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Gabi Lummas Unaussprechliches begreifbar machen Im Juli 1959 wurde ich in Hamburg geboren und musste aufgrund einer schweren Krankheit meiner Mutter meine Kindheit in Heimen und Pflegefamilien verbringen. In meiner ersten Pflegefamilie, in der ich vom fünften bis zum achten Lebensjahr war, habe ich offenbar schlimme Misshandlungen erfahren, so dass ich die ersten acht Lebensjahre komplett in mir „verschlossen“ habe und lange der Meinung war, dass mein Leben erst mit dem neunten Lebensjahr begann. Wichtige „Indizien“ für die Verletzungen, die mir zugefügt wurden, sind die Autoaggressionen und die Lebensunlust, unter denen ich seit meinem neunten Lebensjahr litt. Erst mit 32 Jahren fing ich an, die Selbstverletzungen zu hinterfragen, die ich bis dahin als zu mir gehörend empfand wie Arme und Beine. Ich zog in eine kleine bayrische Kleinstadt, um mich dieser inneren Not zu stellen, was in mir massive Ängste auslöste. Während einer ambulanten Therapie, in deren Verlauf verdrängte Gefühle ausbrachen, musste ich mich in stationäre Behandlungen begeben, da das ambulante Verfahren keinen ausreichenden „Schutz“ mehr bieten konnte. In der ersten Klinik für psychosomatische Erkrankungen nahmen meine Selbstverletzungen bedrohlichere Formen an, bis hin zu Suizidversuchen. Ich vernahm innere Botschaften, die mich mit Sätzen antrieben wie: „Schlitz dir doch den Bauch auf.., gib dir die Kugel…, bring dich doch um…“ Um dieses Grauen in mir transparent machen zu können, brauchte ich eine ganz eigene Sprache, die es mir zudem ermöglichte, mein destruktives Verhalten verstehen zu können. Ich begann Tagebuch zu schreiben. So entstand meine Autobiographie „Verschlossene Seele“*, die 1999 veröffentlich wurde. Durch das Bekennen meiner Autoaggressionen wurde ich von einer grundtiefen Scham ergriffen. Intuitiv stellte ich mich diesem Abgrund, und es begann eine „Reise ins Unbewusste“, für die mir eine Ausdrucksform gegeben wurde, um Unaussprechliches BE-GREIFBAR zu machen. Es „ebnete“ sich mir ein Weg: Anstelle von Selbstverletzungen lernte ich das Modellieren einzusetzen. Im Laufe der Zeit kam ein gewisser „Fluss“ in meine Modellier– Arbeiten, ich fühlte oder hörte etwas in mir und dementsprechend versuchte ich durch Ton, diesen Zustand darzustellen. Je mehr ich bereit war, mich vom Intuitiven leiten zu lassen, desto mehr „innere Türen“ öffneten sich und so gelang ich immer tiefer zu meinem Unterbewusstsein. Das, was in mir ablief, setzte ich anhand dieser Bilder, Figuren und der dazugehörigen Utensilien in Szene. Was sich all die Jahre in mir vollzogen hatte, ohne dass ich mir über dessen Sinn und Ablauf im Klaren war, zeigte sich nun in den unterschiedlichen Materialien und Darstellungen. Somit erkannte ich, dass mein Unbewusstes die Vergangenheit re-inszenierte! Durch das „nach -außen– bringen“ der inneren Wahrnehmungen beim Modellieren bekam ich einen Zugang zu dem mir bisher im Bewusstsein Verschlossenen. Ich verstand, dass die Autoaggression eine Sprache ist, die mir etwas sagen will. Ich war endlich bereit, mich ihr zu stellen. Erst als ich begann, diese Sprache kreativ umzusetzen, verlor die Autoaggression ihre „Macht“. Seit Oktober 1999 verletze ich mich nicht mehr. Die detaillierte Darstellung dieses Prozesses beschreibe ich gerade in meinem zweiten Buch.
Zu den Tonplastiken
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