Studienarbeit Mütter

Website der BAG P&P e.V.
Basiswissen
Definition
Opfer
Tatorte
Täter
Mütter
Medien
Hilfe
Vorbeugung
Español

"Sexueller Missbrauch
– die Rolle der Mutter beim (Stief-) Vater – Tochter - Inzest"

Diplom - Vor - Prüfung in Erziehungswissenschaften

TU Berlin/ FB 02 (Erziehungs- und Unterrichtswissenschaften)

Peggy Behrend
Matrikel Nr. 185556
Bahnhofstr. 59 A
14624 Dallgow Döberitz
Tel. 03322 23 77 06 / 0177 315 98 14
(inzwischen umgezogen)

 Hausarbeit zum Thema:

"Sexueller Missbrauch – die Rolle der Mutter beim
(Stief-) Vater – Tochter - Inzest"

 Einleitung

Der sexuelle Missbrauch an Kindern ist in den letzten Jahren immer mehr zu einem öffentlichen Thema geworden. Während sich die Fachöffentlichkeit damit befasst, Präventions- und Interventionsstrategien zu erarbeiten, wird das Thema in den Medien nicht selten skandalisiert. Die entgegen gesetzte Richtung schlagen zur Zeit einige AutorInnen ein. Es wird hierbei vom "Missbrauch mit dem Missbrauch" geredet, wobei behauptet wird, dass die WissenschaftlerInnen und PädagogInnen z.B. mit zu hohen Zahlen hantieren und das Thema zu hoch eingeschätzt wird (vgl. Breitenbach, 1991, 3-4).

Darüber hinaus wird der sexuelle Missbrauch im Zusammenhang mit Scheidungsverfahren erwähnt. Aus eigenen Gesprächen mit Mitarbeitern des Jugendamtes wurde Für mich deutlich, dass es auch vorkommt, dass die Mütter ihre Kinder dazu anhalten, bezüglich ihrer Väter bzw. ihrer Vaterfiguren falsche Aussagen bezogen auf sexuelle übergriffe tätigen, um so den Kontakt zum Vater zu verhindern.

Die Thematik "sexueller Missbrauch an Kindern" wird breitflächig diskutiert. Dabei rückt mehr und mehr auch die Mutter ins Zentrum der Aufmerksamkeit, weil sie die nächste Ansprechperson ist, wenn ein sexueller Missbrauch am Kind aufgedeckt wird. Ist der Täter der Vater oder Stiefvater, so sollte zumindest die Mutter als Bezugsperson erhalten bleiben. Von der Reaktion der Mutter auf das Geschehene hängt die Bewältigung des sexuellen Missbrauchs Für die Kinder ab (vgl. Breitenbach, 1991, 1-4).

Auf Grund von Gesprächen mit einigen TherapeutInnen bin ich der Auffassung, dass die Dauer und das Alter zum Zeitpunkt des sexuellen Missbrauchs entscheidend ist. Eine schnelle Aufdeckung und ein junges Alter (je jünger das Kind, um so weniger stark ist das Bewusstsein ausgeprägt) können eine bessere Verarbeitungsmöglichkeit beim Kind ermöglichen, die durch professionelle Hilfe (z.B. Therapie Für Mutter und Kind) entscheidend verbessert wird. Darüber hinaus sind die Mütter häufig durch andere familiäre und individuelle Probleme belastet (z.B. Misshandlung durch den Partner, psychische Probleme und emotionale Labilität, sowie eine ökonomische Abhängigkeit), so dass sich die Situation Für Mutter und Tochter schwierig gestaltet.

Ich bin der Meinung, dass es wichtig ist zu erarbeiten, wie die Mutter, die noch zusätzlich durch den Partner betroffen ist, den sexuellen Missbrauch ihrer Tochter erlebt und verarbeitet. Jedoch sind die wenigsten Mütter in der Lage den sexuellen Missbrauch ihrer Töchter zu verarbeiten und ihnen dann zur Seite zu stehen. Hierfür benötigen auch sie adäquate und professionelle Hilfestellung.

Sexueller Missbrauch ist eine "Straftat gegen die sexuelle Selbstbestimmung". Von diesem Verbrechen sind zu 90 % Mädchen und Frauen betroffen, wogegen die Täter zu fast 100 % Männer sind. Deshalb bezieht sich diese Arbeit ausschließlich auf den sexuellen Missbrauch von Mädchen durch Vaterfiguren (Vater/Stiefvater/Partner der Mutter) (vgl. Kavemann, Lohstöter,1984, 7).

Das grundsätzliche Autoritäts- und Machtverhältnis zwischen Kindern und Erwachsenen bewirkt, dass es in den meisten Fällen keiner besonderen Gewaltausübung bedarf, um ein Mädchen über Jahre hinweg zum schweigenden, scheinbar freiwilligen Opfer zu machen. Opfer leben immer mit einem latenten schlechten Gewissen. Nicht sie selbst setzen die Maßstäbe, nach denen ihr Handeln als gut oder böse gewertet wird, sondern die Erwachsenen tun das – oft genug willkürlich und Für Kinder unverständlich. Dass es sexuelle Gewalt in der Familie gegenüber Töchtern gibt, darüber wird nicht gesprochen. Deswegen, und auch weil die Mädchen irreführender Weise nur vor dem "fremden Mann" gewarnt werden, geraten sie leicht in eine Falle, in der sie sich von der unbekannten Gefahr nicht schützen können. In dem Bewusstsein von Mädchen gibt es keine sexuelle Gewalt in der Familie. Väter gelten nicht als Täter, sondern als "Beschützter". Dies vergrößert nicht nur Vertrauensseligkeit und Unbefangenheit der Mädchen, sondern auch, wenn dann tatsächlich etwas passiert, ihren Schock, ihre Schuldgefühle und ihre völlige Ratlosigkeit. Die Fähigkeit, sich gegen den "Beschützter" zu wehren, Hilfe zu suchen, die Mutter ins Vertrauen zu ziehen, wird durch diese Unkenntnis verhindert, zumindest vermindert. Dieses Schweigen der Töchter vergrößert den Handlungsspielraum des Vaters, den sexuellen Missbrauch fortzusetzen. Eine weitere Tatsache ist, dass selbst die allernächste Umwelt des Mädchens die Signale und Hilferufe nicht hört, nicht versteht oder aus Unkenntnis und Überforderung nicht verstehen will. Da dem Mädchen niemand hilft und sich auch niemand anbietet, den das Mädchen ins Vertrauen ziehen könnte, nimmt das Geschehene seinen Lauf, so bleibt der alltägliche Schrecken unverarbeitet und das Trauma begleitet das Mädchen ein Leben lang.

Auch die Regeln des geschlechtsspezifischen Verhaltens sind Für Kinder zunächst undurchschaubar. Sie sind zu Anpassung und Duckmäuserei gezwungen, sie sind Situationen gewohnt, in denen sie zu unrecht gestraft oder beschuldigt werden. Ihre Erklärungen und Entschuldigungen werden als "faule Ausreden" abgetan. Sie müssen die Meinungen von Erwachsenen ohnmächtig als wahr und richtig akzeptieren. Widerstand ist meist zwecklos oder gefährlich. Jeder will ja nur "ihr Bestes", und Kinder sollen nicht "undankbar" sein. Der bedingungslose Respekt vor Erwachsenen gehört immer noch zu den zentralen Inhalten von Erziehung – immer noch auf Kosten von Aufrichtigkeit und Vertrauen auf beiden Seiten. Bei aller Macht, die die Mutter über ihre Kinder hat, ist es doch der Vater, der Mann, der zu Hause das Machtwort spricht. Für das Mädchen kommt zum Erlebnis seiner kindlichen Ohnmacht gleichzeitig die Erfahrung weiblicher Machtlosigkeit und männlicher Unterdrückung (vgl. Kavemann ebd.).

1.1. Begriffserklärung "sexueller Missbrauch"

Sexualität ist etwas, worüber kleine Mädchen nicht viel erfahren, wovor sie sich aber hüten sollen – wenn es um fremde Männer geht. Geschieht der sexuelle Angriff überfallartig durch einen Fremden, dann passt das Erlebnis noch irgendwie in eine Welt, in der es gute und böse Männer gibt und in der feststeht, wo die guten zu finden sind (nämlich dort wo kein sexueller Missbrauch stattfindet, Anm. d. Verf.). Ist es der eigene Vater/Stiefvater/Partner der Mutter, dann hat sich die Falle hinter dem Mädchen geschlossen (vgl. Kavemann, Lohstöter, 1984,10).

Die Falle hat sich deshalb hinter dem Mädchen geschlossen, weil in unserer Gesellschaft den Kindern nicht vermittelt wird, dass es auch innerhalb der Familie zum sexuellen Missbrauch kommen kann. Dadurch und auch weil die Kinder abhängig vom Vertrauen gegenüber ihren Eltern sind, erkennen sie die Gefahr nicht und können auch ohne Hilfe nicht darüber sprechen.

An dieser Stelle wird Für mich sehr deutlich, wie wichtig die Präventionsarbeit in der Schule ist und auch in geeigneter Form im Kindergarten schon statt finden müsste. Darüber hinaus müssten Präventionsmaßnahmen auch Für (betroffene) Mütter angeboten werden.

Unter sexuellem Missbrauch versteht Kavemann (1984) all das, was einem Mädchen vermittelt wird, es ist nicht als Mensch interessant und wichtig, sondern es wird vermittelt, dass Männer frei über es verfügen dürfen, dass es durch seine Reduzierung zum Sexualobjekt Bedeutung erlangt, dass es mit körperlicher Attraktivität ausgestattet ist, um Männern "Lust" zu beschaffen. Hierzu gehört jeder übergriff auf das Mädchen. Dabei spielt es keine Rolle, ob es heimliche, vorsichtige Berührungen sind, die es über sich ergehen lassen oder selbst "vornehmen" muss, erzwungener Oralverkehr oder eine regelrechte Vergewaltigung.

Dazu gehört aber auch das Befühlen und die "fachmännische" Begutachtung der sich entwickelnden körperlichen Rundungen, das Betasten der Brust oder des Brustansatzes, verbunden mit abschätzigen oder auch wohlwollenden Qualitätsurteilen, die das Mädchen jetzt zur Frau und zum Sexualobjekt attraktiv machen.

Die damit verbundenen Verunsicherungen und Demütigungen, auch durch lüsterne Blicke oder das so häufige Klatschen auf den Po, solche sexuellen Angriffe graben sich tief in das Selbstverständnis und die Psyche von Mädchen ein, mag das Vorgefallene anderen – Erwachsenen, Ämtern oder Gerichten - auch noch so unbedeutend erscheinen. Es geht dabei nicht um das Verbot von Zärtlichkeit, körperlicher Nähe und Wärme. Die Grenzen zwischen diesen lebensnotwendigen Zuwendungen, die Kinder bei ihren Eltern suchen, und den Berührungen, die der sexuellen Bedürfnisbefriedigung des Mannes dienen, sind aber fließend. Ich bin auch der Meinung, dass der Übergang fließend ist, es jedoch von der Motivation des Mannes abhängt, ob die Grenze überschritten wird und es zum sexuellen Missbrauch kommt. Mädchen haben ein genaues Gespür dafür , wann diese Grenze überschritten wird, wann sie benutz werden und es sich um etwas "Verbotenes" handelt.

Der sexuelle übergriff erzeugt schon bei ganz jungen Mädchen, die kaum etwas über Sexualität wissen, das untrügliche Gefühl , dass ihnen der Mund verschlossen ist. Sie glauben, dass nur ihnen so etwas Furchtbares zustößt. Sie werden sich erst dann jemandem anvertrauen, wenn sie meinen, nichts könne ihre Lage noch verschlimmern. (vgl. Kavemann, Lohstöter, 1984, 11).

Ursula Enders hingegen definiert sexuellen Missbrauch folgendermaßen: "Sexueller Missbrauch ist immer dann gegeben, wenn ein Mädchen oder Junge von einem Erwachsenen oder älteren Jugendlichen als Objekt der eigenen sexuellen Bedürfnisse benutzt wird. Kinder und Jugendliche sind auf Grund ihrer kognitiven und emotionalen Entwicklung nicht in der Lage, sexuellen Beziehungen zu Erwachsenen wissentlich zu zustimmen. Fast immer nutzt der Täter ein Macht- und Abhängigkeitsverhältnis aus" (Enders, 1995,19).

2.0 Theoretische Erklärungsansätze zur Rolle der Mutter bei intrafamilialen sexuellen Missbrauch

In dieser Arbeit soll einerseits der familiendynamische Ansatz und andererseits der feministische Ansatz als Erklärungsmodell Für den sexuellen Missbrauch an Kindern dargestellt werden.

Von den bisherigen ätiologischen Konzepten zum sexuellen Kindesmissbrauch beschäftigen sich vor allem der familiensystemische und der feministische Ansatz mit der Rolle der Mütter beim innerfamilialen sexuellen Missbrauch. Familienorientierte Konzepte sind meist auf der Grundlage von klinischen Studien oder aus den Praxiserfahrungen von TherapeutInnen entwickelt worden. Feministische Ansätze basieren auf einer Analyse gesellschaftlicher Machtstrukturen (hauptsächlich aus der Frauenbewegung hervorgegangen), die die gesellschaftlich determinierten Unterschiede zwischen den Geschlechtern zur Erklärung der sexuellen Gewalt in den Vordergrund stellen. Auch die Rolle der Mütter wird im Kontext gesellschaftlicher und familiärer Machtstrukturen betrachtet.

2.1 Der familiendynamische Ansatz

Der familiendynamische Ansatz gehört zu einem umfassenden Theoriekomplex (familiendynamisches Familienmodell), der das abweichende Verhalten eines Familienmitgliedes nicht auf individuelle Faktoren zurück führt, sondern auf eine Störung innerhalb des familiären Systems. Die VertreterInnen des familiendynamischen Ansatzes betrachten den sexuellen Missbrauch als Symptom eines desorientierten, familiären Interaktionsmusters.

Dabei wird der sexuelle Missbrauch nicht als individuelles Symptom des Täters betrachtet, sondern als funktionelles Problem innerhalb des bestehenden Systems "Familie".

Das bedeutet, dass alle Familienmitglieder an der Entstehung und auch an der Aufrechterhaltung des sexuellen Missbrauchs  in der einen oder anderen Weise beteiligt sind. Hier verlieren nun "Täter", "Opfer" und "Schuld" ihre Bedeutung. Unter diesem Aspekt kann das Machtverhältnis innerhalb der Familie (zwischen Kindern und Erwachsenen und zwischen Mann und Frau) aus dem Blickfeld geraten.

Die Mutter ist in diesem Erklärungsansatz an der Aufrechterhaltung der desorientierten Familienstruktur beteiligt. Teilweise wird die Mutter als "Schlüsselfigur" beim sexuellen Missbrauch dargestellt, wobei behauptet wird, dass die Mutter die Situation Für den sexuellen Missbrauch arrangiert, dass der sexuelle Missbrauch auf Grund eines Fehlverhaltens der Mutter beginnen kann und dass sie durch emotionale Vernachlässigung der Familie/ des Partners und durch sexuelle Verweigerung gegenüber dem Ehemann, den sexuellen Missbrauch begünstigt. Die Mutter gilt aber nicht immer als "Schlüsselfigur", sondern alle Familienmitglieder sind hier direkt oder indirekt am inzestuösen Geschehen beteiligt.

Für den Beginn des Missbrauchs  werden gestörte Interaktionsmuster zwischen den Familienmitgliedern verantwortlich gemacht. Einigkeit besteht in der Inzestliteratur darüber, dass allgemeine Charakteristika in den Inzestfamilien bestehen. Dabei zeigen die meisten auf, dass es besonders Schwierigkeiten im Bereich der Grenzen gibt. Es existieren starke Grenzen nach außen und unklare Grenzen zwischen den Familienmitgliedern. Dafür werden die zerrütteten Herkunftsfamilien der erwachsenen Familienmitglieder verantwortlich gemacht. Somit werden die Beziehungsstörungen von einer Generation zur nächsten übertragen (vgl. Ute Gerwert, 1996,11).

Larson (1986, 105 ff.) beschreibt, dass Inzestfamilien starre Grenzen gegenüber ihrer Umwelt entwickeln, um so den sexuellen Missbrauch nicht nach außen dringen zu lassen. Dabei kann es zur sozialen Isolationen der Familie kommen, wobei keine nahen Kontakte mehr zu Personen außerhalb der Familie bestehen. Somit stellt die Familie die zentrale Quelle Für die Befriedigung ihrer Bedürfnisse dar.

Es entsteht eine übermäßige Abhängigkeit zwischen den Familienmitgliedern, die dazu beiträgt, dass Grenzen zwischen den Generationen überschritten werden und es zu einer "Verwischung der Generationsgrenze" kommt. Besteht kein Unterschied zwischen den Rollen der Eltern und Kinder, entstehen Erwartungen an die Kinder, Erwachsenenrollen zu übernehmen (Rollenumkehr). Die Kinder sollen Für ihre Eltern sorgen, angefangen bei der Erledigung der Hausarbeit bis hin zur Befriedigung der sexuellen Bedürfnisse der Erwachsenen. Die Eltern entziehen sich gleichzeitig ihrer Verantwortung.

Sie sind letztendlich "unreife" Erwachsene, die nicht in der Lage sind, Für ihre Kinder adäquat zu sorgen. Die Elternrolle wird an die Kinder weitergegeben (Parentifizierung) (vgl. Gerwert, 1996, 12).

Um in dieser Familie Unterstützung zu erhalten und integriert zu werden, müssen die Familienmitglieder ihre Autonomie opfern, das Gefühl der Zugehörigkeit bleibt dadurch erhalten. Allerdings verwischen somit auch die persönlichen Grenzen (Verwischung der interpersonellen Grenzen). Es entwickeln sich symbiotische Beziehungsmuster. Die Familienmitglieder sind extrem voneinander abhängig. Jeder hat das Gefühl , ohne den anderen nicht überleben zu können. Ein Auseinanderbrechen stellt Für die Familienmitglieder eine existentielle Bedrohung dar (vgl. Gerwert ebd.).

Damit das Kind nicht ausgestoßen wird, muss es die sexuellen Bedürfnisse des Vaters/Stiefvaters/Partners der Mutter befriedigen. Um ihr eigenes überleben zu sichern, hält die Mutter den Missbrauch geheim. Die Abhängigkeit vom Partner und die heftige Angst diesen zu verlieren und damit ihre existentielle Grundlage, verhindert ein adäquates Verhalten der Mutter. Die Mutter wird handlungsunfähig. Dieses verstrickte Familienmuster wird durch Abwehrmechanismen wie Verleugnung und Rationalisierung aufrecht erhalten. Eine angemessene Realitätseinschätzung wird dadurch stark beeinträchtigt (vgl. Gerwert, ebd).

Dunand (1993, 10 ff.) sieht den sexuellen Missbrauch als gesellschaftliches Problem. Die Männer / Täter betrachtet sie als "Opfer" gesellschaftlicher Sozialisation. Die Frauen und Kinder sind dabei "Opfer" dieser "Opfer".

Weiterhin beschreibt sie die Mütter als eher schwache und weniger handlungsfähige Frauen, die selber häufig Missbrauchserfahrungen haben und nicht in der Lage sind, ihre Töchter zu schützen. Selbst nach der Aufdeckung des sexuellen Missbrauchs  können sie selten ihre Töchter unterstützen und beschützen.

Unter Berücksichtigung des gesellschaftskritischen Kontext haben Frauen in asymmetrischen Machtverhältnissen zwischen den Geschlechtern nur begrenzte Chancen, eine soziale und psychische Abhängigkeit vom Ehemann zu beenden und selbst bestimmt für ihre Kinder zu sorgen, beziehungsweise vor sexuellen übergriffen seitens des Vaters/Stiefvaters/Partner der Mutter zu schützen (vgl. Dunand,1993,16). Immer noch wird von der Mutter erwartet, sich einerseits schützend vor die Tochter zu stellen, andererseits dem Ehemann zur Seite zu stehen und gleichzeitig soll sie eigene Ansprüche und Vorstellungen möglichst zurück zustellen. Für den Erhalt der Familie und aus Angst vor dem Verlust ihrer materiellen Existenz leugnet die Mutter den sexuellen Missbrauch ihres Kindes (vgl. Gerwert,1996,14).

Dunand (1993, 10 ff.) hält es Für falsch, allein den Mütter n die Verantwortung Für den sexuellen Missbrauch ihrer Töchter zu geben. Die Mutter ist in solchen Familien unfähig, eine mittlere Position zwischen Nähe und Distanz gegenüber ihrem Kind einzunehmen. Sie versucht in der Beziehung zur Tochter ihre Bedürfnisse nach Abhängigkeit zu befriedigen. Die Tochter wird dabei in die Mutterrolle gedrängt. Die Mutter übernimmt die Rolle des Kindes. Die Tochter soll nun die Verantwortung Für die Mutter übernehmen (Parentifizierung). Dies gilt auch Für den sexuellen Bereich. Auf Grund dieser Rollenumkehr wird die Fähigkeit der Mutter, Hinweise auf den Missbrauch wahrzunehmen und die Tochter zu schützen, gemindert. Die Autonomiebestrebungen der Töchter nach Aufdeckung des sexuellen Missbrauchs  wird von den Mütter n häufig nicht toleriert, da die Symbiose zwischen ihnen sonst gefährdet wäre. Die Tendenz der Mütter , die Töchter noch mehr an sich zu binden, beantworten diese häufig mit der Anstrengung, sich aus der Beziehung zur Mutter zu befreien (z.B. durch aggressives Verhalten). Hier kann es dazu kommen, dass die Mütter durch das Verhalten der Töchter überfordert sind und sich von ihnen trennen. Gehen sie jedoch erneut eine Beziehung zur Mutter ein, ist die Symbiose häufig noch stärker als zuvor ausgeprägt.

2.2 Der feministische Ansatz

Der feministische Ansatz betrachtet den sexuellen Missbrauch in erster Linie als ein gesellschaftliches Problem. Es wird hier davon ausgegangen, dass die Familie kein eigenständiges System, sondern einen Teil des komplexen Gesellschaftssystems darstellt.

Der sexuelle Missbrauch steht im Kontext mit sexueller Gewalt gegen Mädchen und Frauen. Diese Gewaltausübung oder –androhung hängt dabei mit der Situation der Frau in der Gesellschaft zusammen. Die Ursachen des sexuellen Kindesmissbrauchs  liegt nach Auffassung von Enders (1990) in den patriarchalischen Strukturen unserer Gesellschaft, genauer in der Vorherrschaft und Verfügungsmacht von Männern über Frauen und in der Sozialisation von Frauen und Männern. Dennoch ist Sexualität nur ein Bereich, der diese Machtverhältnisse widerspiegelt. Die sexuelle Gewalt gegen Kinder wird im feministischen Ansatz nicht als eine individuelle oder familiäre Störung gesehen, sondern als eine Gesellschaftsstruktur, die es Männern erlaubt, Schwächere auszubeuten.

Die Autorin Hildebrand (1986, 52) geht beim Vater – Tochter - Inzest davon aus, dass es dem Täter primär um die Ausübung von Macht und nicht nur um die Befriedigung seiner sexuellen Bedürfnisse geht. Dies wird von den Opfern sexueller Gewalttaten ebenfalls so empfunden: sie erleben den Missbrauch nicht nur als sexuelle Verletzung, sondern besonders als Demütigung, Herabsetzung und letztendlich als Entwertung ihrer Person. Vertreterinnen des feministischen Ansatzes befürworten die Verwendung der Begriffe "Täter", "Opfer", weil diese eindeutig klarstellen, dass die Erwachsenen die Verantwortung Für das Geschehene tragen. Für die Frauen (Mütter ) wird in diesem Ansatz eine feministische Parteilichkeit gefordert. Thürmer – Rohr (1991, 491) weist darauf hin, dass außerhalb der unmittelbaren sexuellen Gewalterfahrungen eine "Mittäterschaft" der Mütter diskutiert werden muss, denn auch sie sind in das Gewaltgeschehen als Handelnde, als Tätige sozusagen eingebaut. Rommelspacher (1989,16) weist darauf hin, dass feministische Parteilichkeit nicht heißt, stets auf der Seite der Mütter zu stehen, sie zu entlasten und ihr Verhalten zu entschuldigen. Auch Frauen sind durchaus in der Lage, Macht Für ihre Bedürfnisse einzusetzen. Für Rommelspacher (ebd.) bedeutet feministische Parteilichkeit eher, alle Unterstützungen zu nutzen, um Gewalt von Männern gegenüber Frauen abzubauen.

Die Interaktionen zwischen Gesellschaftstrukturen und individueller Handlungsfreiheit prägen das menschliche Verhalten, was die Gewalttaten nicht entschuldigt, denn "Macht besitzen (gebrauchen) ist nicht das gleiche wie Macht Missbrauchen". Es bleibt somit in der persönlichen Verantwortung eines jeden Mannes, die ihm gegebene Macht nicht zu Missbrauchen und das Recht von Kindern und Frauen auch bzgl. ihrer sexuellen Selbstbestimmung zu respektieren. Die Situation der Mütter inzestuös, Missbrauchter Kinder wird hier im Kontext patriarchalischer Gesellschafts– und Familienstrukturen analysiert (vgl. Gerwert, 1996, 18-24).

Einige InzestforscherInnen behaupten, die Mutter hätte zweimal versagt: zum einen hat sie den Vater sexuell frustriert, zum anderen hat sie die Tochter verraten, indem sie die weibliche Selbstbestimmung unterbunden hat (vgl.Gerwert, 1996, 20).

2.1. Bewertung des familiendynamischen und des feministischen Ansatzes

Richtig erscheint mir die Annahme, dass die Verhaltensstörung eines Familienmitgliedes kein individuelles Problem darstellt. Ich denke, dass es schwer ist, diese abweichende Verhaltensstruktur ausschließlich auf Störungen innerhalb der Familie zurück zuführen. Bei mir entsteht der Eindruck, dass die "Familiendynamiker" die gesellschaftlichen Strukturen nur wenig berücksichtigen. Ihre " Gesellschaft" besteht aus den einzelnen Familien, in denen Störungen auf Interaktionsstörungen zwischen den Familienmitgliedern zurück geführt werden. Ich bin der Meinung, dass sich diese Störungen einerseits aus der Familienchronik (Großfamilie) und aus den Gesellschaftsstrukturen zusammensetzt, die nicht eindeutig voneinander zu trennen sind, da die Individuen nicht unbeeinflusst von der Gesellschaft bleiben.

Zu dem gehen die "Familiendynamiker" von einer traditionellen Familienstruktur aus, in der die Frau Für die emotionalen Belange verantwortlich ist und der Mann die Entscheidungen trifft. Ich bin nicht der Auffassung, dass es durch emotionale Vernachlässigung seitens der Mutter gegenüber dem Vater unbedingt zum sexuellen Missbrauch des Kindes kommt. Sicherlich führt diese Vernachlässigung, aus der Sicht der Täter, zu dem sexuellen Missbrauch an den Töchtern. Dies kann und darf aber keine Entschuldigung Für den Täter sein und aus meiner Sicht nicht zur Anklage gegenüber der Mutter führen.

Der feministische Ansatz berücksichtigt zwar die intrafamiliäre Problematik, geht meiner Meinung nach zu wenig darauf ein, inwiefern die Mütter involviert sind. Ein sexueller Missbrauch kann über lange Zeit fortgesetzt werden durch das Machtbedürfnis der Vaterfigur und durch Wegsehen, "Nicht-wahr-haben-wollen" und Beschönigung seitens der Mutter.

Die Schuldfrage liegt meiner Ansicht nach in erster Linie beim Täter. Ist die Mutter trotz latenter Ahnung oder Mitwisserschaft nicht in der Lage in das Geschehen einzugreifen, trägt sie Für mich eine entscheidende Mitschuld.

3.0 Die Rolle der Mutter beim Missbrauch

Auf welche Weise sind Mütter am Inzestgeschehen beteiligt ?

In der Untersuchung von Maisch (1968,107ff.) wird die Annahme, dass das Missbrauchsrisiko steigt, wenn die Mutter auf irgendeine Art abwesend ist, als ein zentraler Punkt angesehen. Mütter dieser Familien sind häufig nicht zu Hause, auf vielfältige Art ist es wie eine Flucht von zu Hause, um dadurch die Verantwortung Für die Familie zurück zuweisen. Diese Abwesenheit kann sich z.B. in häufigen Krankheiten der Mutter ausdrücken. Maisch (1968, 102) fand heraus, dass 33 % der Mütter vor oder während des Missbrauchs  körperlich erkrankten, was sich unter Umständen negativ auf das Familienleben auswirken kann und somit den Inzest begünstigt. Herman (1981, 77 f.) kam in ihrer Untersuchung zu dem Ergebnis, dass über 55% der Mütter sich unverhältnismäßig oft im Krankenhaus aufhielten und mehr als 38 % der Töchter zeitweise von ihren Mütter n getrennt waren. Dies geschieht meist, weil die Mütter sich mit der Bewältigung des Haushaltes und der Versorgung der Kinder überfordert fühlen. Alkoholismus, Depressionen und Psychosen sind die häufigsten Ursachen dafür , dass die Mütter ihre Aufgaben nicht mehr bewältigen können. Ein weiterer Aspekt, der eng verknüpft ist mit der familiären und häuslichen überforderung der Mutter, betrifft ihre psychische Unzulänglichkeit. Die Mutter sorgt nicht ausreichend Für den Vater und die Tochter. Die Frauen sind unfähig, zum Ehemann und zur Tochter eine Für sorgliche Beziehung aufzubauen. Dieses emotionale Verlassen der Familie führt dazu, dass Vater und Tochter Zuflucht beieinander suchen, was den sexuellen Missbrauch herausfordert und begünstigt. Die Mutter bietet durch diesen emotionalen Rückzug den Kindern keinen Schutz und ist nicht in der Lage, das inadäquate Verhalten des Vaters/Stiefvaters/Partners der Mutter zum Kind zu unterbinden.

Eine breite Basis der Inzest - ForscherInnen vertritt einstimmig die Position, dass es primär Aufgabe der Mutter ist, Für Harmonie und Geborgenheit zu sorgen. Ansonsten fördert sie ein Klima, das günstige Voraussetzungen Für den Inzest schafft (vgl. Gerwert, 1996,28-32).

Ich bin der Meinung, dass die Anschuldigung, dass die Mutter sich vor dem sexuellen Missbrauch ihrer Tochter dem Vater sexuell verweigert, keine Freigabe Für den Vater/Stiefvater/Partner der Mutter sein kann, die Tochter sexuell auszubeuten.

3.1 Die Sexualität der Mutter

"Indem sie (die Mutter, Anm. d. Verf.) ihre Ehemänner sexuell zurück weisen, erzeugen sie in ihnen eine erhebliche sexuelle Frustration und Spannung, sie (die Mütter , Anm. d. Verf.) spielen eine zentrale Rolle, indem sie die sexuellen Energien des Ehemannes in die Richtung der Tochter lenken." (Lustig u.a. 1966, 34).

Das Ergebnis verschiedener Studien zeigt die Nicht – Erfüllung der sexuellen "Pflichten" der Mutter gegenüber dem Vater. Dies ist ein Vorwurf, der in etlichen Untersuchungen genannt wird. Maisch (1968, 109) fand heraus, dass sich fast 31 % der Frauen ihren Männern gegenüber sexuell ablehnend verhielten. Der sexuelle Rückzug der Frau könnte geradewegs in den Inzest münden (vgl. Gerwert, 1996, 28-29).

Durch die sexuelle Verweigerung gegenüber ihrem Mann fordert die Mutter den Vater gerade dazu auf, die Tochter sexuell zu Missbrauchen, oder sie leitet dadurch die sexuellen Energien des Mannes auf die Tochter. Der Rollentausch zwischen Mutter und Tochter drängt das Mädchen in die Rolle des Sexualpartners des Vaters/Mannes (vgl. Breitenbach, 1998,48).

Den von Breitenbach (1998,48-49) interviewten Frauen scheint die Beschreibung der männlichen Sexualität nicht schwer zu fallen, zu ihrer eigenen, weiblichen Sexualität können sie sich kaum äußern. Eine mögliche sexuelle Entwicklung und sexuelle Wünsche werden zumeist ausgeschlossen bzw. die Frauen sehen dies als einen verbotenen Prozess an. Die Männer erscheinen den Frauen bezüglich der Sexualität als Repräsentation sexueller Energie. Sie dominieren auf Grund ihrer sexuellen Triebhaftigkeit bei der sexuellen Interaktion, sind jedoch auch gleichzeitig ihren Trieben "ausgesetzt". Ein sexueller übergriff auf die Töchter erscheint den meisten Frauen wegen der männlichen "Natur" normal.

Den Frauen fällt es schwer das Geschehene unter dem Aspekt der Machtstrukturen zu sehen, Für sie stehen die sexuellen Motive eher im Vordergrund. Breitenbach (1998) geht davon aus, dass eine sexuelle Motivation Anlass zur Verharmlosung und Neutralisation der übergriffe gibt. Die Aufgabe der Frau scheint die Kontrolle über die männliche Sexualität zu sein. In der "Natur" der Männer scheint ein Zulassen einer vollständigen Kontrolle nicht möglich zu sein.

3.2 Das Selbstbild der Mutter

Das Selbstbild der Mutter erscheint bei sexualisierter Gewalt gegen ihre Tochter durch den Vater/Stiefvater/Partner der Mutter sehr unterschiedlich. Ihr Selbstbild ist ständig vom Zusammenbruch bedroht. Bei dem Selbstbild, das offen negativ ist, gelingt es den Frauen, ihre Kompetenz als Mutter, trotz der enormen Verunsicherung, nicht völlig anzuzweifeln. Die Frauen stellen ihre Kompetenz als Mutter lediglich in Teilbereichen in Frage. Die Einschätzung ihrer Unzulänglichkeit als Mutter wird vermutlich noch durch ihren Anspruch an sich selbst verstärkt, möglichst alles "richtig" zu machen im Erziehungsalltag. Der Erziehungsalltag wird von den meisten Frauen als sehr belastend und überfordernd erlebt. Die Frauen berichten von Auffälligkeiten der Tochter wie z.B. Alpträumen, Einnässen, Ängstlichkeiten, aggressives Verhalten, Ausbrüchen oder anklammerndes Verhalten bis hin zu Selbstmordgedanken, -versuchen ihrer Töchter.

Im Gegensatz zu Frauen die nach außen hin als "perfekte" Mutter erscheinen wollen, können diese Frauen ihre Zweifel und Schuldgefühle offen thematisieren. Die Frauen fühlen sich schuldig, "nicht aufgepasst" und den Missbrauch nicht verhindert zu haben.

Das Bemühen um andauernde Rücksichtnahme auf die Tochter sowie ihr hoher Anspruch im Hinblick auf die adäquate Umgehensweise mit ihr, zeigt ihr Bestreben nach Wiedergutmachung des Geschehenen bei der Tochter. Das mildert vermutlich auch die Schuldgefühle der Frauen und hilft ihnen, ihr angeschlagenes Selbstbild als kompetente Mutter zu stabilisieren.

Mütter die auch schon vor der Aufdeckung des Missbrauchs  ein insgesamt größeres und stabileres Selbstbewusstsein haben, können auf vorhandene Kompetenz zurück greifen, die ihnen helfen, mit der belastenden Situation besser umzugehen (vgl. Gerwert, 1996,160-162).

3.3 Das Schweigen der Mutter

"Warum schweigen die Mütter zu den sexuellen übergriffen gegenüber ihren Töchtern?"

Sie schweigen, weil alle schweigen, weil es keine Alternativen dazu gibt. "Schweigen" legt aber weiterhin nahe, dass nichts geschieht. Es heißt zunächst nur, dass möglicherweise über längere Zeit nichts nach außen dringt, entweder aus dem Innern, aus dem Denken oder aus dem Raum der Frau (vgl. Breitenbach, 1991,71).

Alle von Breitenbach (1991) befragten Frauen setzen sich mit der Realität des Inzests auseinander. Deutlich wird jedoch, dass diese Auseinandersetzung von extremen Schwierigkeiten begleitet wird und in Isolation stattfindet. Diese Schwierigkeiten betreffen nicht nur das Sprechen über den Inzest oder den Inzestverdacht, sondern kennzeichnen den gesamten Prozess der Realitätsaneignung einschließlich des Handelns. Dem Wahrnehmen, Deuten, Fühlen, Ausdrücken, Handeln stellen sich Hindernisse, Erschwernisse entgegen. Die Phänomene, die den eben genannten Prozess im Zusammenhang mit der Realität des Inzests erschweren oder verhindern sind Aneignungsverbote. Wie der Aneignungsprozess Für die befragten Frauen aussieht, welchen Schwierigkeiten er unterliegt und, ob an der Wurzel dieser Schwierigkeiten ein Tabu sichtbar wird, hängt davon ab was eine Frau vom sexuellen Missbrauch in ihrer Familie wahrnehmen kann, ob etwas und was davon sichtbar wird und wie deutlich die Anzeichen sind. Ob es ihr überhaupt möglich ist, sich auch bei "eigentlich" deutlichen Anzeichen, ein Sexual- oder Gewaltverbrechen in ihrer Familie und damit ihren Mann als Vergewaltiger, Gewalttäter vorzustellen. Um etwas sehen zu können, müsste sie den Blick auf ihre Tochter, "das Opfer" und auf ihren Mann/ Vater, "den Täter" richten. Zu beiden steht sie in einer intimen und vielschichtigen Beziehung (vgl. Breitenbach, 1991,71).

Das was sie sehen (und tun) wird, wird diese Beziehung verändern, und umgekehrt werden diese Beziehungen ihre Wahrnehmung beeinflussen.

Ein höchst zentraler Punkt in der Inzestliteratur ist das Schweigen der Mütter . Dabei wird immer wieder die These aufgestellt, dass ein jahrelanger Missbrauch durch den Vater/Stiefvater/Partner der Mutter in der gemeinsamen Wohnung nicht an der Mutter vorbeigehen kann. Dabei wird davon ausgegangen, dass die sexuelle Ausbeutung der Tochter durch den Vater/Stiefvater/Partner der Mutter ohne Duldung, Zustimmung oder Beteiligung der Mutter – bewusst oder unbewusst – nicht stattfinden kann. In vielen Fällen wissen die Mütter nichts von der sexuellen Ausbeutung ihrer Töchter. Es ist nicht zu verschweigen, dass eine kleine Gruppe von Mütter n den Missbrauch dulden, initiieren oder selber sexuellen Missbrauch ausüben. Hier soll sich aber eher damit beschäftigt werden, inwieweit die Mutter durch eine indirekte oder unbewusste Mitwisserschaft ("silent partner") am sexuellen Missbrauch beteiligt ist. Mitwisserschaft und vermutete Mitwisserschaft werden dabei häufig gleich gesetzt und oft mit aktiver Beteiligung in Zusammenhang gebracht, wobei unterlassene Hilfe bzw. unterlassene Abhilfe ebenfalls als Beteiligung zählt (vgl. Breitenbach, 1991,45-47).

In der mitteleuropäischen Kultur gilt, dass den Mütter n das Unmögliche abverlangt wird, nämlich die Mütter haben alles zu hören, alles zu sehen und ihre Kinder vor allen Übeln zu bewahren (Rijnaarts, 1988, 166). Die Wahrnehmungskraft der Mütter scheint nach Aufdecken des sexuellen Missbrauchs  wesentlich geschärfter zu sein als vorher. Oft werden von ihnen Anhaltspunkte, die von "harmlos" bis "direkt vorhanden" sein können, während des Missbrauchs  nicht erkannt. Erst danach scheint sich ein Mosaikbild zusammenzustellen. Zudem entsteht das Phänomen, dass die Mütter häufig angeben, sie hätten den sexuellen Missbrauch in anderen Familien wahrscheinlich erkannt. Sie erkennen im nachhinein die vielen Anzeichen und Situationen:

"Hätte ich solche Szenen in anderen Familien erlebt, wäre mir unweigerlich ein Licht aufgegangen, aber so hatte ich nichts gesehen" (Rijnaarts, 1988, 162).

Warum die Wahrnehmung der Mütter nicht stark genug geschärft ist und das damit verbundene Schweigen nicht unterbrochen wird, ist noch nicht vollständig geklärt. Zusammenfassend können folgende Thesen aufstellen:

  • Die Frau kann in ihrem Ehemann/Partner keinen Gewalttäter sehen bzw. würde diesem Bild nicht standhalten können.
  • Die Frauen scheinen das Verbot, einen Mann und dazu noch ihren eigenen anzuklagen / anzuzeigen stark verinnerlicht zu haben.
  • Zudem steht die Frau auch heutzutage noch in einem starken ökonomischen Abhängigkeitsverhältnis, das sie glauben macht, eine existentielle Katastrophe zu erleben, wenn sie den sexuellen Missbrauch nicht verschweigt bzw. Schritte zum Schutz des Kindes einleitet (vgl. Breitenbach, 1991,46).

Dazu gehört selbstverständlich auch die Frage, ob die Mütter etwas bemerken mussten; ob Für eine Person, die noch keine Berührung bzw. Erfahrung mit sexuellem Missbrauch hatte, die Anzeichen klar zu deuten sind und eine "adäquate" Hilfe von ihr zu erwarten ist.

In jedem Fall sind die meisten Inzestopfer der Auffassung, dass die Mütter von dem sexuellen Missbrauch wussten. Ihre Hassgefühle den Mütter n gegenüber, da sie keinen Schutz boten, ist meist größer als gegenüber den Tätern (vgl. Breitenbach, 1991,46).

Andererseits halten die Opfer den sexuellen Missbrauch häufig bewusst geheim. Der Täter baut den sexuellen Missbrauch oft sehr geschickt auf, so dass die Mutter nur wenig Möglichkeiten hat, direkt etwas zu bemerken. Warnungen und Drohungen des Täters, der Mutter nichts zu erzählen, bleiben meist nicht aus. Die Frage nach der Schuld in Bezug auf die Mutter klärt sich nach Breitenbach (1998, 47), wie die Mutter, nachdem sie von der sexuellen Ausbeutung ihrer Tochter erfahren hat, reagiert und handelt.

4. Mutter –Tochter- Beziehung

Breitenbach (1991, 168) stellt in ihrer Studie fest, dass es kein "typisches" Täterprofil, keine "typische" Vater – Tochter – Beziehung und auch keine "typische" Mutter – Tochter – Beziehung bei sexuellen Gewalttaten gibt. Ebenso gibt es kein "typisches" Mutterprofil. Die Beziehung zur Tochter scheint Für alle Befragten wichtig zu sein. Darüber hinaus haben die Mütter häufig sehr hohe emotionale Erwartungen an die Töchter. Sie benötigen Liebe, Anerkennung, Unterstützung, Solidarität und auch die Ähnlichkeit der Töchter. Gespräche über Sexualität scheinen in diesen Mutter –Tochter – Beziehungen tendenziell vermieden zu werden.

Bei den Mütter n treten heftige Irritationen auf, sobald bei der Tochter die Sexualität sichtbar wird und dies eine deutliche Anziehungskraft beim Vater/Stiefvater/Partner der Mutter auslöst. Das Selbstbild der Frauen kommt stark ins Wanken. Neben einer starken Verunsicherung und Entwertung ihrer Person, fühlen sie sich als Versagerinnen in Bezug auf ihre Rolle als Frau und Mutter. Die sexuelle Beziehung zwischen Vater / Mann und Kind wird als übergriff und als unberechtigt angesehen. Der sexuelle Missbrauch wird Für die Frauen aus der sexuellen "Natur" des Mannes heraus erklärbar. Sie fühlen sich alle verpflichtet ihren Kindern zu helfen. Die Konzepte zur Hilfestellung (durch Therapie oder des Jugendamtes) versagen dann, wenn das Geschlecht der Tochter in den Mittelpunkt rückt, wenn die Tochter als Frau angesehen wird mit ihrer weiblichen Identität und Sexualität (vgl. Breitenbach,1991, 168-169).

Es kommt zu einer Verwischung der Beurteilungsmaßstäbe, was dazu führt, dass die Mütter keine Kriterien zur Beurteilung der inzestuösen Beziehung finden, die es ermöglichen die Tochter als schützenswerte bzw. als Hilfe bedürftige Person zu betrachten. In den Vordergrund rückt ein Bild, wonach der sexuelle Missbrauch verharmlost, der Täter entschuldigt und das Opfer beschuldigt wird (vgl. Breitenbach ebd.).

Wegen der erheblichen Schwierigkeiten, sich den sexuellen Missbrauch anzueignen, ist es den Frauen kaum möglich ein vollständiges Bild über das Geschehene zu erhalten, was die Voraussetzung zur Klärung der Mutter – Tochter – Beziehung, Vater – Mutter – Beziehung und schließlich der Klärung der Auswirkungen des sexuellen Missbrauchs  auf die eigene Person wäre. Ohne Klärung der Beziehungen und der eigenen Identität können die Mütter der betroffenen Töchter kaum Möglichkeiten finden, den sexuellen Missbrauch Für sich zu verarbeiten oder den Mädchen eine wirkliche Unterstützung zu bieten. Töchter und Mütter werden durch den sexuellen Missbrauch durch den Vater/Stiefvater/Partner der Mutter verletzt.

Die Bedürfnisse und Schwierigkeiten müssen sich dabei nicht decken, jedoch ist die Wahrnehmung ihrer Ähnlichkeit wahrscheinlich genauso wichtig, wie die Wahrnehmung und der Respekt der beiden Frauen sowie eine Distanz zuzulassen (vgl. Breitenbach, 1991, 167).

Autobiographischen Berichten betroffener Mütter ist zu entnehmen, dass die Zeit des Missbrauchs  rückblickend als sehr problematisch beschrieben wird. Die Frauen schildern Belastungen verschiedenster Art (die Tochter ist schwierig, in sich zurück gezogen oder aggressiv, der Mann verhält sich merkwürdig, die Partnerschaft ist in einer Krise und das Familienklima angespannt).

Zur wirklichen Bewältigung des sexuellen Missbrauchs  sind Mutter und Tochter auf Hilfe von außen angewiesen. Unterstützung bedeutet alles, das die Wahrnehmung, die Autonomie, das Selbstbewusstsein, das Selbstgefühl von Frauen stärkt, ihre Würde und ihre Wut. Unterstützung bedeutet die öffentliche Wahrnehmung und Verurteilung sexueller Ausbeutung (vgl. Breitenbach, 1991,169-170).

Keiner Frau ist es möglich, ihre Tochter vor dem sexuellen Missbrauch und sexuellen übergriffen durch den Vater/Stiefvater/Partner der Mutter zu bewahren (vgl. Breitenbach, 1991, 107).

5. Mitwisserin/ Schuldfrage der Mutter

Die Aussagen in der Inzestliteratur über die Mütter sind oft feindselig, oft feindseliger als die gegenüber den Tätern. Auf der anderen Seite wird die Mutter als Opfer in einer bestehenden Männergesellschaft beschrieben. Die Mütter werden in neuerer Zeit nicht mehr blind verurteilt oder verteidigt. Eine gewisse Schuldzuweisung bleibt aber so gut wie nie aus. Bislang war das Interesse, die Mutter als eigenständige Person zu sehen gering, wodurch ein differenziertes Bild dieser Frauen, das sie weder als "Täter" noch als "Opfer" wiedergibt, schwer zu zeichnen ist. Dahingegen wird die Rolle der Mutter und die der Ehefrau, aber nicht die der Frau dargestellt. Zudem setzt sich das Bild aus den Aussagen der Töchter und der Männer sowie aus den Deutungen der WissenschaftlerInnen und TherapeutInnen zusammen. Es wird darauf aufmerksam gemacht, dass WissenschaftlerInnen und TherapeutInnen das Bild der Mutter von den Opfern übernommen haben. Häufig werden die Mütter als Mitwisserinnen bezeichnet. Somit ist die Erstellung eines eigenständigen Frauenbildes schwierig (vgl. Breitenbach 1991, 44).

Am häufigsten beschäftigen sich die diversen TherapeutInnen mit der Frage, warum die Mutter die sexuelle Ausbeutung der Tochter durch den Vater/Stiefvater/Partner der Mutter nicht verhindert. Hierbei wird immer wieder danach gefragt, ob sie es nicht kann oder es nicht will. Dazu kommt, dass vermutet wird, die Mütter verfügen nicht über genügend emotionale und sexuelle Möglichkeiten, um ihren familiären Aufgaben nachzukommen (vgl. Breitenbach, 1991, 45).

Es wird den Mütter n unterstellt, dass sie die Töchter bewusst oder unbewusst dem Ehemann sexuell ausliefern. Psychische und physische Abwesenheit, emotionale Vernachlässigung der Familie, Rollentausch mit der Tochter und der sexuelle Rückzug gegenüber dem Ehemann werden als Kriterium angeführt, die die Beteiligung der Mutter am Inzestgeschehen ausmachen. Entspricht die Mutter ihrer traditionellen Rolle nicht, ist sie selbst überlastet oder krank, trägt sie nach Meinung der ExpertInnen eine Mitschuld oder sogar die Hauptverantwortung Für den sexuellen Missbrauch der Tochter durch den Vater/Stiefvater/Partner der Mutter (vgl. Gerwert, 1996, 30).

In Bezug auf die Frage, ob die Frauen von dem Missbrauch des Kindes wissen und wie bewusst das geschieht, kommen die Untersuchungen zu unterschiedlichen Ergebnissen:

  • Die Mütter wissen vom Inzestgeschehen und sind in irgendeiner Form darin verwickelt:

Die Mütter , von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, wissen grundsätzlich von den sexuellen übergriffen des Mannes an der Tochter und ziehen einen Gewinn daraus (wie z.B. Unterbindung des sexuellen Kontaktes zum Mann etc.). Aus den Studien der Inzestliteratur wird weiterhin davon ausgegangen, dass die Mutter bewusst oder unbewusst den Missbrauch ermöglicht, eventuell Ahnungen und Signale verleugnet. Die sexuelle Beziehung zum Mann wird den Frauen zunehmend lästig, so dass der Inzest ihrem Interesse entgegenkommt, sich von der sexuellen Aktivität mit ihrem Partner zurück zuziehen. Weitere Ergebnisse der Studien besagen, dass es zwar Frauen gibt, die über das Verhalten ihres Mannes genau Bescheid wissen, dies trifft aber nicht Für die überwiegende Anzahl der Mütter zu.

  • Die überwiegende Anzahl der Mütter ahnt etwas, aber nur wenige Frauen wissen eindeutig von dem sexuellen Missbrauch:

Die meisten Mütter ahnen, dass an der Beziehung zwischen Vater und Tochter etwas "nicht stimmt". Manche suchen daraufhin Rat bei einer anderen Person oder sprechen den Mann direkt an.

  • Manche Mütter wissen zunächst auch nichts von dem sexuellen Missbrauch, einige bekommen auch nichts von den sexuellen übergriffen mit:

Viele Mütter missverstehen die indirekten Botschaften ihrer Töchter zunächst oder nehmen sie nicht wahr. Tatsächlich kommt es häufig vor, dass den Frauen nach der Aufdeckung Situationen einfallen, die sie damals nicht einordnen konnten (vgl. Gerwert, ebd.).

Die "Zeichen" der Mädchen falsch zu deuten heißt aber nicht, den Missbrauch bewusst zu ignorieren. Die Interpretation, dass die Mütter einen persönlichen Gewinn aus dem Missbrauch ziehen, ist kritisch zu betrachten (vgl. Gerwert, 1996,31).

Eine Einteilung nach Wissen versus Nicht-Wissen hält Hooper (1989) nicht Für sinnvoll, da sie festgestellt hat, dass die Mütter zu einem unterschiedlichen Zeitpunkt einen unterschiedlichen Grad an Wissen besitzen, welcher von diversen Faktoren abhängig ist, zum einen von den verfügbaren Informationsquellen, z.B. Verhalten des Kindes und des Täters, direkte, indirekte oder widersprüchliche Signale des Kindes, ob das Kind vom Missbrauch erzählt, aber auch von den Bewältigungsstrategien die die Frauen entwickeln können. Auch wenn die Mütter von dem sexuellen Missbrauch der Tochter wissen, so müssen sie nicht unbedingt daran glauben. Es spielt eine Rolle, ob nahe stehende Personen daran glauben, ob das Kind der Mutter selbst von dem sexuellen Missbrauch erzählt hat oder ob sie von anderen davon erfahren hat, welches Bild sie vom Täter hat und wie sie ihre Beziehung zu ihm bewertet. Bei einem "komplizierten" oder/und "gewalttätigen" Partner, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Mutter den sexuellen Missbrauch an ihrer Tochter glaubt. Handelt es sich um eine positive Einstellung und schätzt sie die Beziehung zu ihm auch positiv ein, so wird sie eher an dem Missbrauch ihres Kindes zweifeln.

 Es ist nicht sinnvoll sich zu sehr auf die Rolle der Mutter während des Missbrauchs  zu konzentrieren. Da man bei der Rekonstruktion ihres damaligen Verhaltens immer auf die rückblickenden Erzählungen der einzelnen Familienmitglieder angewiesen ist, d.h. auf die Schilderung der betroffenen Kinder, des Täters und der Mutter selbst. Man kann letztlich nicht eindeutig feststellen, inwieweit die Mutter in das Inzestgeschehen verwickelt war. Vielmehr soll untersucht werden, welche Faktoren es der Mutter erleichtern oder erschweren, ihrem Kind zu glauben und ihre eigene Situation und die ihres Kindes zu verändern (vgl. Gerwert, 1996,32).

Feministinnen kritisieren, dass häufig den Mütter n die Schuld Für den Missbrauch zugewiesen wird. Es wird betont, dass die Täter meist sehr darauf bedacht sind, den Missbrauch vor der Mutter geheim zu halten.

Die "Zeichen", die die Kinder ihren Mütter n aussenden, sind daher oft recht schwer zu entziffern. Einige Kinder bewahren auch von sich aus Stillschweigen, um der Mutter Kummer und Sorgen zu ersparen, wenn sie ohnehin überlastet ist. Eine gestörte Mutter – Kind - Beziehung muß aber nicht unbedingt bedeuten, dass die Mutter unfähig ist, eine tragfähige Beziehung zu ihrem Kind aufzubauen, sondern könnte eine Folge der Intrige des Täters sein (z.B. durch Äußerungen wie: "Wenn du das der Mama erzählst, wird sie ganz böse" oder "Mama wird ganz krank und traurig") (vgl. Gerwert, 1996, 31-32).

3.6 Reaktionen auf die Aufdeckung und Verarbeitung

Hooper führte (1989) 15 biographische Interviews mit Mütter n durch, um deren komplexe Rolle, die verschiedenen Verhaltensweisen, die Reaktionen auf die Entdeckung des Missbrauchs  und die Bedeutung des Geschehenen Für ihr Leben angemessen zu verstehen.

Sie geht der Frage nach, ob die Mütter nun "Co-preperators" ("Co-Vorbereiter") oder "Co-victims" ("Co-Opfer") seien.

Für die meisten Mütter ist es zunächst einmal ein schwerer Schock, wenn sie von dem sexuellen Missbrauch ihres Kindes erfahren. Sie fühlen sich enttäuscht und verraten von dem Mann, mit dem sie meist jahrelang zusammengelebt haben. Die häufigste erste Reaktion der Mütter ist der Suizidgedanke bis hin zu Ohnmachtgefühlen, Verzweiflung, Angst und

Panikanfällen. Weitere Reaktionen sind Schuldgefühle, Selbstvorwürfe und Selbstzweifel, völlige Verwirrung, aber auch Rache- und HassgefÜhle gegenüber ihrem Mann und ihrer Tochter sowie Mordgedanken gegenüber ihrem Mann. Manche Mütter übertragen ihre Enttäuschung und Verletzung durch den Mann auf die Tochter. Die Mutter macht der Tochter Vorwürfe, ist eifersüchtig, fühlt sich zurück gestoßen, unzulänglich und unerwünscht in der Familie. Nicht selten werden diese Reaktionen noch durch die Einwände des Vaters/Stiefvaters/Partner der Mutter verstärkt: "Glaubst du ich würde so etwas tun ?", "Glaubst du dieser Lügnerin ?", "Wie soll so etwas geschehen, ohne dass du etwas bemerkt hast ?", "Du bist ja nur eifersüchtig!". Häufig versuchen die Männer ihre Frauen Für sich zu gewinnen, was ihnen meistens leider auch gelingt.

Die Anklagen des Vaters sowie die negativen Reaktionen der Umwelt (wie konnte die Mutter es zulassen, dass so etwas geschieht ?) bewirken, dass die Mutter die Aussage der Tochter in Zweifel zieht oder ihr die Schuld Für den Missbrauch anlastet (vgl. Gerwert, 1996,33).

Dabei werden von Breitenbach (1998, 47) drei verschiedene Charaktere in Bezug auf die Reaktionsfähigkeit der Mütter gebildet:

  • Ein Teil der Mütter verleugnet den Inzest oder beschuldigt die Tochter und lässt sie im Stich. Besonders die Verleugnung wird wohl von der eigenen Fassungslosigkeit, Verletzung, Enttäuschung und Eifersucht bestimmt und nicht von der Auffassung, was nun Für die Tochter sinnvoll und hilfreich wäre.
  • Ein anderer Teil der Mütter beendet den sexuelle Missbrauch konsequent, indem sie eindeutig hinter ihrer Tochter steht und den "Täter" anzeigt.
  • Der dritte und vermutlich größte Teil der Mütter versucht Kompromisse zu schließen, indem sie Täter und Opfer nicht mehr unbeaufsichtigt lässt. Diese Lösungsart gelingt nur in den allerwenigsten Fällen.

Gerwert (1996, 34) erwähnt eine Studie von Everson (1989), in der die Faktoren untersucht wurden, von denen die Reaktionen der Mütter abhängig sind. Sie stellte zunächst fest, dass 44 % der Mütter sich unterstützend verhielten, 32 % der Mütter waren ambivalent und 24 % verhielten sich zurück weisend. In dieser Studie fand die AutorIn eine Korrelation zwischen "Geständigkeit des Täters" und "Unterstützung der Mutter". Außerdem korrelierte die Art der

Beziehung zum Täter mit dem Verhalten der Mütter . Hatte sich die Mutter schon vor dem Aufdecken der Tat emotional und/oder räumlich vom Täter getrennt, so unterstützt sie die Tochter häufiger, als wenn der Vater noch der zu Hause wohnende Täter ist.

Die bereits erwähnte Studie von Hooper (1989) beschäftigt sich mit der Reaktion der Mutter auf die Entdeckung des Missbrauchs . Sie fand in ihrer Untersuchung an 46 betroffenen Mütter n heraus, dass ein Zusammenhang zwischen "Einkommen" und " Belastungsgrad" der Mütter besteht. Finanziell bedürftige Frauen leiden häufiger und stärker unter psychischen Belastungen als Frauen, die finanziell besser abgesichert sind.

Auch hier zeigen sich wieder schwere, als klinisch einzustufende Symptome wie z.B. Depressionen, Ängste, Zwänge, Phobien, Überempfindlichkeit und psychosomatische Störungen. Es kann jedoch nicht eindeutig geklärt werden, was die Mütter derart heftig reagieren lässt. Möglicherweise ist es das Wissen um den Missbrauch oder der Umstand, dass sich die meisten Mütter Für den Missbrauch verantwortlich und damit schuldig fühlen.

Die Konfrontation mit dem sexuellem Missbrauch der Tochter ist Für viele Frauen ein tiefer Einschnitt in ihre bisherige Biographie. Die Erfahrung des sexuellen Missbrauchs  der Tochter wird als fünffache Krise erfahren:

  • als Krise des Zusammenbruchs des gesamten oder von Teilen des bisherigen Partnerschaftskonzeptes – Zweifel an der eigenen Wahrnehmungsfähigkeit im Hinblick auf die Partnerwahl, Ablehnung, Unsicherheit und Misstrauen gegenüber Männern,
  • als Krise der Verunsicherung als Mutter – Schuldgefühle, Probleme der Identifikation und Abgrenzung gegenüber der Tochter, Unsicherheit im Umgang mit den Verhaltensauffälligkeiten der Tochter, Infragestellung der bisherigen Erziehungskonzepte und Zweifel an der Kompetenz als Mutter,
  • als Krise des Zusammenbruchs des gesamten oder von Teilen des bisherigen Lebensplans und des Selbstbildes als Frau – Orientierungsverlust und Zukunftsangst, negative Selbstwertschätzung und Auseinandersetzung mit der eigenen Lebensgeschichte,
  • als soziale Krise des Verlustes und/oder der Veränderung der sozialen Beziehungen (Eltern, Verwandte, Freunde, Bekannte) – Stabilitätsverlust, Isolation und Einsamkeit,
  • als materielle Krise der Verschlechterung der ökonomischen Situation (vgl. Gerwert, 1996, 65).

3.7 Aneignungsprozesse, Klärungen, Beziehungsproblematiken

Eva Breitenbach (1991) untersucht in ihrer Studie, in welcher Weise sich Frauen die Realität der inzestuösen Beziehung zwischen ihrem Mann und ihrer Tochter aneignen (können), wie sie sie bewerten, wie sie handeln. Deutlich werden die enormen Probleme des Aneignungsprozesses und des Handelns.

dass es sich bei dem sexuellen Missbrauch um eine sexuelle Ausbeutung des Mädchens durch den Vater/Stiefvater/Partner der Mutter handelt, kommt bei den meisten Mütter n nicht in Betracht bzw. wird dann erst in Betracht gezogen, wenn alle andere Möglichkeiten ausgeschlossen sind. Zudem ist es den meisten Frauen nicht möglich, eine "inhaltliche" Klärung bezüglich des Verdachtes oder eine Bewältigung des Wissens um den Inzest bei der Tochter zur Sprache zu bringen. Auch sehen die Frauen keine Möglichkeit, sich Hilfe zu holen bzw. ziehen sie dies erst gar nicht in Betracht. Die eigenen Gefühle hinsichtlich des Inzests bleiben dabei schwer zugänglich. Tiefe und intensive Gefühle können nicht zugeordnet und integriert werden.

Ebenso schwierig stellt sich der Zugang zur Emotionalität der Tochter dar. Die sexuelle Gewalttat wird ebenso wenig als Gewalttat angesehen, wie der Gewalttäter als Aggressor. Breitenbach (1991, 109) vermutet, dass der Ursprung dieser Handlungs– und Denkweise darin liegt, dass die sexuellen Gewalttätigkeiten des Vaters, die Verletzung der Tochter, die sexuelle Entsubjetivierung der Frau durch den Mann, die Verletzung ihrer eigenen Identität weder wahrgenommen noch thematisiert bzw. diese als Verbote angesehen werden. Diese Themen scheinen einen, wie schon beschriebenen Tabu - Charakter zu haben. Soweit sich dies in Gesprächen feststellen ließ, ist die Sexualität – als Wunsch, als sinnliche Erfahrung, als Ort sozialer Wertsetzung - ein schwieriger, bedrohlicher und deshalb tendenziell vermiedener, ein sprachloser Bereich in der Mutter – Tochter - Beziehung.

Deshalb sollte die Hilfe und Unterstützung besonders die Autonomie, das Selbstbewusstsein, das Selbstgefühl, ihre Würde und auch ihre Wut stärken. Auch die öffentliche Wahrnehmung und die Verurteilung sexueller Ausbeutung nimmt einen Teil der Unterstützung ein. Nach Breitenbach (1991, 170) ist die Hilfe nur sinnvoll mit der Zielsetzung einer Veränderung des Geschlechterverhältnisses auf der Grundlage der (sexuellen) Ausbeutung von Frauen.

Weder Mutter noch Tochter kennen zufrieden stellende Möglichkeiten, Hilfe zu suchen. Eine regelmäßige Kommunikation über das Geschehene mit dem Ziel der Aufarbeitung und Bewältigung zwischen Mutter und Tochter findet nicht statt. Deutlich wird, dass auf verschiedenen Ebenen "Aneignungsverbote" vorhanden sind. Sie existieren auf der Ebene des Sprechens, sowohl mit dem Täter als auch mit dem betroffenen Mädchen und weiter mit anderen Personen.

Die auftauchenden Gefühle werden bestenfalls zur Kenntnis genommen, aber nicht zugeordnet. Aneignungsverbote zeigen sich schließlich in den Schwierigkeiten, sich den Mann als Täter vorzustellen und in der Kommunikationsblockade zwischen Mutter und Tochter. In den Aussagen findet man Verbote wie z.B.:

  • das Verbot, den Missbrauch bzw. den Verdacht auf Missbrauch zu veröffentlichen,
  • das Verbot, den Mann als Vergewaltiger der Tochter zu sehen,
  • das Verbot, mit der Tochter offen zu kommunizieren,
  • das Verbot, die eigenen Gefühle wahrzunehmen, zu verstehen, zuzuordnen und auszudrücken.

Die Schlussfolgerung ist, dass es ein Verbot gibt, die Verletzungen der betroffenen Frauen, der Töchter und der Mütter , wahrzunehmen und zu thematisieren und ein Verbot, die Taten der Männer/Väter wahrzunehmen und zu thematisieren. Die meisten befragten Frauen kennen erzwungene sexuelle Kontakte. Viele haben die Erfahrung den Körper widerwillig zur Verfügung zu stellen, in jeglicher Form von Gewaltausübung (vgl. Breitenbach, 1991, 109).

4.0 Eigene Bemerkungen

Es gibt mehrere Faktoren, die dazu führen, dass Kinder sexuell Missbraucht werden. Man kann nicht davon ausgehen, dass eine Mutter versagt, nicht reagieren oder den Vater schützen will. Hierbei ist es notwendig, die Familiengeschichte individuell zu verfolgen. Es gibt nicht nur eine einzige Ursache Für den Vater – Tochter – Inzest; sondern dieser basiert auf vielen komplexen Ursachen.

Zwar gibt es in der therapeutischen Literatur den Mythos der kalten, frigiden, masochistischen, feindlichen und abhängigen Mutter, die vom Inzest weiß und dennoch nicht eingreift, doch empirische Untersuchungen sind rar. Bislang gibt es keine zuverlässige Studie, die anzeigt, wie Mütter ihren Töchtern bei der Bewältigung ihrer Missbrauchserfahrung helfen und unterstützen können. Es gibt nur wenige Studien, in denen Mütter sexuell Missbrauchter Kinder selbst die Informantinnen sind.

Die meisten Untersuchungen beschäftigen sich nicht explizit mit den Mütter n, sondern mit der gesamten Familie und schwerpunktmäßig mit den Inzestopfern. Die Mütter werden vor allem dahingehend untersucht, inwieweit sie an der Entstehung des Inzests beteiligt sind, und nicht, wie sie das Geschehene verarbeiten. Die Beschreibungen der Mütter sind häufig sehr negativ, und es entsteht der Eindruck die entsprechenden AutorInnen könne Für das Handeln des Missbrauchs  mehr Verständnis aufbringen als Für das Verhalten der Mütter (vgl. Gerwert, 1996, 39-40).

Ich bin der Meinung, dass die zunehmende Thematisierung in der Öffentlichkeit sicherlich dazu beiträgt, dass immer mehr Mütter Partei Für ihr Kind ergreifen und professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Leider wird auch als Negativpunkt mittlerweile diese positive Öffentlichkeitsarbeit dazu benutzt, dass Vätern in Scheidungsprozessen/Trennungen auf Grund eines vorgetäuschten Missbrauchs  an deren Töchtern der Kontakt zu diesen verweigert wird.

Aus einer Studie von "Wildwasser" Berlin (in dem 1 ½ jährigen Erhebungszeitraum zwischen 1988 und 1990) geht hervor, dass die Anwesenheit der Mütter in den Beratungsstellen mit dem Alter des Kindes variierten, d.h. je jünger die Mädchen sind, desto häufiger werden sie von ihren Mütter n begleitet (Bundesministerium Für Frauen und Jugend 1993, 274). Dies hängt sicherlich damit zusammen, dass die jüngeren Mädchen weniger als Rivalinnen angesehen und

seltener Für den sexuellen Missbrauch verantwortlich gemacht werden (vgl. Gerwert, 1996, 216-217). Die Situation der Mütter nach dem Bekanntwerden des Missbrauchs  ihrer Töchter ist wie in dieser Arbeit beschrieben sehr komplex. Sie geraten in eine Krise, nicht nur als Mutter, sondern auch als Frau und als Partnerin. Hinzu kommen finanzielle Probleme und der Verlust bzw. die Veränderung der bisherigen sozialen Beziehungen. Ausgelöst durch die in dieser Arbeit benannte fünffache Krise brechen die bisherigen Maßstäbe der Lebensorientierung weitgehend zusammen.

Die Bewältigung des sexuellen Missbrauchs  der Tochter wird von zahlreichen sozialen, familiären und persönlichen Faktoren beeinflusst. Lebensgeschichtliche Erfahrungen (z.B. positive oder negative Kindheitserlebnisse) sind dabei ebenso von Bedeutung wie die konkrete Lebenssituation der Frau nach der Aufdeckung.

Auch die Persönlichkeit der Frau sowie die subjektive Bewertung und Verarbeitung der bisherigen Lebenserfahrungen einschließlich des Missbrauchs  der Tochter spielen Für die Bewältigung des Missbrauchs  eine entscheidende Rolle. Frauen mit ähnlich "dramatischen" Lebensgeschichten werden den Missbrauch der Tochter auf verschiedene Weisen, z.B. wie in dieser Arbeit beschrieben, bewältigen. Die Fähigkeit, trotz negativer Lebenserfahrungen, Ressourcen zu erkennen und zu mobilisieren, ist bei den Frauen sehr unterschiedlich ausgeprägt.

Nach der Aufdeckung eines sexuellen Missbrauchs  fühlen sich Mütter häufig allein gelassen und nicht adäquat unterstützt. Die Wartezeiten auf einen Therapieplatz Für das Kind sind in der Regel sehr lang. Zudem brauchen die meisten Mütter nach Offenlegung des sexuellen Missbrauchs  an ihrem Kind selbst Hilfe, um mit der extrem belastenden Situation besser umgehen zu können. Viele der spezialisierten Institutionen beraten die Mütter nur bis zur Aufdeckung und noch einen kurzen Zeitraum danach.

Den Mütter n sollten konkrete Erziehungshilfen zur Verfügung gestellt werden, z.B. in Form von Familien- oder Betreuungshilfen, die die Mütter im Umgang mit den sexuell Missbrauchten Kindern entlasten können. Für die konkrete Beratung ist es wichtig, den betroffenen Frauen vor allem ihre Fähigkeiten, Kompetenzen und Ressourcen zu stärken.

Nicht zuletzt müssten durch die öffentliche Hand mehr finanzielle Mittel Für Beratungsstellen, Fortbildungs- und Präventionsprogramme sowie Forschungsprojekte bereit gestellt werden. Und auch unter dieser öffentlichen Hilfe sowie unter Präventionsmaßnahmen wird es schwierig bleiben, dass der sexuelle Missbrauch an Kindern untersagt bzw. verhindert werden kann und dass die Mütter immer adäquat reagieren und helfen können. 

Literaturverzeichnis:

-Breitenbach, Eva: Mütter Missbrauchter Mädchen, Forschungsberichte des BIS, OsnabrÜck, Universität, Dissertation, 1991

-Dierkes, Ulrike M.: Meine Schwester ist meine Mutter, Düsseldorf. 1997

-Dorpart, Christel: Welche Frau wird so geliebt wie du, Berlin, 1987

-Dunand, Annelie: Der sexuelle Missbrauch von Kindern im Kontext von Familie und Gesellschaft, in: Kontext, Vol. 23, Nr. 1,6 – 19, 1993

-Enders, Ursula: Zart war ich, bitter war’s, Köln, 1990

-Gerwert, Ute: Sexueller Missbrauch an Mädchen aus der Sicht der Mütter , Frankfurt am Main, Peter Lang GmbH, Europäischer Verlag der Wissenschaften, 1996

-Hildebrand, Eva: Therapie erwachsener Frauen, die in ihrer Kindheit inzestuösen Vergehen ausgesetzt waren, in: Backe, Lone u.a.(Hg.): Sex. Mißb. von Kindern in Fam., Köln, 52-68.

-Hooper, Carol-Ann: Alternatives to collusion: The response of mothers to child sexual abuse in the family, in: Educational and Child Psychology, Vol. 6, No. 1, 22-30

-Kavemann Barbara/Lohstöter Ingrid: Väter als Täter, Hamburg, 1984

-Larson, Noel R.: Familientherapie mit Inzestfamilien in: Backe et al. S. 104-117, 1986

-May, Angela: Nein ist nicht genug, Ruhnmark. 1997

-Maisch, Herbert: Inzest, Hamburg, 1968

-Rijnaarts, Josephine: über den Vater –Tochter – Inzest, Düsseldorf, 1988

-Rommelspacher, Birgit: Sexueller Missbrauch von Mädchen. Femininistische Erklärungsansätze, in: Psychologie und Gesellschaftskritik, Jg. 52, Nr. 4, 87-103, 1989

-Thürmer-Rohr, Christina: Sexuelle Gewalt. Die alltägliche Menschenrechtsverletzung, Frankfurt/Main, 479-497, 1991

- Gerwert, Ute: Sexueller Missbrauch an Mädchen aus der Sicht der Mütter , Frankfurt am Main, Peter Lang GmbH, Europäischer Verlag der Wissenschaften, 1996


© Diese Seite gehört zur nternetpräsenz dr Bundesarbeitsgemeinschaft Prävention & Prophylaxe e.V.

Basiswissen ] Definition ] Opfer ] Tatorte ] Täter ] Mütter ] Medien ] Hilfe ] Vorbeugung ] Español ]

Achtung: Aufgrund unerträglicher Belastung durch Spam-Mails haben wir einen Schutz installiert, der gnadenlos alle Werbemails löscht. Falls Sie von uns in angemessener Zeit keine Antwort erhalten, versuchen Sie es bitte auf anderen Kommunikationswegen! Danke für Ihr Verständnis!

http://www.praevention.org, Griembergweg 35, D-12305 Berlin, Phone: +49-30-76503104,  Fax: +49-12120-299745 mail: info@praevention.org

letzte Aktualisierung am: 23. June 2008