Mutismus

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Literatur Mutismus Autismus

?Das Wort, das in den Raum gesprochen,
ohne Antwort bleibt, zerschellt und verweht;
es erstirbt, 

und die Stummheit ist die Folge.
"

                                                     Karl K?ig

 

Studienarbeit im Rahmen des Vordiploms
Fach: Erziehungswissenschaften

Pr?erin: Dr. Angela May

Tina Kathmann

TU ? Berlin, Fachbereich 02
Sommersemester 1999

1. Einleitung 

Der Begriff ?Mutismus? (psychogenes Schweigen) l?st sich u.a. im Zusammenhang mit Auflistungen m?licher Symptome bzw. Folgeerscheinungen bei sexuellem Missbrauch finden (z.B. K. Frei, 1997, S.47). Dabei f?lt auf, dass es sich um ein weitestgehend unbekanntes Erscheinungsbild handelt und die Verbindung gerade zu Missbrauch nicht n?er begr?det ist. ?nlich verh?t es sich auch mit dem Kenntnisstand zu Therapie- und Behandlungsm?lichkeiten. Die Tatsache, dass Mutismus relativ selten auftritt (die Angaben schwanken zwischen 1 bis 7 von 1000 in einer Klinik vorgestellten Patienten ) (vgl. R. Bahr, 1998, S.39 (pers. Anmerkung: bereits selektierter Personenkreis), wobei aber mit einer hohen diagnostischen Dunkelziffer gerechnet werden muss, scheint eine leichtfertige Begr?dung daf? zu liefern, dieses Gebiet zu vernachl?sigen. Nach Aussage von W. Falardeau (W. Falardeau, 1998, S.40f) gibt es innerhalb Deutschlands bislang keine Studie, die sich mit dem n?eren Zusammenhang zwischen Sprachbehinderungen und somit auch Mutismus und sexuellem Missbrauch besch?tigt. In der folgenden Arbeit soll daher der Versuch unternommen werden, den bisher au?r acht gelassenen Bezug im Ansatz darzustellen. Es soll vorab erw?nt werden, dass sich wie bereits festgestellt auf wenig Literatur zur?k greifen lie?und die nachfolgenden Theorien teilweise im Bereich eigener ?erlegungen liegen.

Die Studienarbeit gliedert sich wie folgt:

?       Im Anschluss an diese Einleitung wird im zweiten Kapitel der Begriff ?Sexueller Missbrauch? kurz definiert. Ferner sollen exemplarische T?ermechanismen genannt und in ihrer Bedeutung F? das F?len und Handeln sowie F? m?liche Folgen auf seiten der Opfer beleuchtet werden.

?       Im dritten Abschnitt wird versucht, die Bedeutung der Sprache und des Spracherwerbs in Hinblick auf die Pers?lichkeitsentwicklung und gesellschaftliche Integration des Kindes darzustellen.

?       Daran anschlie?nd findet sich in Kapitel 4 eine ?nliche Erl?terung des Begriffes ?Schweigen?, um aus diesem Kontext heraus die Tragweite des ?pl?zlichen? Verstummens besser erfassen zu k?nen .

?       Der 5. Abschnitt enth?t den inhaltlichen Hauptteil dieser Arbeit, d.h. eine eingehende, soweit bekannt, Beschreibung des Krankheitsbildes ?Mutismus? einschlie?ich m?licher ?iologischer Faktoren.

Mit dem darauf folgenden Kapitel 6 wird der Versuch unternommen, eine Verbindung zwischen Missbrauch und Mutismus herzustellen, sowie die einzelnen Abschnitte untereinander besser zu verkn?fen.

?       Schlussbemerkung

2. Sexueller Missbrauch

Mit dieser Arbeit soll ein grundlegendes Verst?dnis daf? erworben werden, weshalb Mutismus, also ein Verstummen nach weitgehend abgeschlossener Sprachentwicklung und bei intakten Sprachorganen, als eine Folge des sexuellen Missbrauches auftreten kann. Aus Gr?den der in diesem Rahmen mangelnden Kapazit? wird von einem informierten Leser ausgegangen und der sexuelle Missbrauch nicht in seiner Komplexit?, sondern nur in seiner mit der Themenstellung direkt verbundenen Bedeutung dargestellt.

2.1 Definitionskriterien und Basisinformationen

F? den sexuellen Missbrauch finden sich in der Literatur unz?lige Definitionen in den unterschiedlichsten Auspr?ungen bis hin zu detaillierten Nennungen und Beschreibungen. Hier soll zun?hst in verk?zter Form die Begriffsbestimmung von Karin Frei (vgl. K. Frei, 1997, S. 12) wiedergegeben und um einige Aspekte erg?zt werden. Es hei? dort, dass sexueller Missbrauch immer dann gegeben ist, wenn ein Jugendlicher/Erwachsener sich F? seine sexuelle Erregung/Befriedigung eines Kindes bedient (k?perlich, verbal oder auch visuell). Aufgrund des Alters- und Entwicklungsunterschiedes besteht ein eindeutiges Macht- bzw. Abh?gigkeitsverh?tnis und in den meisten F?len sogar eine Vertrauensbeziehung. Da ca. 90% aller Taten Beziehungstaten (vgl. A. May, 1996, S. 12) sind, ist die wohl vordergr?digste Verletzung eben die des Vertrauens. In der Regel geht der sexuelle Missbrauch mit einer Form des physischen und/oder psychischen Zwanges einher, auf den sp?er noch ausf?rlicher eingegangen wird. In Anlehnung an Dr. A. May soll an dieser Stelle ausdr?klich erw?nt werden, dass der Missbrauch seinen Schwerpunkt nicht in der Sexualit?, sondern in dem Machtbed?fnis und der Machtaus?ung hat (vgl. A. May, 1997, S. 226). Irrelevant F? eine Kategorisierung sind der Aspekt der ?Zustimmung? von Seiten des Kindes und die Frage, ob es sich selbst als Opfer betrachtet.

?nlich wie mit der Definition verh?t es sich auch mit empirischen Daten. Die verschiedenen Studien bilden in Bezug auf ihre Zahlen keinen einheitlichen ?erblick. Bange (D. Bange, 1990) geht laut seiner Untersuchung davon aus, dass ungef?r jedes 4. M?chen und jeder 12. Junge sexuell missbraucht werden. In Anbetracht dessen, dass seine Studie anhand einer Studentenumfrage erfolgte, sind gewisse Zweifel an diesen Zahlen, insbesondere an der H?figkeit bei Jungen, durchaus berechtigt. Es bestehen immerhin die M?lichkeiten, dass Missbrauchserfahrungen verdr?gt wurden, oder trotz der gew?rleisteten Anonymit? aus Scham, die bei M?nern von noch st?kerer Bedeutung ist, nicht preisgegeben werden wollen. Dr. A. May z.B. geht vergleichend dazu in Anlehnung an das BKA von einer rein statistischen H?figkeitsverteilung von ca. jedem 3. M?chen und ca. jedem 7. Jungen aus (vgl. A. May, 1996, S. 8).

Allgemein ist man sich dessen bewusst, dass von einer einmalig hohen Dunkelziffer ausgegangen werden muss, welche sich z.B. bei Bange auf 1:20 bel?ft. J?rlich wird also allein innerhalb Deutschlands unterschiedlichen Studien zufolge von ca. 80.000 bis 300.000 betroffenen Kindern ausgegangen (vgl. U. Enders, 1997, S.14). Entgegen der landl?figen Vermutung, sexueller Missbrauch f?de vorwiegend in der Pubert? statt, sind nach Angaben des BKA (nach K. Frei, 1997, S. 18) 45% aller Opfer unter 10 Jahren alt, viele davon S?glinge und Kleinkinder. T?er sind abweichenden Aussagen zufolge zwischen 93-99% m?nlich und 1-7% weiblich. M?ner missbrauchen zu 80-90% M?chen und zu ca. 20% Jungen (vgl. K. Frei, 1997,  S. 18ff ). Der Missbrauch im famili?en Nahbereich nimmt dabei die h?hste Stellung ein, so dass in etwa 10% aller Familien mit Inzest gerechnet werden muss. (nach W. Falardeau, 1998, S.64) ?Dort, wo Kinder einen Schutzraum haben sollten und wo sie das gr?te Vertrauen haben - n?lich in ihrer Familie - dort kommt sexueller Missbrauch am h?figsten vor, besonders F? M?chen.? (zit. nach K. Frei, 1997, S.19)

Diese Tatsache ist nun in mehrerer Hinsicht bedeutsam: Zum einen ist der bereits erw?nte Vertrauensmissbrauch hier selbstverst?dlich von besonderer Intensit?. Dies und das Leben zwischen zwei Welten, zwischen geliebter Familie einerseits und Missbrauch andererseits, ruft eine noch st?kere Traumatisierung hervor. Zuz?lich wird das Problem des Sich-mitteilen-K?nens erschwert, denn selbst wenn sich au?rfamili? eine Vertrauensperson finden l?st, und das Kind entgegen aller Drohungen und ?gste von dem Missbrauch erz?lt, so bleibt es dennoch fraglich, ob diesem Kind angesichts einer vielleicht sogar vorbildlichen Familie Glauben geschenkt wird. Die Hemmschwelle, Familienmitglieder zu verd?htigen, ist trotz eindeutiger statistischer Sachlage immer noch sehr hoch.

Der oben mit psychischem Zwang angedeutete Geheimhaltungsdruck l?st sich innerfamili? relativ leicht realisieren, ist jedoch von ??rster Wichtigkeit, denn der Inzest ist eine ?Wiederholungstat mit Suchtcharakter?.( W. Falardeau, 1998, S.68) So kann er sich inhaltlich zu besonderer Grausamkeit entfalten. Das sog. ?Urvertrauen? des Kindes, insbesondere den Eltern aber auch allgemein Erwachsenen gegen?er, beg?stigt den Missbrauch und seine Geheimhaltung. Erwachsene werden als Vorbilder erlebt, ein Autorit?sgef?e anerzogen, und somit ?trauen [Kinder] ihnen keine b?en Absichten zu? (K. Frei, 1997, S.31). Der Glaube daran, alles geschehe aus ?Liebe?, sei v?lig ?normal? und dass ?das jeder Vater tut? kann gerade in M?chen leicht geweckt werden. Aus diesen Gr?den ist eine besondere Strategie zur Erzeugung des Schweigens h?fig gar nicht erst notwendig. Sollte sie aber doch zum Tragen kommen, so nimmt sie wohl eine dem eigentlichen Missbrauch nahezu gleichrangige Position der psychischen Belastung ein.

Kommt der T?er nicht aus dem engeren Familienkreis, so k?nte er zun?hst Defizite des betreffenden Kindes ausfindig machen und diese zu f?len versuchen (Unternehmungen, Zuwendung, Geld, etc.). Auf diese Weise erwirbt er sich sukzessive das Vertrauen. Leichter ist es F? den Kindern besser bekannte Personen, zu denen au?rdem ein Abh?gigkeitsverh?tnis besteht (z.B. Lehrer). In jenen F?len wird diese Abh?gigkeit ausgenutzt und das Kind beispielsweise mit besseren Noten gelockt. (vgl. K. Frei, 1997, S.70) Innerfamili? er?rigen sich diese Ann?erungen, da ein Kontakt nicht erst hergestellt werden muss.

Wie ist es nun aber m?lich, dass Betroffene sich nicht wehren, indem sie den Missbrauch offen legen? Eine der wohl h?figsten Ma?ahmen besteht darin, das Opfer zur/zum ?Verb?deten? und somit ?Mitschuldigen? zu erkl?en. Entweder baut sich dieses Gef?l ?von selbst? auf, indem sich Missbrauchssituationen langsam steigern und das Kind, welches anf?glich weder Verst?dnis noch Begriffe F? das Geschehene hat und so ?er sich ergehen l?st, die Angst hat , nicht fr? genug eingeschritten und vielleicht gar ?Herausvorderer? zu sein. ?Die meisten Opfer k?nen anfangs nicht ?Nein? sagen und bekommen das Gef?l, selbst beteiligt zu sein. [...] Betroffene finden sich somit in ihrer inneren Wahrnehmung immer schon in einer schuldigen Position.? (U. Enders, 1997, S.47). Diese Sorge kann aber auch durch direkte ??rungen des T?ers suggeriert werden, wie z.B.: ?Du willst das doch auch.? oder ?Das hat dir Spa?gemacht.? In vielen F?len kommt hier noch eine erfolgte sexuelle Stimulans hinzu, die die Grenze zwischen ?gewollt? und ?gezwungen? g?zlich verwischen kann. Bei einem solchen Erleben schweigt das betroffene Kind aus Scham- und Schuldgef?len heraus. (vgl. W. Falardeau, 1998, S.69) Die Tatsachen verkehren sich derartig, dass es hier das Kind ist, welches die Aufdeckung des Missbrauches F? chtet und sich mit entsprechenden Drohungen unter Druck setzen l?st.

Ferner bedienen sich T?er einer Strategie, die sich vornehmlich bei kleineren Kindern anwenden l?st. Sie titulieren den Missbrauch als ?kleines Geheimnis? (vgl. K. Frei, 1997, S.128f ). Geheimnisse erhalten in den Augen des Kindes ein sehr spezielles Gewicht. Zum einen sind sie nat?lich von besonderer Faszination, und zum anderen haben Kinder gelernt, ?er sie nicht sprechen, sie nicht ?verraten? zu d?fen. Schon ?ein Geheimnis bewahren zu k?nen? ist demnach eine hohe Auszeichnung und gilt durchaus als erstrebenswert. So geraten Kinder in einen enormen Gewissenskonflikt zwischen dem eigenen Mitteilungswunsch und dem gegebenen Versprechen.

Es gibt aber auch Situationen, in denen die Recht-/Unrechtstrukturen deutlich differenziert werden und ein ?Geheimnis? allein das Schweigen nicht mehr garantiert. In solchen F?len wird meist zu einer massiven Drohung gegriffen: Wenn du etwas verr?st, ?hat dich keiner mehr lieb? oder ?kommst du ins Heim? oder ?bringe ich mich um? u.s.w. (vgl. K. Frei, 1997, S.128f ) Das Kind schweigt aus Angst. Es will weder die Schuld F? das Ungl?k der Familie tragen, noch w?de es verkraften, selbst versto?n zu werden.

Die M?lichkeiten der Aufoktroyierung eines Geheimhaltungsdruckes sind damit lange nicht ersch?ft, doch bietet sich bereits ein Eindruck, wie unumg?glich solche Mechanismen F? Kinder erscheinen m?sen.

2.2 Innenwelt und unbemerkte Signale

Bei sexuell missbrauchten Kindern ist das Innenleben zwangsl?fig aus dem Gleichgewicht gebracht. Infolgedessen l?st sich eine Vielzahl verschiedener Verhaltensmerkmale beobachten. Diese Anzeichen m?sen keineswegs immer auf einen Missbrauch zur?k zuf?ren sein, ebenso wie nicht jeder Missbrauch die gleichen Erscheinungen hervorruft, dennoch bleibt eine gewisse ?ereinstimmung der Verhaltensmuster bestehen. An dieser Stelle soll lediglich auf die beiden Oberkategorien verbal/nonverbal hingewiesen werden.

Mit einem sexuellen Missbrauch ?werden Gef?le wie Angst, Ekel, ?erreizung, Hilflosigkeit, Beschmutzung, Scham und Schuld ausgel?t, und das Kind erlebt einen Vertrauensbruch? (K. Frei, 1997, S.15). So ist es nur allzu einleuchtend, dass jedes betroffene Kind individuelle Signale aussendet, die es nur richtig zu verstehen gilt.( vgl. U. Enders, 1997, S.45) In eben jenem Punkt scheint jedoch die Schwierigkeit zu liegen. Verbale Hinweise sind bei Babys und Kleinstkindern selbstverst?dlich nicht zu erwarten, doch es lie?n sich bei entsprechender Aufmerksamkeit auff?lige Angstreaktionen bemerken und auch deuten. Missbrauch an S?glingen scheint F? viele jedoch noch heute so abwegig, dass ein diesbez?licher Verdacht nicht in den Sinn kommt.( vgl. K. Frei, 1997, S.31) ?tere Kinder befinden sich teilweise in der Zerrissenheit, insbesondere wenn der T?er nahes und geliebtes Familienmitglied ist, zwischen Angst, Scham und zugleich Liebe und Zuneigung zu dem Missbraucher. Sie wollen nicht wahrhaben, dass ein geliebter Mensch ihnen derartiges antut. (vgl. K. Frei, 1997, S.34 und 36) Dieses g?zliche Unverst?dnis f?rt dazu, dass sich F? das Erlebte einfach keine Worte finden lassen, geschweige denn der Mut, diese auszusprechen.

Resultierend aus der situativen ?erforderung  besteht eine regelrechte Sprachlosigkeit, die in dem autobiographischen Roman ?Die verborgene Wirklichkeit? von H. Merz sehr eindringlich geschildert wird: ?Meine Gef?le ?ersetzten sich in meinem Bewusstsein nicht mehr in Worte, ich dachte nicht mehr in Begriffen, in S?zen, in sprachlichen Einheiten, ich konnte ?erhaupt nichts begreifen, es war unfasslich, ich konnte es nicht benennen, es gab keine Erkl?ung daf? .? (zit. nach W. Falardeau, 1998, S. 41)

Aus einer solchen stummen Verzweiflung heraus wird wohl eher selten ein verbaler Hilferuf erfolgen, vielmehr ist man hier auf die Deutung anderer Anhaltspunkte angewiesen, die z.B. im Bereich der K?persprache auftreten k?nen (der Mund wird bei einem zu erwartenden Kuss fest verschlossen; der T?er wird weg geschoben etc.). Eben jene Verhaltensweisen werden h?fig jedoch ?ersehen, nicht ernst genommen oder im Extremfall sogar als blo? Unh?lichkeit und Ungezogenheit aufgefasst und dementsprechend bestraft.

Doch noch eine weitere und vielleicht sogar tragischere Form des erfolglosen Auf-sich-aufmerksam-Machens soll an dieser Stelle erw?nt werden. Einige missbrauchte Kinder bringen n?lich allen bisher genannten hemmenden Faktoren zum Trotz den Mut auf, ?er das Erlebte zu sprechen, oder es zumindest anzudeuten. Leider machen diese Kinder zu einem ersch?ternden Prozentteil (ca. 70 % erhalten keine Unterst?zung [vgl. A. May, 1996, S. 9]) die Erfahrung, dass ihre Hinweise entweder schlicht ??erh?t? und nicht ernst genommen werden, oder dass ihnen nicht geglaubt wird. (vgl. U. Enders, 1997, S.45) Das Zweifeln an der eigenen Wahrnehmung (?F? das Opfer besteht fast immer die Ungewissheit, ob sie/er sich nicht vielleicht t?scht.? [U. Enders, 1997, S.55]) wird dadurch nur noch verst?kt, der Missbrauch dauert an, die Scham ?er das vermeintlich eigene ?Mittun? w?hst, gezielte Drohungen der T?er (vgl. K. Frei, 1997, S. 36) (?Dir glaubt sowieso niemand?) sehen sich best?igt. Die eigene Widerstandskraft zerbricht, indem Signale ?ergangen, nicht geglaubt oder sogar negativ bewertet werden. (vgl. U. Enders, 1997, S.106) Somit wird auch hier bis auf wenige Ausnahmen das letztendliche Stillschweigen die Folge sein.

2.3 Folgen (vgl. versch. Quellen, wie Frei, Bange, Enders)

Der Begriff ?Folgen? l?st sich in diesem Zusammenhang nur schwer und teilweise sogar gar nicht von dem Begriff ?Symptom? differenzieren. Die meisten, und das gilt auch F? die nachfolgend genannten, Verhaltensauff?ligkeiten sind bereits kennzeichnend und somit symptomatisch F? sexuellen Missbrauch, aber eben gleicherma?n auch noch sp?erhin beeintr?htigende Folgeerscheinung. (vgl. K. Frei, 1997, S.65)

Hier ist, wie bereits unter Kapitel 2.2 gesagt, zu ber?ksichtigen, dass der Komplex der Symptome und Folgen ein sehr individueller und daher von rigiden Generalisierungen abzusehen ist.

Sch?en entstehen F? das betroffene Kind sowohl auf physischer und psychischer als auch auf sozialer Ebene. Sie reichen von Schlaf- und Konzentrationsst?ungen ?er Phobien und Psychosen bis hin zu Suizidalit?. Einige der Erscheinungen stehen inhaltlich mit dem Mutismus in engerem Zusammenhang und seien aus diesem Grunde eingehender ber?ksichtigt.

In sozialer Hinsicht ist zun?hst der Komplex der Beziehungsschwierigkeiten zu nennen, welcher u.a. Verschlossenheit, Einzelg?gertum, Fremdeln, Ber?rungs?gste und ?ersteigertes Misstrauen umfasst. Da der sexuelle Missbrauch gerade auch einen Vertrauensmissbrauch darstellt, ist letzteres besonders einleuchtend und spielt auch hinsichtlich des Sich-niemandem-anvertrauen-K?nens  noch w?rend des Missbrauches eine entscheidende Rolle. Urs?hlich ist die erworbene ?Grundeinstellung, dass N?e und Vertrauen ?Gefahr im Verzuge? bedeutet? (U. Enders, 1997, S.43). Der so verk?perte soziale R?kzug ist leicht mit einem kommunikativen R?kzug zu vereinen und findet in vollst?digem Verstummen seine h?hste Form. Der Bereich der Pers?lichkeitsst?ungen, psychische Ebene, ist ersch?ternd umfangreich, explizit erw?nt seien jedoch vor allem ?gste und Psychosen, aber auch die M?lichkeit der erh?ten Wut und Aggression verbunden mit extremem Machtstreben. Bei allen Aspekten l?st sich eine Duplizit? zu den Verhaltensauff?ligkeiten mutistischer Kinder finden, welche auf einen gemeinsamen Ausl?er hindeuten k?nte.

Nun bliebe noch der physische oder wohl zutreffender der psychosomatische Bereich zu nennen, in dem zusammenh?gend mit dieser Arbeit vor allem die h?fig beobachteten verschiedenen Sprachst?ungen auffallen. So, wie behinderte Kinder in Bezug auf sexuellen Missbrauch besonders gef?rdet sind, so ist es auch umgekehrt m?lich, dass Missbrauch eine Behinderung verursacht. (vgl. W. Falardeau, 1998, S.40) Beispielhaft hierf? soll die Geschichte eines 5j?rigen M?chens sein, welches in einen Kindergarten F? Sprachbehinderte kam, und erst Monate sp?er der Zusammenhang zu erlebtem Missbrauch aufgedeckt wurde. ?Trotz normaler Intelligenz befindet sie sich auf dem Sprachstand eines etwa dreij?rigen Kindes und braucht intensive sprachtherapeutische Hilfe. Monatelang traut sie sich kaum, den Mund aufzumachen, und wenn sie etwas sagt, dann ist es eher ein Fl?tern als ein Sprechen. Der gesamte Mundbereich wirkt starr, und es ist, als habe sie Angst, die Lippen zu bewegen.? (W. Falardeau, 1998, S.27)

Das Resultat einer Sprachbehinderung l?st sich auf verschiedene Weise erkl?en. Zum einen besteht eine enge Verbindung zu Entwicklungsst?ungen. Vor allem bei sehr kleinen Kindern ist der Missbrauch h?fig ein oraler und f?lt zeitlich mit der Hirnreifung und Sprachentwicklung zusammen. So kann ein derartigen Erlebnis nicht nur zu Auff?ligkeiten im Mundbereich, wie R?ungen oder Starrheit, sondern auch zu St?ungen auf der Lautebene (Artikulationsst?ungen) sowie zu Beeintr?htigungen des Spracherwerbs und der Kommunikation f?ren. (vgl. W. Falardeau, 1998, S.41 und 43)

Ein weiterer sich auf die Sprachentwicklung negativ auswirkender Faktor ist der bereits mehrfach angesprochene Geheimhaltungsdruck. ?Mit dem Schweigegebot [...] wird dem Kind die M?lichkeit genommen, das Geschehene zu versprachlichen, durchzuarbeiten und zu integrieren. Statt dessen wird es verleugnen, uminterpretieren, verdr?gen oder abspalten.? (W. Falardeau, 1998, S.42) Schamgef?l, Angst oder auch sprachliches Unverm?en k?nen zur Folge haben, dass Kinder aufgrund dieses Spannungsverh?tnisses zwischen sagen-wollen und nicht-sagen-k?nen (-d?fen) eine Sprechblockade entwickeln. Weiterhin ist denkbar, dass Worte in ihrer potentiellen Gefahr erkannt und daher umgangen werden, was wiederum eine gesamtsprachliche Beeintr?htigung nach sich z?e. (vgl. W. Falardeau, 1998, S.42)

3. Sprache und ihre Bedeutung

Um die Tragweite des unter Kapitel 5 ausf?rlicher beschriebenen psychogenen Sprachverlustes ?erhaupt einsch?zen zu k?nen, wird im folgenden Abschnitt zun?hst in die Bedeutung der Sprache und des sukzessiven Spracherwerbs innerhalb der kindlichen Entwicklung eingef?rt.

?Sprachen dienen der menschlichen Kommunikation, d.h. der Mitteilung von Gedanken, dem Ausdruck von Gef?len und der Durchsetzung von Absichten.? (Duden der Philosophie, 1985, S. 393) Ferner ist Sprache sehr eng an Denken gebunden. Wenn also eine beliebige Art von Umwelteindruck oder ‑geschehen kognitiv erfasst werden soll, so bedarf es dazu der Sprache. Im Extrem hie? das mit Worten Heideggers: ?Sein, das verstanden werden kann, ist Sprache.? (Heidegger zit. bei G. Wirth, 1983, S. 62) Somit ist wohl bereits einleitend deutlich, welch zentrale Rolle diesem Medium im Rahmen jeglicher Interaktion sowie der Pers?lichkeitsentwicklung zukommt.

3.1 Spracherwerb und kindliche Entwicklung

Mit der Geburt befindet sich der S?gling im Stadium der v?ligen Hilflosigkeit und Abh?gigkeit, aus welcher heraus er sich nur mit Hilfe von Unterst?zung und F? sorge entwickeln kann. Wie bei Sozialisation im Allgemeinen ist eine gesunde und positive Entwicklung nur aus einem gesch?zten und best?digen Gef?e m?lich. Erf?rt ein Kind keine ausreichende Umweltkonsistenz, so entsteht eine Verhaltensunsicherheit, die bis in soziale Apathie m?den kann. In der folgenden ?ersicht seien die sprachlichen Entwicklungsschritte kurz dargestellt und anschlie?nd in ihrer Bedeutung erl?tert, wobei von den o.g. unterst?zenden Umweltfaktoren ausgegangen wird.

Abfolge der Sprachentwicklung (vgl. G. Wirth, 1983, S. 92)

?       Schreiperiode bis 7. Woche (Reflexschreie)

?       Erste Lallperiode (Affekt??rung) 6. Woche bis 9. Monat

?       Zweite Lallperiode (absichtliche Selbst- und Fremdnachahmung) 6. bis 9. Monat

?       Beginnendes Sprachverst?dnis ab 8. Monat

?       Beginn zweckbestimmter Sprach??rungen 9. bis 12. Monat

?       Stufenweiser Erwerb von Syntax und Grammatik beginnend mit Ein-Wort-S?zen ab dem 12. Monat

Die Entfaltung der kindlichen Sprache beginnt mit dem Moment des ersten Schreies. Die Lallperioden befinden sich noch auf einem vorsprachlichen Niveau, aber bereits hier ist zu beobachten, dass sich von der Au?nwelt zur?k nehmende autistische Kinder deutlich weniger lautieren als andere. Sprache und zuvoriges Lallen sind also Ausdruck F? Kontaktaufnahme und das Anstreben einer Du- oder Objektbeziehung. Mit dem ?ergang von der Lallperiode zu wachsendem Sprachverst?dnis wird Sprechen auch zunehmend in seiner Funktion erfasst. Sobald n?lich Bezugspersonen zwischen zufriedenen  und missgestimmten Laut??rungen zu differenzieren verm?en, macht das Kleinkind die Erfahrung, wie es manipulativ auf sein Umfeld einwirken und auf eigene Bed?fnisse aufmerksam machen kann. Das erste St?k Unabh?gigkeit wird erreicht, indem nun eine winzige M?lichkeit des steuernden Eingreifens besteht. Mit der Verkn?fung spezifischer Laute oder bereits Worte und der damit hervorgerufenen Reaktion kristallisiert sich F? das Kind die ?Funktion der Sprache als Mittel der sozialen Kontrolle heraus?. (C. M?lfeld, 1975, S. 47)

Im weiteren Verlauf der sprachlichen Reife wird jedoch noch eine zweite Bedeutung von Sprache erfahren. Das kindliche ?Selbstgespr?h? versinnbildlicht die Struktur gebende Komponente, die es dem Kind erm?licht, seine Umwelt zu ?benennen? und somit auch besser zu verstehen. Auch noch im Erwachsenenalter lassen sich sog. Selbstgespr?he in Situationen finden, in denen eine zus?zliche Strukturierung der Gedanken n?ig erscheint. Als Beispiele hierf? seien pers?liche Problem- oder Streitsituationen sowie die Erforderung hoher Konzentration bei z.B. feinmotorischen Ausf?rungen genannt.  Das Wahrgenommene kann in  ?Worte gefasst?  internalisiert und ggf. gesteuert werden.

Um noch einmal auf den o.g. Zusammenhang von Denken und Sprechen zur?k zukommen, so ist auch hier das Element der Strukturgebung wieder zu finden. Wie h?fig wird doch erst richtig deutlich, was in das gesprochene Wort umgesetzt und nicht nur gedacht wurde. Ein beliebtes Beispiel des Sprachforschers Jaspersen beinhaltet die Bitte eines M?chens: ?Lass mich doch sprechen, damit ich wei? was ich denke!? (zit. nach K. K?ig, 1994, S. 42)

Mittels Sprache erobert sich das Kind die Welt, und alles, was mit Worten benannt werden kann, wird in diese aufgenommen. Kommunikation ist es, die Verbindung schafft zu anderen Sprechenden und die das Kind Mitglied werden l?st in der Sprachgemeinschaft. Sie selbst wird somit zum sozialen Gebilde. (vgl. K. K?ig, 1994, S. 54) Der Erwerb des Sprachverm?ens verl?ft demnach analog zu dem gesellschaftlichen Integrationsprozess eines Kindes. Das gesunde Kind erlebt diesen sukzessiven Prozess mit Freude und hat ein immenses Bed?fnis nach Mitteilung und Austausch. dass dieser landl?fig so selbstverst?dliche Entwicklungs- und gemessen an gesellschaftlicher Teilhabe auch Fortschritt vom Kind selbst je zur?k genommen w?de scheint demnach undenkbar.

4. Schweigen und seine Bedeutung

Nachdem im vorangegangenen Kapitel kurz die Bedeutung der Sprache und des Spracherwerbs innerhalb der kindlichen Entwicklung dargelegt wurde, soll nun eine ?nliche inhaltliche Definierung des Begriffes ?Schweigen? vorgenommen werden. Auf diese Weise m?e sich ein verbesserter kontextueller Zugang zu Mutismus bieten.

?Reden ist Silber, Schweigen ist Gold?, so lautet das allgemein bekannte Sprichwort. Doch wie verh?t es sich tats?hlich mit dem Schweigen? Jedem werden situative Schweigegebote bekannt sein, insbesondere kulturell bedingte, ein generelles Nicht-Sprechen jedoch st?t vermutlich weniger auf eine wie o.g. positive Assoziation. In jedem Fall weckt sie wohl kommunikative Verunsicherung, da Schweigen zum einen den Schweigenden einschlie? und zum anderen das jeweilige Gegen?er ausschlie?. Ein weiterer Faktor der Verunsicherung resultiert aus der Bandbreite der Interpretationsm?lichkeiten von Schweigen. Kaum eine andere Form der Kommunikation, und Schweigen ist bekanntlich Teil derselben, verursacht derart viele Missverst?dnisse.

4.1 Funktionen des Schweigens

Die Funktionen des Schweigens (vgl. R. Bahr, 1998, S.86 ff ) gliedern sich analog zur Sprache in drei Bereiche, die syntaktische, die semantische und die pragmatische Funktion. Die Rolle der ersten Kategorie ist leicht verst?dlich und besagt, dass Schweigen ?gliedert?. Die semantische Funktion beschreibt die Ebene der Bedeutung, und da auch das Nichts interpretiert wird, hat auch Schweigen eine Bedeutung. Genau an dieser Stelle liegt nun aber das bereits erw?nte Problem: Schweigen verf?t ?er keine klare Codierung, kann folglich alles und nichts bedeuten und wird beliebig interpretiert. Diese Schwierigkeit bezieht sich auch auf die dritte und letzte Funktion, n?lich die pragmatische, welche Aussagen ?er den Beziehungsaspekt macht. Auch hinsichtlich einer Beziehungsebene ist Schweigen so oder so interpretier- bzw. fehlinterpretierbar. ?Der Sinn des Schweigens ist demzufolge nicht geregelt.? (R. Bahr, 1998, S.88) Dennoch scheint es eine allgemeing?tige Aussage zu geben, die beinhaltet, dass sich der alleinig Schweigende in die Isolation begibt. Nach Zelig steht ein Nichtaussprechen F? das innere Abschlie?n von Gedanken und Emotionen mit dem Ziel, diese somit auch F? sich selbst weniger bewusst zu halten und zu verleugnen. (vgl. R. Bahr, 1998, S. 88)

4.2 Typologie des Schweigens

Zimmermann (in R. Bahr, 1998, S.89) hat neben den eben genannten Funktionen eine ?Typologie des Schweigens? (bei ihm beinhaltet diese auch Nicht-Schreiben) erstellt, auf die im folgenden eingegangen werden soll.

Zimmermann differenziert in:

?       ein Schweigen-Wollen

?       ein Nicht-Reden-D?fen

?       ein Nicht-Reden-K?nen

?       einen Ausdruck der Zwecklosigkeit in Bezug auf das Reden

Das Schweigen-Wollen ist in der Regel ein freiwilliges. Es kann sich dabei um einen generellen Verzicht jeglicher sozialer Kontakte (Eremit), aber auch um eine partielle Entscheidung handeln, bei der sich das Schweigen z.B. auf bestimmte Personen oder Themen bezieht (Verschwiegenheit / berufliche Schweigepflicht etc.).

Die Bedingungen, unter denen man nicht reden darf, sind zumeist gesellschaftlicher Natur. Dazu z?len beispielsweise Gottesdienste und Beerdigungen, aber auch in einigen F?len Redeverbot bei Tisch oder F? M?ner bzw. Frauen in streng kulturellen bzw. feministischen Kreisen.

Nicht-Reden-K?nen beschreibt hier kein physiologisches Defizit, sondern bezieht sich auf Situationen, in denen es einem f?mlich ?die Sprache verschl?t?. Es wird geschwiegen, ?weil man bestimmte Themen oder Sachverhalte sprachlich nicht bew?tigen kann, oder die sozial g?tigen Register, die F? ein bestimmtes Thema in einer bestimmten sozialen Gruppe gelten, nicht beherrscht? (R. Bahr, 1998, S.90).

Die Zwecklosigkeit des Redens manifestiert sich daraus, dass urspr?gliche Redeintentionen nicht (mehr) erreicht werden k?nen, wof? verschiedene Ursachen, wie z.B. Desinteresse, Verst?dnislosigkeit, mangelndes Zuh?en bzw. Glaubenschenken oder ?nliches, denkbar sind.

Um einen Bogen zu schlagen vom Schweigen einzelner zum Schweigen aller sei hier in Anlehnung an Bellebaum (vgl. in R. Bahr, 1998, S.90) auf die ?Mauern des Schweigens? auf gesellschaftlicher Ebene verwiesen. Fraglich ist in diesem Zusammenhang, unter welche der soeben genannten Kategorien das Verschweigen von Kindesmisshandlung, Inzest, Vergewaltigung in der Ehe etc. wohl fallen d?fte.

4.3 Selbstenth?lungskontrolle

In den vorherigen Abschnitten wurde zun?hst der funktionale und dann der ursachenorientierte Aspekt des Schweigens ber?ksichtigt. Im folgenden richtet sich der Blickwinkel jedoch eher auf die eigentliche Substanz des Schweigens ?er die eigene Person.

Ungef?r ab der Mitte des zweiten Lebensjahres verf?t das Kind ?er ein gewisses Selbstbewusstsein, dem die Verwendung der Worte ?ich? und ?mein? folgt. Um das 4. Lebensjahr herum entwickeln Kinder die F?igkeit, ?er sich selbst gezielte Aussagen machen zu k?nen und sich der Wirkung derer auf andere bewusst zu sein. Seit dem Moment, ab dem Kinder in der Lage sind, zwischen sich und ihrem Umfeld kommunikativ zu differenzieren, m?sen sie abw?en, wie viel und vor allem was sie von sich preisgeben m?hten. Selbstenth?lung und Nichtenth?lung stehen sich seitdem innerhalb jeder Kommunikation aktiv gegen?er. Beweggr?de F? die Wahl der Nichtenth?lung sind affektive Hemmungen, wie beispielsweise Scham, Angst etc. ?Die wohl fr?este Form des Schweigegebots, die wir als Vorl?fer einer eigentlichen Selbstenth?lungskontrolle ansehen k?nen, ist die Stigmatisierung von Tabuw?tern und Familiengeheimnissen.? (zit. nach R. Bahr, 1998, S.97) D.h. Kinder lernen fr?, etwas nicht sagen zu d?fen und erleben Situationen, in denen sie etwas wissen, was andere nicht wissen (sollen). Parallel dazu beobachten sie in ihrem (famili?en) Umfeld die Relevanz der Wahrung der Privatsph?e und internalisieren somit einen hohen Stellenwert der Informationskontrolle.

Auf dem Weg zu einem gesunden Gleichgewicht und somit auch zu einem gewissen Anteil an Selbstenth?lung spielen verschiedene Faktoren eine Rolle. Zum einen sind es normative Erwartungen ?er das, was gesagt werden darf und was nicht,  an denen sich Kinder orientieren, und zum anderen ist die direkt erfahrene Reaktion von starker Beeinflussung. Ist mit Sanktionen oder ?nlichem zu rechnen, so wird das Kind in der Regel Selbstenth?lung vermeiden. Kriebel nennt dies ?passives Vermeidungsverhalten? und meint damit in Anlehnung an das Reiz-Reaktions-Modell, dass eine gewisse Verhaltensweise gehemmt wird, sobald sich mit ihr eine negative Reaktion und somit die Angst verbindet. ?Bei der Sprechangst ist die konditionierte antizipatorische Angstreaktion auf das Sprechen bezogen, das Redeverhalten wird gehemmt und Schweigen zur passiven Vermeidungsreaktion.? (R. Kriebel, 1984, S.21) Verschweigen wird demnach sehr fr? als wirkungsvolle Strategie entdeckt, sich negativen Konsequenzen zu entziehen. H?fig wird z.B. der Vater als das strengere Elternteil empfunden, woraus resultiert, dass Kinder im allgemeinen der Mutter gegen?er zu mehr Selbstenth?lung neigen. In Bezug auf die so angestrebte Nichtenth?lung stellt sich jedoch folgendes Problem: Auch Nichtenth?lung verf?t ?er Selbstenth?lungscharakter, insbesondere das Schweigen. Die enth?lende Komponente der Nichtenth?lung besteht n?lich genau darin, zu erkennen zu geben, dass es etwas zu ?verh?len? gibt.

Es existieren selbstverst?dlich weit mehr als die hier ber?ksichtigten Aspekte des Schweigens, doch da dieses Kapitel vornehmlich einem verbesserten Zugang zu elektivem Mutismus dienlich sein soll , wird es an dieser Stelle beendet.

5. Mutismus

Wie bereits erw?nt, stellt der Mutismus besonders im deutschsprachigen Raum ein recht vernachl?sigtes Thema dar, dem erst zu Beginn der neunziger Jahre etwas mehr an Aufmerksamkeit zuteil kam. Dennoch lassen sich im wesentlichen nur zwei aktuellere und ausf?rliche Literaturgrundlagen finden, die Arbeiten von Boris Hartmann und von Reiner Bahr, auf die sich die folgenden Angaben haupts?hlich st?zen werden. Mutismus ist ein sehr komplexer Themenkreis mit vielen sich teilweise widersprechenden Theorien, was wiederum als Hinweis auf ungenaue Kenntnis gewertet werden kann. Die Komplexit? zieht es nach sich, dass nicht alle Komponenten beachtet werden k?nen, sondern eine der Fragestellung dieser Arbeit dienende Auswahl getroffen wurde.

5.1 Begriffskl?ung

?Mutismus? ( lat. mutus = stumm ) f?lt in den Bereich der Kommunikationsst?ung und beschreibt ein zeitweiliges partielles oder vollst?diges Nichtsprechen bei intakten H?- und Sprachorganen sowie weitgehend abgeschlossener Sprachentwicklung vornehmlich aber nicht ausschlie?ich im Kindesalter. In der Mehrzahl betrifft dieses Ph?omen M?chen ( ein Verh?tnis von 1,6 : 1 [vgl. R. Bahr, 1998, S.40]). Der Begriff wird h?fig durch mehr oder weniger zutreffende Synonyme ersetzt, wie z.B. Sprechscheu, psychogenes Schweigen, Sprachverweigerung etc., von denen der unstimmigste der des ?freiwilligen Schweigens? (u.a. verwendet von Gutzmann, Kistler, Heinze etc., vgl. B. Hartmann, 1991, S.1 ) ist und inzwischen als veraltet gilt. ?Man m?ste daraus schlie?n, das Kind habe durch einen freien Willensentschluss die Sprache aufgegeben und k?ne sich nun ebenso leicht auch ?freiwillig? entscheiden, wieder zu reden.? (Asperger zit. nach B. Hartmann, 1991, S.2) Heute ist man sich vielmehr dessen bewusst,  dass es sich bei dem Schweigen weder um eine freiwillige Entscheidung noch um eine, wie h?fig unterstellt, Trotzreaktion des Kindes handelt. Laut B?me sei es eher eine ?reaktive Sprechhemmung?. (G. B?me, 1983, S.379) Verursacht sein kann diese u.a. durch schwere Traumata und unbew?tigte seelische Konflikte. Der Mutismus ist als eine psychosomatische St?ung der Gesamtpers?lichkeit anzusehen und findet sich ?erwiegend bei ?empfindlichen, ?gstlichen, scheuen, verschlossenen, schwerm?ig veranlagten und psychisch abwegigen Kindern? (G. B?me, 1983, S.379), wobei keineswegs von einem direkten Zusammenhang zu einer geistigen Entwicklungsst?ung ausgegangen wird. Eine wiederholt er?terte Beziehung zu fr?kindlicher Hirnst?ung gilt aufgrund widerspr?hlichster Datenerhebungen als sehr umstritten. (vgl. B. Hartmann, 1991, S.33f )

Bezugnehmend auf Tramer (1934) l?st sich zwischen dem totalen (Auftreten eher bei Erwachsenen) und dem elektiven Mutismus (Tramer, ?Elektiver Mutismus bei Kindern?, 1934), der ein partielles Schweigen einer bestimmten (im Sinne von unbewusst ?gew?lten?) Personengruppe gegen?er beschreibt, unterscheiden. Zeitlicher Ausl?er des elektiven Mutismus, der die weitaus h?figer auftretende Form darstellt, ist h?fig der Eintritt in Kindergarten oder Schule.

Noch heute liegt den verschiedenen Studien keine allgemeing?tige Einigkeit ?er konkrete diagnostische Kriterien hinsichtlich des St?ungsbildes zugrunde. (vgl. R. Bahr, 1998, S.38) Daher ist ein Vergleich empirischer Daten besonders schwierig. Eine m?liche engere Klassifikation sei im folgenden vorgestellt.

5.2 N?ere Klassifikation

Neben der Differenzierung zwischen total/elektiv gibt es noch eine Reihe weiterer Klassifikationsversuche, die sich auf Ursachen und Symptome beziehen, so z.B. den von T. L. Hayden, die mit ihrer Forschung zu elektivem Mutismus nicht nur in den USA gro? Beachtung gefunden hat. Sie teilt anhand einer Untersuchung von 68 Kindern den Mutismus in vier unterschiedliche Typen. (vgl. T. L. Hayden in R. Bahr, 1998, S.20f )

Symbiotischer Mutismus

?span style="font:7.0pt "Times New Roman"">   Merkmal ist eine enge symbiotische Beziehung zu einer Bezugsperson (h?fig Mutter), welche dem Kind verbale Anforderungen abnimmt und damit auch Besitzanspr?he verbindet. Die Familienstruktur ist gekennzeichnet durch einen (sprachlich) dominanten und einen auff?lig passiven Elternteil. Das Verhalten des Kindes ??rt sich neben dem Schweigen in einer ablehnenden Haltung gegen?er kontrollierenden Erwachsenen/Situationen. In dieser Form des Mutismus ist deutlich das Bed?fnis nach Kontrolle zu erkennen und nicht nach innerem R?kzug. Das Schweigen ist manipulativ eingesetzt, um sich der Kontrolle anderer zu widersetzen.

Sprechangst-Mutismus

?span style="font:7.0pt "Times New Roman"">   Merkmale sind die Furcht vor der eigenen Stimme und ritualisiertes Verhalten bei der Beeinflussung bzw. Vermeidung des Sprechens (z.B. Gesten, Nonsense-W?ter). Ferner verf?en betroffene Kinder hier ?er eine grundlegende Motivation, das Sprechen wiederzuerlangen.

Reaktiver Mutismus

?span style="font:7.0pt "Times New Roman"">   Reaktion auf ein bzw. mehrere traumatische Ereignisse, wie z.B. sexueller Missbrauch, Misshandlung, Verletzungen im Mund- und Rachenraum ... Diese Form des Mutismus geht mit weiteren Symptomen wie Depressionen,  Suizidalit?, Sucht ...  einher. Die Kinder sind sehr zur?k gezogen bis hin zu abwesend und emotional verarmt.

Passiv-aggressiver Mutismus

?span style="font:7.0pt "Times New Roman"">   Das Schweigen wird als Waffe eingesetzt und beinhaltet Feindseligkeit. H?fig geht ein antisoziales und sogar gewaltt?iges Verhalten mit einher. Dieses Verhalten ist im Rahmen pathogener Familien- bzw. Umfeldstrukturen zu betrachten, aufgrund derer das Kind Mutismus als Kontrollfunktion agieren l?st.

Die von Hayden aufgestellten Kategorien sind nicht als rigide anzusehen, da es, wie von ihr selbst explizit erw?nt, nur allzu h?fig ?erschneidungen sowohl in den Ursachen als auch in den Symptomen gibt. Ihrer Klassifikation werden jedoch einige Kritikpunkte entgegengesetzt, von denen der weitest reichende sicherlich jener der angezweifelten Subsumierung von Sprechangst unter Mutismus ist. Ob exzessive Sprachscheu/-angst unter den Bereich Mutismus f?lt oder nicht ist bis heute wesentlicher Diskussionspunkt, wird aber in dem Zusammenhang dieser Arbeit als weniger relevant nicht n?er ber?ksichtigt.

Zu bemerken ist, dass auch in s?tlichen weiteren Klassifikationen der Mutismus eng mit Furchterleben, Fluchtreaktion, Bew?tigungsverhalten und sch?zender Barriere in Verbindung steht. ?Sie [die Kinder] seien aggressiv-vermeidend, verweigern Aktivit?en sowohl zu Hause als auch in der Schule und wahren eine gro? k?perliche Distanz, so dass es schwierig ist, ?erhaupt mit ihnen in Kontakt zu treten.? (Lesser-Katz zit. in R. Bahr, 1998, S.22 ) In diesem Zusammenhang ist zu erw?nen, dass jedwede Form der Aufforderung oder gar des Zwanges zur Sprache die dahingehende Verweigerung noch verst?kt. (vgl. B. Hartmann, 1991, S.15) Es kann sich um eine Steigerung des Druckes handeln, sofern Kinder aus individuellen und zum Teil schambedingten Gr?den heraus schweigen (?Wenn ich jetzt spreche, gucken alle?). Ebenso kann es aber auch als Bedrohung empfunden werden, die die Angst steigert und auf diese Weise das Bed?fnis nach Macht und Kontrolle erh?t.

5.3  Symptomatologie

Es handelt sich bei Mutismus nicht um eine Sprachst?ung im landl?figen Sinne. Das Schweigen ist Ausdruck F? eine tiefer liegende psychische Problematik und geht zumeist mit anderen psychischen sowie physischen Auff?ligkeiten einher. Daher ist es n?ig, nicht das Schweigen als solches zu beachten, sondern es gemeinsam mit der zugrunde liegenden eigentlichen St?ung zu verstehen. Nach Watzlawick ist auch das Schweigen als eine Art der Kommunikation bzw. des Verhaltens anzusehen, da es nicht m?lich ist, sich nicht zu verhalten. Demnach verf?t es ebenfalls ?er einen Mitteilungscharakter, der das Gegen?er beeinflusst und dessen Reaktion hervorruft.

In diesem Zusammenhang steht auch das o.g. Macht- und Kontrollbed?fnis schweigender Kinder. ?Dabei kann das Schweigen selbst ein Machtinstrument sein, denn es kann beim Gegen?er angesichts der Unnahbarkeit und scheinbarer Unangreifbarkeit des Schweigenden Verunsicherung und Ohnmacht ausl?en.? (R. Bahr, 1998, S.34)

Was nun also die Symptomatologie anbelangt, so ist es wohl das Auff?ligste und auch Eindringlichste, dass Mutisten sich jeglicher Art der Laut??rung entziehen, wozu das Lachen, Weinen, R?spern, Naseputzen und s?tliches mehr z?len. H?fig geht der Mutismus auch mit einer Form k?perlicher Starrheit einher. (vgl. R. Bahr, 1998, S.99) Der Verlust der Spontansprache tritt augenscheinlich und besonders nach starkem Schock oder Affekt recht ?pl?zlich? auf, doch bei n?erem Hinsehen hat sich das vollst?dige Schweigen meist bereits durch einen Prozess des sukzessiven Sprachr?kzuges entwickelt. Mit dem Schweigen muss nicht zwangsl?fig der Verzicht auf Verst?digung einher gehen, da nonverbale (Mimik/Gestik) und teilweise sogar schriftliche Kommunikation insbesondere beim totalen Mutismus weiterhin gebilligt wird. Das eben Genannte trifft bei totalem Mutismus gegen?er aller Personen und bei elektivem Mutismus dementsprechend gegen?er der ausgegrenzten Personen zu. Im folgenden zeigt eine tabellarische ?ersicht , in wie vielen F?len wem gegen?er geschwiegen wird.

Von 40 mutistischen Kindern schwiegen: (Spieler nach B. Hartmann, 1991, S. 15)

?erhaupt

13

32,5 %

in der Schule

 8

20,5 %

dem Vater gegen?er

 2

  5,0 %

bei Fremden

 4

10,0 %

bei Erwachsenen

 1

  2,5 %

zeitweilig

 2

  5,0 %

bei Fremden u. in der Schule

 2

  5,0 %

bei Fremden u. beim Vater

 1

  2,5 %

zeitweilig bei Erwachsenen

 1

  2,5 %

spezielle F?le

 5

12,5 %

ohne Angabe

 1

  2,5 %

5.3.1  Verhaltensauff?ligkeiten

Neben dem Schweigen fallen bei mutistischen Kindern eine Reihe weiterer charakterlicher Eigenschaften auf, von denen einige oben bereits kurz angesprochen wurden, hier der besseren ?ersicht halber jedoch nochmals erw?nt werden sollen.

Auch hier sind die Angaben (vgl. B. Hartmann, 1991, S.24ff ) teilweise sehr gegens?zlich, was aber dennoch nicht bedeuten muss, dass sie sich auch gegenseitig ausschlie?n. Vielmehr werden sie sich auf unterschiedliche Beobachtungen zur?k f?ren lassen und aufgrund der Bandbreite mutistischer Erscheinungsformen sowie deren verschiedenster Ursachen selbstverst?dlich sein.   

?er allem steht wohl die h?fig festgestellte stark depressive und ?gstliche Gem?sverfassung betroffener Kinder. Ferner werden schwere seelische Hemmungserscheinungen wie Minderwertigkeitsgef?le, Verschlossenheit, Scheu und Unsicherheit sowie extreme Sensibilit? und Verletzlichkeit beobachtet. Dem gegen?er finden sich in der Literatur jedoch auch einige Charakterz?e, welche durchaus auf eine enorme Willensst?ke schlie?n lassen. Es wird dort u.a. von Hartn?kigkeit und Eigensinn gesprochen sowie von einem stark ausgepr?ten Trotz und damit einher gehender Durchsetzungsf?igkeit. ?Den Trotz, die Eigenwilligkeit und das Selbstwertgef?l, welche es nicht aktiv und direkt erleben und vermitteln durfte, kann es sich in seinem Schweigen und einer inneren Unnachgiebigkeit bewahren.? (Steiner zit. nach R. Bahr, 1998, S.34) Bei Kindern dieser Wesenhaftigkeit l?st sich h?fig auch ein sehr negativistisches und ablehnendes Verhalten wahrnehmen. Hinsichtlich der Reaktion auf unliebsame Anforderungen oder bedrohliche Situationen sind die Feststellungen wiederum zweierlei Natur. Zum einen wird behauptet, dass mutistische Kinder dazu neigen, sich zur?k zuziehen und zu resignieren, andererseits findet sich aber auch die Hypothese, dass belastende Umst?de zu heftigen Zornesausbr?hen f?ren. In diesem Zusammenhang wird auch auf das h?figer auftretende Ph?omen der Hypermotorik und des wilden, aggressiven Verhaltens hingewiesen.

Einen prozentualen ?erblick ?er einige der genannten Verhaltensauff?ligkeiten bietet die folgende Studie von R?ler von 1981 (vgl. B. Hartmann, 1991, S.27) :

?       Angst                                                         90,6 %

?       passives R?kzugsverhalten                         63,0 %

?       Stimmungsschwankungen                    37,5 %

?       Konzentrations- und Leistungsst?ungen         37,5 %

?       Aggressivit?                                   28,1 %

?       Hypermotorik                                   28,1 %

?       starker mimischer/gestischer Ausdruck  28,1 %

?       Trotzverhalten                                         18,8 %

?       Zw?ge                                                  21,9 %

?       N?elbei?n, Haareraufen, etc.            40,6 %

?       Stereotypien                                             21,9 %

Die aufgef?rten Charakteristika stellen nur eine Auswahl dar und erheben keineswegs den Anspruch auf Vollst?digkeit. Ferner ist darauf hinzuweisen, dass hier wie auch bei den Symptomen des sexuellen Missbrauches nicht der Eindruck eines zwangsl?figen Auftretens evoziert werden soll. Sie sind lediglich im Rahmen einer m?lichen begleitenden Ausdrucksform anzusehen und sollen mit ihrer Erw?nung das Erscheinungsbild des Mutismus eindringlicher verdeutlichen.

5.4   ?iologische Faktoren

Die bisherigen Ausf?rungen ?er verschiedene Klassifikationen sowie die sehr vielf?tige Symptomatologie lie?n wohl erkennen, dass nicht von einem einheitlichen Krankheitsbild ausgegangen werden kann. Infolgedessen sind auch die dem Schweigen zugrunde liegenden m?lichen Ursachen vielz?liger Natur. Es wird von einer Poly?iologie (B. Hartmann, 1991, S.38) gesprochen, was besagt, dass Mutismus in aller Regel die Folge mehrerer verschiedener Faktoren ist. Entsprechend lassen sich drei Hauptkategorien differenzieren, die F? die Beurteilung der Kausalzusammenh?ge von gleicher Wichtigkeit sind. Sie gliedern sich in psychologische und soziale Hintergr?de begleitet von einer m?lichen somatischen Disposition.

5.4.1   Psychologische Faktoren

Die Kategorie der psychologischen Ursachen unterteilt sich in den psychoanalytischen und den lerntheoretischen Ansatz. Zun?hst soll hier auf den Erstgenannten eingegangen werden:

Innerhalb des psychoanalytischen Ansatzes wird der Mutismus als Ausdrucksform einer Neurose betrachtet. Die Psychoanalyse beinhaltet nach Freud, dass ?das Verhalten eines jeden von uns von Einstellungen, W?schen und Motiven bestimmt [wird], die unserem bewussten Erleben mehr oder weniger verborgen bleiben, da sie ?verdr?gten? Konfliktsituationen der fr?en Kindheit entstammen? (zit. aus ?Knaurs moderne Psychologie?, 1972, S.280). Im Extrem f?re eine dieser o.g. verdr?gten Konfliktsituationen zu einer neurotischen Symptomatik, welche nach der Psychoanalyse einen entsprechenden Probleml?ungsversuch darstellt. Hier w?e das Schweigen also als eine Reaktion auf ein in irgendeiner Weise traumatisierendes Umweltereignis anzusehen, welches einen starken seelischen Konflikt ausgel?t hat. ?Im Zusammenhang mit traumatisch wirkenden Einfl?sen seien alle heftigen Schreckerlebnisse genannt, also jene Momente, die einen ?erstarken Affektschub verursachen.? (B. Hartmann, 1991, S.44 ) Der (elektive) Mutismus ist in diesem Fall also als Strategie bzw. Probleml?ungsmechanismus aufzufassen.

Der lerntheoretische Ansatz st?zt sich auf den Behaviorismus und geht davon aus, dass Verhalten stets Ergebnis eines (unbewussten) Lernprozesses ist.                Bezogen auf Mutismus hie? dies also, dass Sprechen regelrecht verlernt ist. Hervorgerufen w?de also in diesem Fall das Schweigen durch eines der beiden folgenden lerntheoretischen Erkl?ungsmuster: (B. Hartmann, 1991, S.48 f )

I.      Lernen am Modell:

Hierunter versteht man die pr?ende Beeinflussung von Vorbildfunktion innehabender engster Familienangeh?iger. (Dominierendes Schweigeverhalten innerhalb einer Familie muss jedoch nicht allein auf innerfamiliale Pr?ung zur?k gef?rt werden. Es kann sich auch um einen Hinweis auf eine entsprechende Pr?isposition handeln.)

II.  Die operante Konditionierung:

Diesem Erkl?ungsansatz zugrunde liegend ist das behavioristische Reiz-Reaktions-Modell.  Als Reiz kommen hier Anforderungen z.B. des Lehrers (in seltenen F?len aber auch die eines Familienangeh?igen) in Frage, denen in Form von Schweigen nicht nachgekommen wird; sog. Organismusvariable, die diese Verweigerung zus?zlich unterst?zt, k?nte eine generelle Sprachscheu bzw. spezifische Sprachst?ung sein. Die nachfolgenden Konsequenzen dieser Handlungskette sind sowohl in positiver und bezogen auf das Symptom verst?kender als auch in negativer Ausrichtung denkbar, so z.B. vermehrte Zuwendung und Verzicht auf Anforderung, aber eben auch Isolation und Entzug sozialer Anerkennung.

Bahr ber?ksichtigt erg?zend zu den Ausf?rungen von Hartmann die Variable KV, das Kontingenzverh?tnis, welche die verst?kende ?positive? Konsequenz auf die Reaktion (Schweigen) n?er quantifiziert und qualifiziert. Laut Bahr sei es doch gerade die Modifizierung dieses Aspektes, die F? m?liche Therapiema?ahmen herangezogen werden kann. (vgl. R. Bahr, 1998, S.29)

5.4.2 Soziale Faktoren

F? die Erkl?ung sozialer Ursachen ist der milieutheoretische Ansatz ausschlaggebend. Hartmann hat Ergebnisse verschiedener Studien zusammengetragen, die sich mit das Schweigen beg?stigenden Familienstrukturen befasst haben. Zusammenfassend wird dabei deutlich, dass alle milieu- und familienspezifischen Gegebenheiten ber?ksichtigt werden m?sen, d.h. Aspekte der Erziehung, des Milieus, der innerfamili?en Beziehungen und der psychischen Konstitution einzelner Familienmitglieder.

Im folgenden seien einige repr?entative Beispiele aufgef?rt: (vgl. B. Hartmann, 1991, S.49 ff sowie R. Bahr, 1998, S.36)

?       Zugeh?igkeit zu Mittel- oder Unterschicht

?       geographische oder soziale Isolation

?       eigenbr?lerische, kontaktarme Familienstruktur

?       innerfamili?e Spannungen

?       ?erbeh?ung / auff?lig enge Mutter-Kind-Beziehung

?       Vater-Kind-Beziehung teilweise von Furcht und Abneigung gepr?t

?       ein beh?etes Familiengeheimnis

?       ...

5.4.3  Somatische Disposition

Bezogen auf das ??re Erscheinungsbild mutistischer Kinder findet sich in der Literatur eine dahingehende ?ereinstimmung, sie als schwach, zart und h?fig auch k?perlich zur?k geblieben geschildert zu sehen. B?me (G. B?me, 1983, S.380) weist darauf hin: ?Es f?lt auf, dass sich die Mehrzahl der Kinder in ihrer Gr?e und ihrem K?pergewicht unter der Altersnorm befinden?. In diesem Zusammenhang wird die im Rahmen der Anamnese festgestellte H?fung schw?hender Kinderkrankheiten bei mutistischen Kindern angef?rt. Diese d?fen allerdings nicht als direkt urs?hliche Faktoren angesehen werden. Vielmehr stellen sie eine fr?kindliche Belastung dar, die das Wohlbefinden stark beeintr?htigen. Wenn nun noch seelische Anspannungen hinzukommen, so ist es m?lich, dass sich das Kind g?zlich ?erlastet f?lt und mittels psychogenem Schweigen rebelliert. Weiterhin ist zu beobachten, dass mit dem Mutismus h?fig noch andere pathologische Ph?omene einher gehen, wie z.B. Depressionen, Schizophrenie und Psychosen. Mutismus ist demnach h?fig Bestandteil einer ?gesamtpers?lichen Entwicklungsst?ung? (B. Hartmann, 1991, S.53), die jedoch nicht als urs?hlich, sondern als erg?zend zu interpretieren ist.

Der bis hierhin erm?lichte Einblick in dispositionelle oder auch direkt urs?hliche Faktoren verdeutlicht die Vielseitigkeit dieses Krankheitsbildes und unterstreicht die Notwendigkeit einer sehr umfassenden und individuellen Vorgehensweise auf dem Weg des Verstehens und Helfens einzelner.

6. Mutismus als Folge sexuellen Missbrauches

Die eigentliche Fragestellung dieser Arbeit ist, inwieweit ein Zusammenhang zwischen Missbrauch und Mutismus herzustellen ist. Wie bereits in der Einleitung deutlich gemacht, lassen sich dazu bis auf einige wenige versteckte Hinweise keine Literaturgrundlagen finden. Aus diesem Grunde m?hte ich vorab ausdr?klich darauf aufmerksam machen, dass sich die folgenden Thesen im Bereich eigener ?erlegungen befinden und wissenschaftlich nicht fundiert sind.

Zwecks einer m?lichst klaren Strukturierung orientiere ich mich zun?hst an der das Schweigen allgemein betreffenden Unterteilung Zimmermanns (vgl. dazu Kapitel 4.2). In Anlehnung daran h?te Mutismus vier auf die verschiedenen Ausl?er bezogene Implikationen. Diese ?Schweige-Typen? haben meines Erachtens einen deutlichen inhaltlichen Bezug zu direkt und indirekt eingesetzten Schweigemechanismen bei sexuellem Missbrauch. Ich werde also zun?hst versuchen, eine Verbindung anhand dieses Schemas aufzustellen, wobei ich die umgekehrte Reihenfolge w?le.

Ausdruck von Zwecklosigkeit

In Kapitel 3.1 auf Seite 12 wird die Funktion der Sprache dargestellt, die zum einen darin liegt, eine gewisse ?soziale Kontrolle? auszu?en. Bed?fnisse, Gedanken und Gef?le werden verbal mitgeteilt, um die den Sprecher umgebende Sprachgemeinschaft beeinflussen und seinen Vorstellungen gem? steuern zu k?nen. Von sexuellem Missbrauch betroffene Kinder machen jedoch, wie auf Seite 8 beschrieben, nur zu h?fig die Erfahrung, dass ihre Redeintention verfehlt wird, indem sie ?erh?t oder F? unglaubw?dig befunden werden. Das Mittel ?Sprache? entbehrt in ihren Augen somit jegliche Funktion, und Schweigen ist das Ergebnis von erkannter Einflusslosigkeit und dementsprechender Resignation. ?Spricht sie/er dar?er, so wird ihr/ihm nur selten geglaubt, ihre/seine Aussage fast immer manifest ignoriert, oder sie/er steht als L?nerIn da. Die Hinweise und Worte verhallen. Wen wundert es , dass Kinder sich mit ?ihrem Geheimnis? zur?k ziehen und ihre Sprache verlieren?!? (U. Enders, 1997, S.46)

Nicht-Reden-K?nen

In Erinnerung an die in Kapitel 2.2 geschilderten Sachverhalte liegt auch hier eine Verbindung nahe. Insbesondere das auf Seite 8 wiedergegebene Zitat von H. Merz verdeutlicht, wie schwer und teilweise unm?lich es Kindern ist, F? den erlebten Missbrauch ad?uate Worte zu finden. ?Kinder sind im wahrsten Sinne des Wortes sprachlos ?er die sexuelle Ausbeutung [...]? (U. Enders, 1997, S.44) Sie f?len sich der Sprache gegen?er hilflos und den Worten nicht m?htig, was in gesteigerter Form zu einer umfassenden Sprechblockade f?ren k?nte.

Nicht-Reden-D?fen

Das Redeverbot ist in der vorliegenden Arbeit bereits mehrfach erw?nt worden und bedarf eigentlich keiner weiteren Erl?terung. Dennoch m?hte ich auch an dieser Stelle den Geheimhaltungsdruck explizit ansprechen, da ihm meines Erachtens im Rahmen von Missbrauch eine au?rordentlich hohe Bedeutung zukommt. Das Schweigegebot, und somit auch die Angst vor Sanktionen bei Nicht-Einhaltung, kann zu einem wie unter Kapitel 4.3 erkl?tem ?passiven Vermeidungsverhalten? f?ren. Im Extrem internalisiert das Kind, dass (falsche) Worte Gefahr sind. Um dieser zu entgehen, fl?htet es sich in den Mutismus. Das ersch?terndste Beispiel hierf? ist das der kleinen Jadie, die aus dem Druck und der Angst, den unbeschreiblich grausamen Missbrauch nicht zu verraten, eine schwere Psychose entwickelt hat. Noch nachdem der Mutismus ?erwunden war, konnte sich auf eine mehrmalige Aufforderung hin, von dem vermuteten und auch angedeuteten Missbrauch zu berichten, folgende Szene abspielen: ?Da erst hob sie die Lider und sah mich an. Sie hob den verkrampften Arm zu ihrem Gesichtchen hinauf und dr?kte die Hand auf ihren Mund. (T.L. Hayden, 1991, S.259)?

Schweigen-Wollen

Das Schweigen-Wollen ist hier nach meiner Interpretation ein nicht ganz so freiwilliges, wie es bei Zimmermann den Anschein erweckt. Fraglich ist jedoch auch bei seiner Kategorisierung, ob sich nicht z.B. auch ein Eremit aus Entt?schung oder individuell empfundenen Defiziten heraus vom sozialen Gef?e abwendet. In diesem Fall w?e ein Vergleich zu mutistischen Kindern zul?sig, bei denen in meinen Augen hier das Schweigen Ausdruck sozialer Apathie (vgl. dazu Seite 11) ist, die ansatzweise auch in den anderen Typen anzutreffen sein d?fte. In Verbindung mit dem mehrfachen Erw?nen des mit sexuellem Missbrauch einher gehenden Vertrauensmissbrauches m?det das Verhalten des Kindes in sozialen R?kzug (siehe auch Seite 9), der sich auch auf sprachlicher Ebene ausdr?kt, indem keine kommunikative Du-Beziehung (vgl. Seite 12) mehr angestrebt wird. ?In den Sommerferien sprach ich oft wochenlang so gut wie kein Wort, setzte mich unter einen Baum oder auf einen H?el und erholte mich in meiner Phantasiewelt von den Schrecken des Alltags.? (U. Enders, 1997, S.60)

Nachdem ich die unterschiedlich motivierten Formen des Schweigens mit dem von der Person sowie der jeweiligen Situation abh?gigen Erleben des Missbrauches zu verbinden versucht habe, m?hte ich mich noch einigen weiteren, ?ergeordneteren Aspekten zuwenden.

Zun?hst w?e da die Aussage von Seite 11 in Erinnerung zu rufen, welche beinhaltet, dass erst Sprache ein Erfassen und ggf. Verstehen m?lich macht (vgl. auch Seite 12: Wie h?fig wird erst deutlich, was in das gesprochene Wort umgesetzt wird).

Alles Erfasste bindet sich aber auch zwangsl?fig an das Bewusstsein, was eine Begr?dung daf? liefern k?nte, dass Kinder gerade vor dieser Versprachlichung zur?k schrecken. Hiermit w?e ich zugleich bei einer weiteren Komponente angelangt, die den Abspaltungsmechanismus betrifft. ?Doch in einem Punkt stimmen alle Verarbeitungsformen sexueller Gewalt ?erein: Sie stellen letztlich einen Versuch dar, das verletzte Innere zu sch?zen, sich selbst bzw. die ausgel?ten Gef?le m?lichst nicht wahrzunehmen, abzuspalten [...]? (U. Enders, 1997, S.71) Das Schweigen in seiner Bedeutung des Unter-Verschlu?Haltens von Gef?len ist wohl landl?fig bekannt und bedarf keiner Hinzuf?ungen. Sollte es also bisher nicht deutlich genug geworden sein, m?hte ich diesen Zusammenhang nutzen, nochmals darauf hinzuweisen, dass der Mutismus eine Strategie der Bew?tigung und Probleml?ung darstellt (vgl. Seite 21).

Eng verbunden mit diesem Bew?tigungsmechanismus ist auch das sog. Kompensationsverhalten. Wie mit der Klassifikation von T.L. Hayden herausgestellt wird, gibt es bei mutistischen Kindern auch eine Erscheinungsform, die durch besondere Feindseligkeit und Aggression gekennzeichnet ist. Beispielhaft F? derartiges Verhalten ist der Bericht ?er das mutistische M?chen Sheila, welches im Alter von 6 Jahren einen 3j?rigen Jungen entf?rte, an einen Baum band, folterte und letztlich verbrennen wollte. (vgl. T.L. Hayden, 1994, S.9) Verbunden damit ist jedoch noch eine tiefer gehende und auch den anderen mutistischen Auspr?ungen innewohnende Willensausrichtung: ?[...] jeder Mutismus [...] ist Zeichen eines besorgniserregenden Machtbed?fnisses. (T.L. Hayden, 1991, S.35) ? In diesem Kontext m?hte ich mich auf R. Bahr beziehen, der Kompensationsversuche als Reaktion auf erfahrene Selbstwertminderung interpretiert. dass bei sexuellem Missbrauch der Selbstwert nicht nur wegen der Unterlegenheit ganz entschieden verletzt wird, steht au?r Frage. Das somit evozierte Minderwertigkeitsgef?l strebt nach Ausgleich, was z.B. durch ??erkompensation durch Machtstreben bzw. als Dekompensation durch emotionalen und sozialen R?kzug ausgedr?kt wird? (R. Bahr, 1998, S.35) (vgl. dazu Seite 20). Dieses Macht- und Kontrollbed?fnis ist symptomatisch F? Mutisten (?[...] vielmehr zeigte sie stets die strenge Kontrolliertheit, die F? den Mutismus so typisch ist? [T.L. Hayden, 1991, S.95]) und in Anbetracht eines m?lichen zugrunde liegenden sexuellen Missbrauches wohl auch kaum verwunderlich.

Ich hoffe, es ist gelungen, einige m?liche Deckungsgleichheiten und Kausalzusammenh?ge zwischen Missbrauch und Mutismus aufzuzeigen. Es lie?n sich noch weitere Verkn?fungen veranschaulichen, insbesondere wenn mehr, so wie urspr?glich vorgesehen, Fallbeispiele zitiert w?den. Leider habe ich aufgrund des limitierten Umfanges davon absehen m?sen.

7. Schlussbemerkung

Abschlie?nd scheinen mir noch einige Punkte erw?nenswert, wie z.B. der momentane empirische Wissensstand. Hier gilt ein Kausalzusammenhang bisher als nicht gesichert. Einige wenige Studien dazu liefern unterschiedlichste Ergebnisse, wof? wiederum die bereits genannte mangelnde Vergleichbarkeit verantwortlich sein k?nte. ?Dessen ungeachtet ist diese M?lichkeit im Einzelfalle - allein schon wegen der m?lichen Verheimlichung eines solchen Ereignisses - aber durchaus in Erw?ung zu ziehen.?( R. Bahr, 1998, S.38)

Mein pers?liches Anliegen betrifft noch eine etwas andere Ebene. Trotz erwartungsgem? hoher Dunkelziffer ist und bleibt hoffentlich Mutismus ein eher seltenes Ph?omen. Die Verbindung von Missbrauch und Schweigen bleibt in meinen Augen jedoch bestehen, (Ver-) Schweigen ist schlie?ich auch gleichzeitig zentrales Merkmal desselben. Aus diesem Grunde ist es mir wichtig, mit dieser Arbeit auch einen besseren Zugang zu nicht mutistischen und dennoch schweigenden Kindern zu erlangen. Im Volksmund werden nicht wenige Kinder und Jugendliche negativ als ?stumm? und ?verstockt? tituliert. In Erinnerung an die Angaben: ca. jedes 3. M?chen und ca. jeder 7. Junge sollte sich diesbez?lich das Bewusstsein erweitern k?nen.

Ein dritter und letzter Blickwinkel richtet sich auf die Pr?ention. Die Sprache ist das Mittel von Pr?ention (Aufkl?ungsgespr?he, Nein-sagen,...). Dennoch wird Kindern nicht in allen Familien mit einer ausgewogenen sprachlichen Best?digkeit begegnet. Wie oft hei? es unangemessener Weise: ?das sagt man nicht?, ?bei Tisch spricht man nicht?, ?ich will nichts mehr h?en?, ?rede nicht so viel / laut / nicht jetzt?, ?rede keinen Unsinn? u.s.w. Kinder, denen h?fig und F? sie nicht nachvollziehbar ?der Mund verboten? wird, werden wohl Sprache als etwas eingeschr?ktes und, vor allem, von Erwachsenen bestimmtes erleben. Im Extrem k?nte das Vertrauen in Sprache schwinden und somit erst recht der Mut, etwas zu erz?len. Viele werden sich, auch ohne einen zugrunde liegenden Missbrauch, ?in Schweigen h?len?, es werden ihnen ?die Worte fehlen? oder es bleibt ?der Klo?im Halse stecken?, sobald sie etwas Unangenehmes ?zur Sprache bringen? m?sen. Dieser Aspekt, n?lich ein sensibler Umgang mit Sprache, muss wesentlicher Bestandteil der Elternbildung sein, wenn Kindern glaubw?dig vermittelt werden soll, dass sie sich lautstark wehren m?sen und vor allem d?fen.

8. Literaturverzeichnis

8.1   Allgemeine Literatur

Duden:                 Sch?erduden. Die Philosophie. Ein Sachlexikon der Philosophie. 1985. Dudenverlag. Mannheim/Leipzig/Wien/Z?ich

Knaurs.  Moderne Psychologie. 1972. Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf. M?chen/Z?ich

8.2  Fachliteratur

Bahr, Reiner: Schweigende Kinder verstehen. Kommunikation und Bew?tigung beim elektiven Mutismus. 1998. Universit?sverlag C. Winter. Heidelberg.

B?me, Gerhard (Hrsg.): Klinik der Sprach- Sprech- und Stimmst?ungen. Band 2.  1983. Gustav Fischer Verlag. Stuttgart

Enders, Ursula (Hrsg.): Zart war ich, bitter war?s. 1997. Kiepenheuer & Witsch. K?n

Falardeau, Waltraud: Das Schweigen der Kinder. 1998. Quell Verlag. Stuttgart

Frei, Karin: Sexueller Missbrauch. Schutz durch Aufkl?ung. 1997. Ravensburger Buchverlag. Ravensburg

Hartmann, Boris: Mutismus. Zur Theorie und Kasuistik des totalen und elektiven Mutismus. 1991. Wissenschaftsverlag Volker Spiess GmbH. Berlin

Hayden, Torey L.: Jadie. Das M?chen, das nicht sprechen wollte. 1991. Goldmann Verlag. M?chen

Hayden, Torey L.: Sheila. 1994. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG. M?chen

K?ig, Karl: Die ersten drei Jahre des Kindes. 1994. Verlag Freies Geistesleben GmbH. Stuttgart

Kriebel, Reinholde: Sprechangst. Analyse und Behandlung einer verbalen Kommunikationsst?ung. 1984. Verlag W. Kohlhammer. Stuttgart Berlin K?n Mainz

May, Angela: Nein ist nicht genug. Pr?ention und Prophylaxe. 1997. Donna Vita. Ruhnmark

May, Angela: ... und dann kommt Licht in das Dunkel des Schweigens. Unterrichtsmaterialien zum Thema ?Sexueller Missbrauch?. 1996. die Jonglerie L?t KG. Berlin

M?lfeld, Claus: Sprache und Sozialisation. 1975. Hoffmann und Campe Verlag. Hamburg

Wirth, G?ter: Sprachst?ungen Sprechst?ungen Kindliche H?st?ungen. Lehrbuch F? ?zte, Logop?en und Sprachheilp?agogen. 1983. Deutscher ?zte-Verlag. K?n

Siehe auch: den Bericht und das Buch ?er Rebecca Klein


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