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Sucht als eine mögliche Folge Sexuellen

Betäubung des Schmerzes...

Eine Einführung von Angela May

"Suchtverhalten ist eine Überlebensstrategie wie jede andere Folgeerscheinung sexuellen Missbrauchs. Das Suchtmittel wird genommen, um sich zu betäuben, zu entspannen und abzulenken. Es dient dazu, das Erlebte und die damit verbundenen unerträglichen Gefühle zu verdrängen" (Claudia Bommert, 1993, 94). Die durch den Sexuellen Missbrauch verursachte Traumatisierung führt zur Verletzung oder Zerstörung der Integrität in körperlichen, geistigen oder seelischen Bereichen und drückt sich häufig in Verhaltensauffälligkeiten und psychosomatischen Erkrankungen aus. Aufgrund des Schweigegebotes durch den Täter, haben Opfer häufig nicht die Möglichkeit über die Traumatisierung zu sprechen und wollen mit Hilfe von Symptomen und versteckten Signalen zu verstehen geben, dass sie Hilfe brauchen. Diese Reaktionen sind wichtige Überlebensstrategien, werden aber von Außenstehenden häufig nicht erkannt oder als destruktiv und störend erlebt (Britta Woltareck, 1994, 69f.).

Suchtentwicklung

Bleibt Hilfe von außen aus und kann sich das Mädchen oder der Junge nicht selbst aus dieser ausweglosen Situation des sexuellen Missbrauchs befreien, braucht das Kind Überlebensstrategien, um die Situation auszuhalten. Eine solche Strategie kann z.B. darin bestehen, den Körper durch ein bestimmtes Essverhalten zu kontrollieren. Dieses kann auch als Verweigerungsinstrument genutzt werden: Durch ein bestimmtes Essverhalten wird der Körper „unattraktiv" gemacht: dick oder dünn. Manchmal will sich das Opfer einfach nur „wegmachen", den Schmerz betäuben. Dann helfen Tabletten, Alkohol, Haschisch, Heroin oder andere sedierende Drogen. Andere wollen sich durch Aktivitäten zudecken, feiern tage– und nächtelang Parties und konsumieren Unmengen aufputschender Drogen und Medikamente. Andere brauchen Sexualität, um ihr Selbstwertgefühl aufrecht zu halten und den inneren Schmerz zu vertreiben: Sie jagen jedem Sexualkontakt nach.

Zunächst sind das Verhaltensweisen, um dem Trauma zu entkommen, mit ihm fertig zu werden. Je länger sich diese Verhaltensweise jedoch manifestiert, je öfter sie angewendet wird, je höher die „Dosis", desto größer die Gefahr, dass süchtiges Verhalten entwickelt wird (das Verhalten wird häufig wiederholt und als gewinnbringend erlebt, es besteht aber noch keine psychische und/oder physische Abhängigkeit, es bestehen keine Entzugserscheinungen) und/oder sich eine manifeste Sucht herauskristallisiert (das Individuum ist von diesem Verhalten psychisch/emotional und/oder körperlich Abhängig und es entstehen Entzugserscheinungen, wenn die „Droge" oder das Verhalten ausbleiben).

Die Wahrnehmung süchtiger Verhaltensweisen oder eine beginnende Suchtentwicklung sind im pädagogischen Prozess von großer Bedeutung. Erstens können sie als mögliche versteckte Hinweise auf Sexuellen Missbrauch interpretiert werden und erhöhen die Chance einer Intervention, um sexuellen Missbrauch zu beenden. Zweitens kann bei frühzeitiger Wahrnehmung süchtiger Verhaltensweisen pädagogisch eingewirkt werden und es erhöht sich dadurch die Chance, einer manifestierten Sucht entgegenwirken zu können.

Erste Entwicklungen süchtigen Verhaltens können bereits im Grundschulalter beobachtet werden, prägen sich in der Regel jedoch erst in der Adoleszenz aus. In diese Richtung weisende Tendenzen müssten in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen insgesamt besser wahrgenommen, den Ursachen nachgegangen werden. Zahlen weisen darauf hin, dass die Ursache süchtiger Verhaltensweisen oder manifestierter Sucht auf Sexuellen Missbrauch zurück zuführen ist.

Zahlen und Fakten

Verschiedene Zahlenangaben gehen davon aus, dass 65 bis 89% der süchtigen Frauen in ihrer Kindheit Sexuellen Missbrauch erlebt haben (Marion Mebes u.a., 1989, 30).

Gertrud Kutscher führt aus, dass von den ca. 80.000 bis 100.000 in der Bundesrepublik lebenden Heroinabhängigen rund 40% Frauen sind. Bei den unter 20-jährigen Süchtigen sind vorrangig Mädchen vertreten. Männliche Süchtige sind in der Regel älter. Von den 240.000 bis 350.000 geschätzten Medikamentenabhängigen, macht der Anteil der Frauen ca. zwei Drittel aus. Von Essstörungen (Fress-, Mager-, Ess-Brechsucht) sind bisher fast ausschließlich Frauen betroffen, ihre Zahl wird auf ca. 600 000 Betroffene geschätzt. Einen weiteren sehr großen Anteil süchtiger Frauen bilden die alkoholabhängigen Frauen, deren Zahl auf 400 000 geschätzt wird und ca. ein Viertel aller Alkoholkranken ausmachen (Gertrud Kutscher, 1989, 9f.). Grob geschätzt müssen wir von einer Million suchtkranker Frauen ausgehen; von ihnen könnten drei Viertel Sexuellen Missbrauch in ihrer Kindheit erlebt haben. Diese Zahlen belegen, welche physischen, psychischen und ökonomischen Folgen sexualisierte Gewalt allein im Suchtkrankenbereich haben. Diese Befürchtungen bestätigt die "Wildwasser-Studie". Hier wurden bei 21,1% der betroffenen Mädchen Suchtmittelkonsum oder Essstörungen angegeben (Roswitha Günther u.a., 1993, 108). Bange belegt, dass bei 40% der als Kind missbrauchten Frauen Essstörungen vorliegen. Die Zahl der mit Essstörungen ermittelten Männer mit Missbrauchserfahrungen liegt hier mit 30% ungewöhnlich hoch (Dirk Bange, 1992, 153). Naomi Wolf gibt an, dass 50% der anorektischen Patientinnen einer amerikanischen Klinik sexuell missbraucht wurden (Naomi Wolf, 1991, 226).

(auszugsweise aus: May, Angela: Nein ist nicht genug. Ruhnmark. 1997)

Literaturangaben:
Bommert, Claudia: Literaturangaben:
Bommert, Claudia: Körperorientierte Psychotherapie nach sexueller Gewalt. Weinheim/Basel. 1993.
Woltareck, Britta: Ungelebtes lebbar machen. Ruhnmark. 1994.
Mebes, Marion/Jeuck, Gabi: Schriftenreihe zum sexuellen Mißbrauch. Band 2. Sucht. Berlin. 1989.
Kutscher, Gertrud: Frauenspezifische Suchtarbeit. In: Mebes, Marion u.a.: Schriftenreihe zum sexuellen Mißbrauch. Band 2. Sucht. Berlin. 1989.
GÜnther Roswitha/Kavemann, Barbara/Ohl, Dagmar: Modellberatungsstelle und Zufluchtswohnung Für sexuell mißbraucht Mädchen von "Wildwasser" - Arbeitsgemeinschaft gegen sexuellen Mißbrauch an Mädchen e.V., Berlin. Bundesministerium Für Frauen und Jugend (Hg.): Schriftenreihe Band 10. Bonn. 1993.
Bange, Dirk: Die dunkle Seite der Kindheit. Sexueller Mißbrauch an Mädchen und Jungen. Ausmaß-Hintergründe-Folgen. Köln. 1992.
Wolf, Naomi: Der Mythos Schönheit. Reinbek. 1993. Körperorientierte Psychotherapie nach sexueller Gewalt. Weinheim/Basel. 1993.
Woltareck, Britta: Ungelebtes lebbar machen. Ruhnmark. 1994.
Mebes, Marion/Jeuck, Gabi: Schriftenreihe zum sexuellen Missbrauch. Band 2. Sucht. Berlin. 1989.
Kutscher, Gertrud: Frauenspezifische Suchtarbeit. In: Mebes, Marion u.a.: Schriftenreihe zum sexuellen Missbrauch. Band 2. Sucht. Berlin. 1989.
GÜnther Roswitha/Kavemann, Barbara/Ohl, Dagmar: Modellberatungsstelle und Zufluchtswohnung Für sexuell mißbraucht Mädchen von "Wildwasser" - Arbeitsgemeinschaft gegen sexuellen Missbrauch an Mädchen e.V., Berlin. Bundesministerium Für Frauen und Jugend (Hg.): Schriftenreihe Band 10. Bonn. 1993.
Bange, Dirk: Die dunkle Seite der Kindheit. sexualisierte Gewalt an Mädchen und Jungen. Ausmaß-Hintergründe-Folgen. Köln. 1992.
Wolf, Naomi: Der Mythos Schönheit. Reinbek. 1993. Körperorientierte Psychotherapie nach sexueller Gewalt. Weinheim/Basel. 1993.
Woltareck, Britta: Ungelebtes lebbar machen. Ruhnmark. 1994.
Mebes, Marion/Jeuck, Gabi: Schriftenreihe zum sexuellen Missbrauch. Band 2. Sucht. Berlin. 1989.
Kutscher, Gertrud: Frauenspezifische Suchtarbeit. In: Mebes, Marion u.a.: Schriftenreihe zum sexuellen Missbrauch. Band 2. Sucht. Berlin. 1989.
Günther Roswitha/Kavemann, Barbara/Ohl, Dagmar: Modellberatungsstelle und Zufluchtswohnung für sexuell Missbraucht Mädchen von "Wildwasser" - Arbeitsgemeinschaft gegen sexuellen Missbrauch an Mädchen e.V., Berlin. Bundesministerium Für Frauen und Jugend (Hg.): Schriftenreihe Band 10. Bonn. 1993.
Bange, Dirk: Die dunkle Seite der Kindheit. Sexueller Missbrauch an Mädchen und Jungen. Ausmaß-Hintergründe-Folgen. Köln. 1992.
Wolf, Naomi: Der Mythos Schönheit. Reinbek. 1993. Körperorientierte Psychotherapie nach sexueller Gewalt. Weinheim/Basel. 1993.
Woltareck, Britta: Ungelebtes lebbar machen. Ruhnmark. 1994.
Mebes, Marion/Jeuck, Gabi: Schriftenreihe zum sexuellen Missbrauch. Band 2. Sucht. Berlin. 1989.
Kutscher, Gertrud: Frauenspezifische Suchtarbeit. In: Mebes, Marion u.a.: Schriftenreihe zum sexuellen Missbrauch. Band 2. Sucht. Berlin. 1989.
GÜnther Roswitha/Kavemann, Barbara/Ohl, Dagmar: Modellberatungsstelle und Zufluchtswohnung Für sexuell Missbraucht Mädchen von "Wildwasser" - Arbeitsgemeinschaft gegen sexuellen Missbrauch an Mädchen e.V., Berlin. Bundesministerium Für Frauen und Jugend (Hg.): Schriftenreihe Band 10. Bonn. 1993.
Bange, Dirk: Die dunkle Seite der Kindheit. Sexueller Missbrauch an Mädchen und Jungen. Ausmaß-Hintergründe-Folgen. Köln. 1992.
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Mebes, Marion/Jeuck, Gabi: Schriftenreihe zum sexuellen Missbrauch. Band 2. Sucht. Berlin. 1989.
Kutscher, Gertrud: Frauenspezifische Suchtarbeit. In: Mebes, Marion u.a.: Schriftenreihe zum sexuellen Missbrauch. Band 2. Sucht. Berlin. 1989.
Günther Roswitha/Kavemann, Barbara/Ohl, Dagmar: Modellberatungsstelle und Zufluchtswohnung Für sexuell Missbraucht Mädchen von "Wildwasser" - Arbeitsgemeinschaft gegen sexuellen Missbrauch an Mädchen e.V., Berlin. Bundesministerium Für Frauen und Jugend (Hg.): Schriftenreihe Band 10. Bonn. 1993.
Bange, Dirk: Die dunkle Seite der Kindheit. Sexueller Missbrauch an Mädchen und Jungen. Ausmaß-Hintergründe-Folgen. Köln. 1992.
Wolf, Naomi: Der Mythos Schönheit. Reinbek. 1993. Körperorientierte Psychotherapie nach sexueller Gewalt. Weinheim/Basel. 1993.
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Mebes, Marion/Jeuck, Gabi: Schriftenreihe zum sexuellen Missbrauch. Band 2. Sucht. Berlin. 1989.
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Günther Roswitha/Kavemann, Barbara/Ohl, Dagmar: Modellberatungsstelle und Zufluchtswohnung Für sexuell missbraucht Mädchen von "Wildwasser" - Arbeitsgemeinschaft gegen sexuellen Missbrauch an Mädchen e.V., Berlin. Bundesministerium Für Frauen und Jugend (Hg.): Schriftenreihe Band 10. Bonn. 1993.
Bange, Dirk: Die dunkle Seite der Kindheit. Sexueller Missbrauch an Mädchen und Jungen. Ausmaß-Hintergründe-Folgen. Köln. 1992.
Wolf, Naomi: Der Mythos Schönheit. Reinbek. 1993.

Hier noch einige Internetadressen die weiterhelfen können:

Essstörungen: http://selbsthilfe.solution.de/cinderealla
E-Mail-Kontakt: angelika@solution.de

http://selbsthilfe.solution.de/cinderealla/buecher.html

(Viele Literaturtipps zu allen Bereichen der Essstörungen)

nat@telemarkt.de (Infos über Selbsthilfegruppen)

http://www.rrze.uni-erlangen.de/docs/FAU/fakultaet/
med/kli/kik/pk/programd.htm

http://www.eol.de/eol/meppen/Soziales/sexuelle.htm

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