatischen"
Lebensgeschichten werden den Missbrauch der Tochter auf verschiedene Weisen,
z.B. wie in dieser Arbeit beschrieben, bewältigen. Die Fähigkeit, trotz
negativer Lebenserfahrungen, Ressourcen zu erkennen und zu mobilisieren, ist bei
den Frauen sehr unterschiedlich ausgeprägt.
Nach der Aufdeckung eines sexuellen
Missbrauchs fühlen sich Mütter häufig allein gelassen und nicht adäquat
unterstützt. Die Wartezeiten auf einen Therapieplatz Für das Kind sind in der
Regel sehr lang. Zudem brauchen die meisten Mütter nach Offenlegung des
sexuellen Missbrauchs an ihrem Kind selbst Hilfe, um mit der extrem
belastenden Situation besser umgehen zu können. Viele der spezialisierten
Institutionen beraten die Mütter nur bis zur Aufdeckung und noch einen kurzen
Zeitraum danach.
Den Mütter n sollten konkrete
Erziehungshilfen zur Verfügung gestellt werden, z.B. in Form von Familien- oder
Betreuungshilfen, die die Mütter im Umgang mit den sexuell Missbrauchten Kindern
entlasten können. Für die konkrete Beratung ist es wichtig, den betroffenen
Frauen vor allem ihre Fähigkeiten, Kompetenzen und Ressourcen zu stärken.
Nicht zuletzt müssten durch die öffentliche
Hand mehr finanzielle Mittel Für Beratungsstellen, Fortbildungs- und
Präventionsprogramme sowie Forschungsprojekte bereit gestellt werden. Und auch
unter dieser öffentlichen Hilfe sowie unter Präventionsmaßnahmen wird es
schwierig bleiben, dass der sexuelle Missbrauch an Kindern untersagt bzw.
verhindert werden kann und dass die Mütter immer adäquat reagieren und helfen
können.
Literaturverzeichnis:
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Mädchen, Forschungsberichte des BIS, OsnabrÜck, Universität, Dissertation, 1991
-Dierkes, Ulrike M.: Meine Schwester ist
meine Mutter, Düsseldorf. 1997
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geliebt wie du, Berlin, 1987
-Dunand, Annelie: Der sexuelle Missbrauch
von Kindern im Kontext von Familie und Gesellschaft, in: Kontext, Vol. 23, Nr.
1,6 – 19, 1993
-Enders, Ursula: Zart war ich, bitter
war’s, Köln, 1990
-Gerwert, Ute: Sexueller Missbrauch an
Mädchen aus der Sicht der Mütter , Frankfurt am Main, Peter Lang GmbH,
Europäischer Verlag der Wissenschaften, 1996
-Hildebrand, Eva: Therapie erwachsener
Frauen, die in ihrer Kindheit inzestuösen Vergehen ausgesetzt waren, in: Backe,
Lone u.a.(Hg.): Sex. Mißb. von Kindern in Fam., Köln,
52-68.
-Hooper, Carol-Ann: Alternatives to
collusion: The response of mothers to child sexual abuse in the family, in:
Educational and Child Psychology, Vol. 6, No. 1, 22-30
-Kavemann Barbara/Lohstöter Ingrid: Väter
als Täter, Hamburg, 1984
-Larson, Noel R.: Familientherapie mit
Inzestfamilien in: Backe et al. S. 104-117, 1986
-May, Angela: Nein ist nicht genug,
Ruhnmark. 1997
-Maisch, Herbert: Inzest, Hamburg, 1968
-Rijnaarts, Josephine: über den Vater
–Tochter – Inzest, Düsseldorf, 1988
-Rommelspacher, Birgit: Sexueller
Missbrauch von Mädchen. Femininistische Erklärungsansätze, in: Psychologie und
Gesellschaftskritik, Jg. 52, Nr. 4, 87-103, 1989
-Thürmer-Rohr,
Christina: Sexuelle Gewalt. Die alltägliche Menschenrechtsverletzung,
Frankfurt/Main, 479-497, 1991
- Gerwert, Ute: Sexueller Missbrauch an
Mädchen aus der Sicht der Mütter , Frankfurt am Main, Peter Lang GmbH,
Europäischer Verlag der Wissenschaften, 1996
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