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Wer
übt sexualisierte
Gewalt aus?
"Wer tut denn so
etwas....?"
"Die sind doch alle krank...!"
"Die gehören an die Wand gestellt....!"
"Die gehören lebenslang hinter Gitter..."
"Die haben einen unbezwingbaren SEX-Trieb...!"
"Das sind doch alles arme Schweine...!"
"Die sind frustriert von ihrer Frau, die will zu selten..."
Das sind alles Aussagen, die
wir gehört oder hier im Netz gelesen haben. Allein diese Aussagen führen in die
Irre. Wir wollen hier mit einigen Mythen aufräumen, die sich um die Täter
sexualisierter Gewalt ranken und uns allen das Leben schwer machen, die wir mit
sexuell missbrauchten Kindern zu tun haben und erreichen wollen, dass
langfristig Maßnahmen ergriffen werden, die...
...mit dazu beitragen,
unsere Kinder vor sexuellen übergriffen zu schützen. Durch Aufklärungs- und
Präventionsprogramme können wir Kinder über sexualisierte Gewalt informieren und
ihnen Strategien vermitteln,
wie sie Gefahrensituationen besser einschätzen lernen um
sich selbst helfen oder bei anderen Hilfe zu suchen.
... deutlich werden lassen, dass es keine "Monster" sind - weit weg von "uns".
Sexualisierte Gewalt wird häufig erst wahrgenommen, wenn ein Kind vergewaltigt
oder getötet wird. Es muss endlich klar werden, dass sexualisierte Gewalt
schon viel früher anfängt: Am Anfang sind es nur
sexuelle Phantasien von Mädchen und/oder Jungen, es folgt
der Konsum
pornographischer Fotos, später Filme, dann werden die Phantasien im
(asiatischen oder osteuropäischen) Ausland realisiert und schließlich in der
eigenen Umgebung praktiziert. Ob durch ein Foto, einen Film oder im realen
Leben, sexualisierte Gewalt ist immer und überall schädigend Für ein Kind. Jedes
pornographische Kinderfoto, das jemand betrachtet, dokumentiert, dass
ein Kind sexuell missbraucht wurde.
Aber nun zu den Tätern
(Auszüge aus: Angela
May: Nein ist nicht genug. Ruhnmark 1997)
Wer sind die
Täter und wie werden sie dazu?
In der Öffentlichkeit
besteht eine weit verbreitete, aber falsche Vorstellung vom so genannten
‘Sexualstraftäter’ oder 'Triebtäter’. Oft werden sie als unattraktiv, pervers
oder krank wahrgenommen und/oder dargestellt. Viele glauben, Missbraucher
könnten ihre (gesteigerten) Sexualtriebe nicht unter Kontrolle bringen und seien
diesen Affekten hilflos ausgeliefert oder aber sie seien einfach psychisch
‘krank’. Dieser Auffassung stehen Untersuchungen entgegen, die belegen, dass
Missbrauchstäter ganz normale Männer sind, ohne psychisch krankhafte Befunde,
die sehr genau wissen, was sie tun. Denn sie planen ihre sexuell motivierten
Gewalttaten sorgfältig, um nicht "erwischt" zu werden. Missbraucher werden
deshalb selten in Verbindung gebracht mit Erfolg, Ansehen und Beliebtheit und
sind deshalb auch nicht im eigenen Bekanntenkreis oder in der Verwandtschaft
anzutreffen. Dennoch wird immer wieder versucht, sie als "krank" darzustellen.
Diese Versuche zeigen nur das Bestreben, das "Schreckliche" zu verleugnen und
sich selbst davon zu distanzieren. Die immer noch weit verbreitete Annahme, die
Täter seien ‘böse, fremde Männer’, die die Kinder bedrohen und gefährden, ist
falsch, denn die Bedrohung geht ja gerade meist von Vertrauenspersonen aus. In
den letzten Jahren wurde bekannt, dass auch Frauen
sexualisierte Gewalt verüben, manchmal auch gemeinsam mit dem Partner. Ca. 90%
der Täter sind jedoch Männer und ca. 10% Frauen.
Sowohl bei Sexuellem
Missbrauch innerhalb der Familie als auch außerhalb werden Strategien
angewendet. Der Unterschied besteht vor allem darin, dass sich innerhalb der
Familie nahezu ständig Situationen Für den Täter ‘ergeben’ oder herbeiführen
lassen. Hier kann er seine sexuellen übergriffe vornehmen, da das Kind seiner
Verfügungsgewalt untersteht. Hier kann er gezielt planen,
da die Tages- und Lebensabläufe bekannt sind. Täter, die außerhalb der Familie
sexuell missbrauchen sind gezwungen, weit reichendere
Strategien anzuwenden, um an die Opfer heranzukommen und sie an sich zu binden.
Bei der Auswahl der Opfer
gehen sie nach dem Prinzip des geringsten Aufdeckungsrisikos vor, d.h. es werden
entweder die eigenen Kinder missbraucht oder fremde Kinder, die ‘unauffällig’
oder sozial und emotional ‘vernachlässigt erscheinen, schüchtern und vielleicht
isoliert erscheinen. Diese Kinder haben aufgrund ihrer Situationen häufig
weniger Widerstandsmöglichkeiten. Opfer werden allerdings auch Kinder, die als
offen, freundlich und vertrauensvoll beschrieben werden. Vor allem Fremdtäter
suchen erste Kontakte, indem sie sich z.B. als Pfarrer oder Polizist verkleiden,
um ‘Nachrichten’ zu überbringen. So versuchen sie, das Vertrauen der Kinder zu
gewinnen, um sie dann später zu missbrauchen. Mit Hilfe von Schmeicheleien,
‘Zuwendung’ und Geschenken gewinnen sie die Freundschaft des Kindes und nehmen
gern die ‘väterliche’ Rolle oder die eines Ratgebers ein. Allmählich erfolgt die
Umwandlung dieser ‘Freundschaft’ in eine sexuelle Beziehung, die zunächst mit
sozial gebilligten, später mit sexuell doppeldeutigen Berührungen beginnt.
Allmählich werden vom Täter immer mehr sexuelle Momente in die Beziehung
eingebracht, und er verwickelt das Mädchen oder den Jungen sukzessive in
sexuelle Handlungen.
Manchmal werden auch die
Eltern in die Beziehung einbezogen, mit dem Ziel, die Eltern in Sicherheit zu
wiegen. Mit deren Genehmigung treffen sie das Opfer, die Eltern ahnen nichts,
weil sie den Täter Für ‘kinderlieb’ halten. Vor allem Pädosexuelle suchen
gezielt Beschäftigung in der Jugendarbeit: Jugendhilfeorganisationen,
Jugendverbände und Beratungsstellen, Kirche, Schule, Therapieeinrichtungen.
Täter verschaffen sich gezielt Kontakte zu allein
stehenden Frauen mit Kindern, schaffen ökonomische und. Emotionale
Abhängigkeiten, manchmal sogar durch Heirat. Die anschließende gesellschaftliche
Isolierung der Frauen erleichtert das Vorhaben der Täter.
Der Täter erreicht durch
seine emotionale Zuwendung, dass das Kind die sexuellen Handlungen über sich
ergehen lässt, sie duldet. Widersetzt sich das Kind, wird Gewalt angewendet.
Oder der Täter versucht, die ‘wunden Punkte’ des Kindes herauszubekommen und
diese Für seine Interessen auszunutzen, so dass gar kein offener Zwang oder
Gewalt nötig sind. Diese Tatsache ermöglicht es dem Täter, sich und dem Kind
vorzumachen, es mache ‘freiwillig’ mit. Auch die natürliche Neugier und die
altersbedingte Unwissenheit der Mädchen (Jungen) werden gezielt ausgenutzt.
Durch Geschenke wird Abhängigkeit erzeugt oder verstärkt.
Täterverhalten
Wir können auf verschiedenen
Ebenen mit Tätern zu tun haben. Innerhalb...
...der eigenen Familie
...des Freundes- und
Bekanntenkreise
...der Nachbarschaft
...des KollegInnenkreises
...im Kindergarten, in der
Schule, im Verein, in der Kirche...
Wir möchten Ihnen einige
Hinweise geben, die Sie aufmerksam machen sollten und dazu führen müssen, sich
die Motivation und den Zusammenhang der Handlungen näher zu betrachten.
Die Entstehung und Ausübung
von Täterverhalten wird unterschiedlich interpretiert.
Einerseits wird es als Folge
der männlichen Sozialisation und als Teil der männlichen Gesellschaftsordnung
gesehen, das von Männern erwartet, über andere Macht auszuüben und sich zu
"behaupten". Andererseits wird es verstanden als Ausdrucksmöglichkeit eines
machtlosen Menschen, der sexualisierte Gewalt als Kompensation von Hilflosigkeit
und Ohnmacht ausübt. Indem er sexuelle Gewalt anwendet, das Opfer demütigt und
ihm demonstriert ein ‘richtiger Kerl’ zu sein, kann er sich beweisen, dass er
mächtig und stark ist. Ein weiteres Erklärungsmodell zur Täterentwicklung
besteht in der Annahme, dass sich das missbrauchte männliche Kind mit ehemaligen
Missbraucher identifiziert und hierin eine Möglichkeit sieht, eigene
Opfererfahrungen und Ohnmachtgefühle zu überwinden. Dies
erklärt jedoch nicht, warum Mädchen, die ja um ein Vielfaches häufiger Opfer
sexualisierter Gewalt sind, diese Reaktion sehr viel seltener zeigen. Sehr viele
Mädchen stehen sehr wenigen Jungen als Opfer gegenüber, werden aber sehr viel
seltener später Täterinnen.
Einige "typische" Merkmale
von Tätern
- Sie sind nicht in der
Lage, ihre Bedürfnisse von denen des Kindes zu unterscheiden.
- Kindliche Bedürfnisse
nach Zuwendung und Zärtlichkeit deuten Täter im eigenen Interesse um als
Verlangen des Kindes nach sexuellen Kontakten. Hieraus wird deutlich, dass es
sich auf diesem Hintergrund in der Regel nicht um einmalige Taten, sondern um
Wiederholungstaten handelt.
- Nur selten sind die Täter
männlicher Opfer homosexuelle Männer, sondern überwiegend heterosexuell
orientiert. Oft sind sie verheiratet und die meisten von ihnen wären erstaunt,
wenn man sie als homosexuell bezeichnen würde.
In den letzten Jahren wurde
bekannt, dass 1/3 der Täter Jugendliche (teilweise bis 21 Jahre) sind, 2/3 sind
Erwachsene.
über die Vorbeziehung
zwischen Opfer und Täter gibt es sehr unterschiedliche Darstellungen. Ging man
bis vor einigen Jahren noch davon aus, dass die Täter "Fremde" sind, so ist im
Gegensatz hierzu heute bekannt, dass sich Täter und Opfer kennen, ja sogar
Verwandt sind. Etwa die Hälfte aller Täter kommt aus der direkten Familie (Vater[-figuren],
Bruder, Großvater, Mutter, Schwester, Großmutter). Nur etwa 6% aller Täter sind
dem Opfer vorher völlig unbekannt.
- Die Täter sind nicht
geisteskrank wie gerne angenommen wird, sondern zeigen im Verhältnis zur
"Normalbevölkerung" keine vermehrten psychologischen Störungen; sie sind
demnach normal entwickelte Persönlichkeiten.
- sexualisierte Gewalt ist
in allen Gesellschaftsschichten vertreten und es lässt sich keine spezielle
soziale Herkunft feststellen. Es handelt sich keinesfalls um ein Problem der
sozial Schwachen oder geringer Gebildeten.
- Untersuchungen haben
gezeigt, dass sie keine einheitliche, typische Täterpersönlichkeit
zeigen. Sie sind weder psychisch, noch im Sozialverhalten in irgendeiner Weise
auffällig, im Gegenteil, sie sind eher unauffällig und den herrschenden Normen
angepasst, was Für sie der wirksamste Schutz gegenüber Anschuldigungen und
Verdächtigungen ist.
- Auffällig ist jedoch ihre
ausgeprägte, sexistische Grundhaltung und ihr Anspruch auf Höherwertigkeit und
Vormachtstellung von Männern gegenüber Frauen.
Warum wird ein Mann zum
Täter?
Ein gibt keine einheitliche
"Erklärung", wie ein Mann sich zum Täter entwickelt. Es gibt verschiedene
Facetten, die zusammentreffen können, aber natürlich nicht zwangsläufig zu
Missbrauchsverhalten führen müssen, denn jeder kann sich anders entscheiden!
Aspekte, die dazu
beitragende können, dass Männer zu Tätern werden, können sein:
- Der Mann erlebt sich
selbst als machtloser Mensch, er versucht Macht herzustellen, indem er über
Schwächere Macht ausüben will z.B. durch sexualisierte Gewalt.
- Aufgrund von
Entwicklungsstörungen in der Kindheit und Pubertät erscheint es dem Täter
bedrohlich oder unmöglich, sexuelle Beziehungen zu Gleichaltrigen einzugehen
und die Normen und Werte der Erwachsenenwelt zu erfüllen. Hieraus kann sich
pädosexuelles Verhalten und damit die Fixierung auf Kinder entwickeln.
- Täter haben Defizite in
der Wahrnehmung und Wahrung emotionaler, körperlicher und sexueller Grenzen
anderen gegenüber.
- Täter wälzen ihre
Verantwortung Für die sexuellen Handlungen gerne auf andere oder das Opfer ab.
Sie übernehmen keine Verantwortung Für ihr Handeln und sind besonders
unsensibel im Hinblick auf die Bedürfnisse anderer oder ignorieren sie.
- Täter haben nur selten
ein Schuldbewusstsein entwickelt. Täter nehmen in der
Regel nur dann eine Therapie auf, wenn sie mit einer gerichtlichen
Verurteilung rechnen müssen. Dann gehen sie z.B. "freiwillig" zur Therapie, um
ein milderes Urteil zu erzielen.
- In der Regel ist der
Täter zu Therapiebeginn weit davon entfernt, die Verantwortung Für sein
Handeln zu übernehmen. Er verleugnet nicht nur das tatsächliche Ausmaß,
sondern auch die Handlungen und Folgen Für das Opfer.
Täter haben vor allem
Probleme in vier Bereichen Ihrer Persönlichkeit
- Männliche Identität
- Aggression
- Negatives Selbsterleben
(häufig verbunden mit negativer Einstellung und Bewertung des eigenen Körpers)
- Beziehungsunfähigkeit
Welche
Faktoren tragen dazu bei, dass ein Mann sich zum Täter entwickeln kann?
Gesellschaftsbedingte
Faktoren
- Patriarchale Ideologie
von männlicher Verfügungsgewalt Gegenüber Frau und
Kind.
- Machtungleichheit
zwischen Erwachsenen und Kindern.
- Die männliche Tendenz,
emotionale Bedürfnisse (z.B. nach Zuwendung, Zärtlichkeit) zu
sexualisieren.
- Kulturelle Darstellung
der (weiblichen) Sexualität als Ware (Werbung, Pornographie).
- Gesellschaftliche
Akzeptanz und Unterstützung aggressiven Sexualverhaltens von Männern.
- Erotisierung von
Kinderdarstellungen in der Werbung und In Filmen, Zunahme der
Kinderpornographie.
- Gesellschaftliche
Toleranz gegenüber sexuellem Interesse an Mädchen (Lolita-Mythos,
Pädosexualität).
- Männliche Sozialisation
zu Machtausübung und Dominanz gegenüber Schwächeren.
- Geringfügiges
Strafverfolgungsrisiko.
- Soziale Toleranz
gegenüber abweichendem Verhalten unter Alkoholeinfluss.
Persönlichkeitsbedingt
- Emotionale Unreife
- Flucht in sexuelle
Kontakte zum Kind. Diese werden als emotional bereichernd erlebt. Der Täter
identifiziert sich emotional mit dem Kind.
- Hemmung oder Weigerung,
eine altersangemessene und partnerschaftliche Beziehung zu einer erwachsenen
Partnerin einzugehen.
- Der Täter hat häufig
sexuelle Versagensangst und unzureichende soziale Kompetenzen (Konflikte,
Frustrationstoleranz).
- Wenn er selbst Opfer
sexualisierter Gewalt war, kann er durch frühes
Modellernen die Handlungsweisen übernehmen. Er versucht vielleicht eigene
Opfererfahrungen auf diese Weise zu bewältigen bzw. sich zu "rächen".
- Geringes Selbstwertgefühl
- Repressive Normen bezüglich Masturbation und außerehelichen Beziehungen
- Einfluss von Alkohol
- Verharmlosung des
verursachten Schadens.
Familien- beziehungsbedingt
- Die sozialen Regeln
(Inzesttabu) verlieren ihre hemmende Wirkung
- mangelnde
"inzestvermeidende" Mechanismen (falsches Rollenverständnis von Kindern z.B.
PartnerInnenersatz, fehlende Intimität).
- Keine direkte (leibliche)
Verwandtschaft zum Kind.
- Das Kind ist emotional
und sozial vernachlässigt.
- Das Kind ist isoliert.
Wir sollten aufmerksam
werden, wenn...
- ...erwachsene Menschen
den Kontakt nur über ein Kind zu einer Familie herstellen.
- ...Erwachsene große Teile
ihrer Freizeit mit Kindern verbringen.
- ...Erwachsene Situationen
schaffen, in denen sie mit Kindern allein sein können, ohne dass dafür ein erkennbarer Grund vorhanden ist oder sich
rechtfertigen lässt.
- ...Erwachsene sich
ungewöhnlich viel Für Kinder interessieren.
- ...Männer, Kinder (auch
in Kleingruppen) zu sich nach Hause einladen, wenn sie allein sind.
- ...die mit dem
Erwachsenen zusammen gewesenen Kinder ungewöhnliche Verhaltensweisen zeigen,
z.B.: Wie reagiert das Kind auf die Ankündigung des
Besuches von..., oder: Wie verhält sich das Kind demjenigen gegenüber,
vermeidet es Blick/Körperkontakt, entzieht es sich, wie reagiert es im
Anschluss an den Besuch?
- ...Männer ‘medizinische
Gründe’ vorschieben, den Genitalbereich von Kindern anzufassen, z.B. durch
‘intensives’ Eincremen von ‘wunden’ Stellen im Genitalbereich und dies
möglichst häufig wiederholen.
- ...Männer
Kinderpornographie, Kindererotika oder Presseberichte von sexuellen Straftaten
sammeln. Manche Täter masturbieren zu den Bildern, Filmen, Hörspielen (oder
erinnern sich an frühere sexuelle Straftaten mit Kindern). Hierdurch vollzieht
sich eine Abstumpfung gegenüber der sexualisierten
Gewalt von Kindern, Hemmungen werden zunehmend abgebaut und enden schließlich
irgendwann im tatsächlichen Missbrauch.
- ...Männer Bücher,
Artikel, Zeitungen, Fotos, Videos, private Briefe, Tagebücher, Kleidung,
Andenken, Spielzeug, Spiele, Bilder etc. sammeln (z.B. in Alben oder an die
Wand kleben), die mit sexuellem Missbrauch in Beziehung stehen.
- ...Männer fremde Kinder
fotografieren und sie dazu mit kleinen Geschenken oder der Aussicht, ins
Fernsehen oder in die Zeitung zu kommen, ‘überreden’. Sie machen dem Kind und
den Eltern Hoffnung, dass sie das Kind als Modell beim Fernsehen vorstellen
werden.
- ...ein Mann ständig ein
oder mehrere Fotos von einem oder mehreren Kindern in seiner Brieftasche
trägt, die unmittelbar mit ihm gar nichts zu tun haben (also keine Verwandten,
keine Patenkinder etc.).
- ...ein Mann seine Frau
und Kinder als Besitz ansieht, sie voll Eifersucht hütet und sich um jeden
Preis als (Be-)Herrscher der Familie behaupten will/wird.
Männer sollten nachdenklich
werden wenn...
...sie beim Masturbieren
oder beim Geschlechtsverkehr sexuelle Phantasien mit Kindern haben.
...sich ihre Gedanken
gehäuft um Kinder drehen. Diese Gedanken vor allem sexuellen Charakter haben.
(Nicht gemeint ist die allgemeine Sorge um Kinder, deren Verhaltensweisen,
Ängste, Nöte, oder Erziehungsfragen etc.).
...sie eine Erektion
bekommen, während ein Kind auf ihrem Schoß sitzt. Dies gilt vor allem dann, wenn
sich das wiederholt und wenn sie es infolgedessen auf ihrem Schoß behalten, weil
es ihnen angenehm ist oder sie sogar eine Verstärkung dieses Gefühles wünschen .
Auch wenn sie das Kind auf den Schoß nehmen, weil sie sich eine Erektion dadurch
erhoffen
Frauen als Täterinnen
sexueller Gewalt
Die Auseinandersetzung mit
sexueller Gewalt wurde von feministischer Seite lange Zeit ausschließlich auf
dem Hintergrund männlicher sexueller Gewalt gegenüber weiblichen Opfern geführt.
Dies hatte seine Berechtigung, angesichts der Zahlenverhältnisse männlicher und
weiblicher Täter. Während man zu Beginn der 80er Jahre davon ausging, dass die
Täter fast zu 100% männlich sind, kann zum gegenwärtigen Zeitpunkt davon
ausgegangen werden, dass etwa 90% der Täter männlich und 10% weiblich sind.
Diese Zahlenangaben sind als Annäherungswerte zu bezeichnen und können nicht auf
breit angelegte Forschungsergebnisse gestützt werden. Sie stellen eher
Schätzungen dar, die aufgrund von Untersuchungen mit kleineren Stichproben
erfolgten. Forschungen über weibliche Täter sind in der Bundesrepublik bisher
nicht ausreichend durchgeführt worden. Den MitarbeiterInnen von Beratungsstellen
gegen sexuelle Gewalt wurde erst sukzessive bewusst, dass auch
Frauen Mädchen und Jungen sexuell missbrauchen. Dies
konnte jedoch erst geschehen, als das Tabu, dass auch Frauen Täterinnen sind,
allmählich aufbrach. In der (feministischen) Beratungspraxis rief diese neue
Erkenntnis große Verunsicherung hervor, und erst allmählich reifte die
Einsicht, dass sexualisierte Gewalt zwar seltener als von Männern, aber
keineswegs vereinzelt durch Frauen ausgeübt wird. Es
stellt also eine Notwendigkeit dar, sich mit dieser Facette sexueller Gewalt
auseinander zu setzen.
Wie kommt es, dass bisher so
wenig über sexualisierte Gewalt durch Frauen bekannt ist? Sexualisierte Gewalt
durch Frauen unterliegt, aufgrund von Weiblichkeits- und
Mütterlichkeitsmythologien, derzeit einem noch größeren Tabu als sexualisierte
Gewalt durch Männer. Es ist aber davon auszugehen, dass eine Enttabuisierung
dazu beiträgt, eigene Betroffenheit und damit Prävalenz und Phänomenologie
bekannt zu machen. Ein weiterer Aspekt ist die zögernde Bereitschaft von
Männern/Jungen, über die erlebte sexualisierte Gewalt zu
sprechen. Außerdem wird sexualisierte Gewalt an einem (pubertierenden) Jungen
durch eine Frau von ihm selbst und von der Gesellschaft oft nicht als sexuelle
Ausbeutung eingestuft, sondern, wie bereits erwähnt, als ‘Einweihung ins
Mannesalter’ durch eine ‘erfahrene’ und ‘reife’ Frau angesehen oder umgedeutet.
Deshalb verdrängen männliche Opfer eher Erinnerungen an einen Missbrauch durch
Frauen als an einen durch Männer. Oft wird behauptet, der Junge würde quasi mit
Erfahrungen ‘beschenkt’, weil er jetzt weiß, wie mit Frauen ‘umzugehen’ ist und
nun nicht mehr ’stÜmperhaft’ mit pubertierenden Mädchen ‘herumexperimentieren’
müsse. Sexualisierte Gewalt durch eine Frau ist für die
meisten Jungen jedoch weniger ein Geschenk, sondern vielmehr, ähnlich wie Für
Mädchen, eine erhebliche Störung in der psychosexuellen Entwicklung.
Sexualisierte Gewalt durch
Frauen ist schwerer wahrzunehmen und aufzuklären, da er häufig in Pflege- und
Fürsorgeverhalten eingebunden ist. Jedoch scheint sich hierin eine Verharmlosung
widerzuspiegeln, die von tief liegenden Ängsten vor
sexueller Gewalt durch Frauen und Mütter gekennzeichnet ist. Diese Ängste
verhindern die Aufklärung sexualisierter Gewalt durch
Frauen. Hierin spiegelt sich die mythologisierte Idealisierung der Mutterrolle
wider. Sie ist in der patriarchalen Gesellschaft ideologisch und emotional
geprägt. Die Mutter wird als asexuelles Wesen gesehen, die sich dem Kind
selbstlos zuwendet. Die Für sorge und Pflege der Kinder obliegt auch heute noch
vor allem den Frauen. Ihnen wird ein intensiverer Körperkontakt zu Kindern
zugestanden als Männern, und bestimmte Handlungen werden bei Frauen noch als
‘normal’ angesehen, die bei Männern aber schon als übergriffe wahrgenommen
werden. So kann das Sorge- und Pflegeverhalten von Mütter n oder Frauen, wenn es
mit sexuellen übergriffen gekoppelt sein sollte, gut kaschiert werden.
Wird sexualisierte Gewalt
als patriarchales Macht- und Unterwerfungsbedürfnis
verstanden, steht diese Erkenntnis scheinbar im Widerspruch zur Mutter- und
Frauenrolle. Frauen werden zwar als das ‘friedfertige Geschlecht’ sozialisiert
und wurden deshalb lange nicht als potentielle Täterinnen in Betracht gezogen.
Frauen sind jedoch nicht nur Angriffsfläche Für männliche Gewalt, sondern auch
in der Lage, gegenüber statusniedrigeren, schwächeren Personen Gewalt auszuüben.
Dieser Aspekt wurde lange ausgeblendet und führte dazu, Frauen nicht als Täterin
wahrzunehmen. Hinzu kamen andere Gründe, die diese Einsicht verhinderten und
tabuisierten. Nach Elliotts Auffassung wirkt sexualisierte Gewalt durch Frauen
so bedrohlich, weil er unsere Vorstellungen darüber, wie sich Frauen gegenüber
Kindern verhalten (sollen) irritiert und in Frage stellt. Andererseits gibt es
Gründe, die erklären, warum weniger Frauen als Männer zu Täterinnen werden:
Die geschlechtsspezifische
Erziehung prägt die Orientierung bei Mädchen und Frauen auf ältere, größere und
stärkere Partner und ist deshalb nicht auf dominantes Rollenverhalten gerichtet.
- Männer sind auch heute
noch meist die Aktiven im Herstellen von Sexualkontakten. Die fehlende
Akzeptanz gegenüber dem "NEIN" einer Frau führt dazu, dass sie sich angespornt
fühlen, die Frau dennoch zu erobern. Sie setzen sich notfalls über physische
und psychische Grenzen hinweg. Sie deuten das "NEIN’ um als verdeckten Wunsch
nach Sexualität und bestätigen damit die Rollenerwartung an Frauen, sich nicht
allzu schnell in Sexualkontakte einzulassen.
- Frauen neigen viel
weniger als Männer dazu, Beziehungen zu sexualisieren und verhalten sich
deshalb weniger promiskuitiv.
- Während Frauen eher durch
den Kontext einer emotionalen Beziehung zum/r PartnerIn sexuell erregt werden,
sind Männer eher durch Außenreize außerhalb des Beziehungskontextes erregbar
(z.B. durch Pornographie).
- Frauen können besser
zwischen Gefühlen von Zuneigung, Zärtlichkeit und sexuellen Gefühlen
unterscheiden. Männer neigen eher dazu, nicht-sexuelle Kontakte als sexuelle
zu deuten.
- Männer reduzieren
positive Zuwendung auf Sexualität und leiten daraus automatisch Penetration
ab.
- Das Selbstwertgefühl bei
Frauen ist weniger auf sexuelle Aktivitäten und Bestätigung ausgerichtet als
bei Männern.
- Frauen werden schon als
Mädchen auf die Mutterrolle hin erzogen und sind daher stärker am Wohlergehen
der Kinder interessiert als Männer.
- Frauen werden häufiger
als Männer versuchen, Mädchen vor sexuellen übergriffen zu bewahren und ihre
eigenen Impulse zu Sexuellem Missbrauch eher unterdrücken.
- Die Fixierung der
Geschlechterrolle sieht Für Frauen die Auswahl älterer Partner vor und
stigmatisiert Beziehungen zwischen älteren Frauen und jüngeren Männern
negativ. Umgekehrt werden Sexualkonzepte oder Heirat zwischen älteren Herren
und minderjährigen Mädchen toleriert und partiell sogar glorifiziert als
persönlicher, besonders männlicher Erfolg bewertet.
- Mädchen (Frauen) werden
in ihrer Sozialisation eher zu empathischen Verhalten erzogen (angehalten),
als Jungen (Männer). Diese Tatsache kann dazu beitragen, dass Frauen von
Missbrauchshandlungen eher abgeschreckt werden.
- Konfliktbewältigungen von
Frauen und Mädchen erfolgen häufig autoaggressiv und instrumentell. Die
Reinszenierung eigener Opfererlebnisse erfolgt selten durch die Einnahme der
Täterinnenrolle.
- Männer neigen eher als
Frauen dazu, zwischen der eigenen Person und den Geschlechtsorganen zu
trennen. Sie funktionalisieren ihren Körper und setzen ihn als Mittel ein. Sie
können ihren Penis als Waffe einsetzen und dadurch Gewalt ausüben.
Diese Ausführungen sollen
Frauen nicht als die ‘besseren Menschen’ hinstellen, sondern Verhalten im
Kontext gesellschaftlicher Bedingungen aufzeigen. Die Tatsache, dass Frauen
dennoch zu Täterinnen werden, hat bisher nicht zu einer systematischen und breit
angelegten Forschung geführt. Die bisherigen Forschungsergebnisse beziehen sich
häufig auf sehr kleine (klinische) Stichproben und sind nicht repräsentativ,
daher lassen sich nur bedingt Aussagen machen.
Wir hoffen, dass dieser
Artikel dazu beiträgt, die falschen und verhängnisvollen Vor-Urteile über Täter
zurecht zu rücken und wünschen uns
eine in der Öffentlichkeit angemessenere, weil sachlich fundiertere Diskussion,
außerhalb von "Schwanz ab" und "Rübe ab"-Argumentationen.
Denn: Der Sexuelle
Missbrauch beginnt im Kopf und nicht im Penis! Deshalb werden von der
medizinischen oder pharmazeutischen Kastration zwar ÄrztInnen und
PharmazeutInnen reich, aber unsere Kinder bleiben sexualisierter Gewalt weiter
ausgesetzt, der Täter braucht keine Erektion, um ihnen sexuelle Gewalt anzutun!
Link: Ist denen überhaupt zu helfen? Möglichkeiten der
TÄTERTHERAPIE
Wer sich auf
eine kritische Auseinandersetzung zum Umgang mit Tätern einlassen will, dem sei
das Buch von: Andrew Vachss und Klaus Leggewie: über das Böse empfohlen.
Ansonsten empfehlen wir unsere
Literaturliste zum Thema
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